Burn-out entsteht selten über Nacht. Es ist ein schlei­chen­der Prozess – oft getra­gen von Leis­tungs­wil­len, Verant­wor­tung und dem Wunsch, alles rich­tig zu machen. Genau deshalb trifft es häufig enga­gierte, kompe­tente Menschen.

Die gute Nach­richt: Burn-out ist vermeid­bar, wenn Warn­si­gnale ernst genom­men und recht­zei­tig gehan­delt wird.

1. Warnsignale erkennen – nicht ignorieren

Chro­ni­sche Erschöp­fung, Schlaf­stö­run­gen, innere Leere oder Zynis­mus sind keine Schwä­chen, sondern Früh­warn­sys­teme deines Körpers.

2. Arbeit ≠ Identität

Du bist mehr als deine Rolle, Posi­tion oder Leis­tung. Wer sich ausschließ­lich über Arbeit defi­niert, verliert bei Über­las­tung den inne­ren Halt. In unse­rer Kultur wird die Iden­ti­tät der Person über die Arbeit defi­niert. Es gilt noch immer das protes­tan­ti­sche Ethos «Arbeit und Bete». Wenn wir eine neue Person kennen­ler­nen, ist eine der ersten Fragen, die wir gerne stel­len: “Was machst du so?” Denn wir neigen dazu, unsere eigene Iden­ti­tät und die ande­rer nach unse­ren Beru­fen zu struk­tu­rie­ren. Das ist inso­fern posi­tiv, als dass es uns erlaubt, uns selbst und ande­ren bestimmte Rollen zuzu­schrei­ben. So fühlen wir uns als Teil einer Gruppe und nur so können wir uns vonein­an­der abgren­zen. Wenn Arbeit und Iden­ti­tät jedoch allein sinn­stif­tend ist, kann das zu Proble­men führen.

3. Klare Grenzen setzen

Erreich­bar­keit rund um die Uhr ist kein Zeichen von Enga­ge­ment, sondern ein Risi­ko­fak­tor. Gren­zen schüt­zen deine Ener­gie – und lang­fris­tig auch deine Leis­tungs­fä­hig­keit. Also Smart­phone Detox, insbe­son­dere in der Frei- und Ruhe­zeit.

4. Pausen bewusst einplanen

Pausen sind kein Luxus. Sie sind produk­tive Rege­ne­ra­ti­ons­zei­ten für Gehirn, Nerven­sys­tem und Emotio­nen. Insbe­son­dere der Schlaf ist matchend­schei­dend. Nicht die Quan­ti­tät, sprich Anzahl Stun­den ist entschei­den, sondern viel­mehr die Quali­tät, mit einer sequen­zi­el­len Abwechs­lung zwischen Tief­schlaf- und REM-Phasen. Die eigent­li­che Erho­lung erfolgt im Tief­schlaf.

5. Perfektionismus loslassen

„Gut genug” ist oft gesün­der als „perfekt”. Perfek­tio­nis­mus ist einer der häufigs­ten inne­ren Antrei­ber auf dem Weg ins Burn-out. Die Frage, die sich hier stellt ist «wann ist gut, gut genug». Ein Work­aho­lic hat mir über seine Glau­bens­sätze, die er von seinem Vater verin­ner­licht hatte, gesagt bekom­men: «Das über­durch­schnitt­li­che wird voraus­ge­setzt und das ausser­or­dent­li­che erwar­tet». Das heisst hier wurde ein Anspruchs­ni­veau gesetzt, das gar nie erfüllt werden kann.

6. Stress nicht nur managen – verstehen

Stress entsteht nicht nur durch äußere Anfor­de­run­gen, sondern durch innere Bewer­tun­gen. Wer seine Stress­mus­ter kennt, gewinnt Hand­lungs­spiel­raum. Das heisst ist die Situa­tion, die Heraus­for­de­rung bekannt und sind erlernte Hand­lungs­mög­lich­kei­ten vorhan­den.

7. Sinn und Werte klären

Burn-out entsteht häufig dort, wo Leis­tung keinen inne­ren Sinn mehr hat. Frage dich regel­mä­ßig: Wofür mache ich das – und zu welchem Preis?

8. Körperliche Signale ernst nehmen

Kopf, Rücken, Magen, Herz – der Körper spricht oft früher als der Verstand. Auf den Körper hören ist Präven­tion. Wenn der Körper instru­men­ta­li­siert wird zum ausschliess­li­chen erfül­len einer Funk­tion, entsteht früher oder später eine soma­ti­sche Reak­tion.

9. Unterstützung annehmen

Coaching, Austausch oder thera­peu­ti­sche Beglei­tung sind kein Zeichen von Schei­tern, sondern von Selbst­ver­ant­wor­tung.

10. Frühzeitig Selbstreflexion nutzen

Je früher du hinschaust, desto leich­ter ist die Kurs­kor­rek­tur. Präven­tion beginnt mit Ehrlich­keit sich selbst gegen­über.

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Burn-out ist kein persön­li­ches Versa­gen.
Es ist ein Signal, dass etwas Wich­ti­ges gese­hen und verän­dert werden will.