„Hängt nicht der Vergan­gen­heit nach, verliert euch nicht in der Zukunft. Die Vergan­gen­heit ist vergan­gen, die Zukunft ist noch nicht gekom­men. Wer aber das Sosein der Dinge im gegen­wär­ti­gen Moment mit Klar­heit sieht, der festigt den Geist.”
– Bhad­de­karatta Sutta

Wir erzäh­len uns die Geschichte von Siddha­rtha Gaut­ama oft als eine sanfte Legende: Ein Mann sitzt unter einem Bodhi-Baum und findet den Frie­den. Aber wir verges­sen den Anfang dieser Geschichte. Bevor er Buddha wurde, war er ein Prinz. Er hatte das, was wir heute als das “perfekte Leben” bezeich­nen würden: uner­mess­li­chen Reich­tum, Macht, eine Fami­lie, abso­lute Sicher­heit. Sein Vater hatte ihn in einem Palast einge­sperrt, der ihn vor jedem Anblick von Leid, Alter und Tod abschirmte. Es war ein golde­ner Käfig der maxi­ma­len Bequem­lich­keit.

Sein Aufbruch war ein Skan­dal. In einer einzi­gen Nacht verriet er dieses Para­dies. Er verließ Frau, Kind und Erbe. Er tauschte Seide gegen Lumpen, das weiche Bett gegen den harten Wald­bo­den, das sichere Erbe gegen die totale Unge­wiss­heit der Obdach­lo­sig­keit. Warum tut jemand so etwas? Weil er begrif­fen hatte, dass seine Sicher­heit eine Illu­sion war. Er spürte, dass er in der Sätti­gung verhun­gerte. Er erkannte, dass das wahre Leben drau­ßen statt­fand – dort, wo es wehtut, wo gestor­ben, gelit­ten und wirk­lich gelebt wird.

Seine Geschichte lehrt uns eine unbe­queme Wahr­heit: Oft ist das, was uns fest­hält, nicht das Unglück, sondern der Komfort. Wir blei­ben im falschen Job, in der erkal­te­ten Bezie­hung oder in der lähmen­den Routine, weil das Essen gut und die Kissen weich sind. Wir arran­gie­ren uns mit der Unfrei­heit, solange sie gut bezahlt ist. Der erste Schritt zur Frei­heit ist deshalb selten der Schritt ins Licht. Es ist der Schritt raus aus dem gemach­ten Nest, hinein in die beängs­ti­gende Dunkel­heit der Nacht.

Welcher goldene Käfig ist bei dir inzwi­schen so bequem einge­rich­tet, dass du die Gitter­stäbe für Deko­ra­tion hältst?

In dieser Woche schauen wir uns die Anato­mie des Aufbruchs bei denen an, die es vorge­macht haben. Wir folgen Jesus in die Einsam­keit der Wüste, sehen Rosa Parks sitzen­blei­ben, beglei­ten Nelson Mandela durch das Tor der Frei­heit, verlie­ren mit Kolum­bus das Ufer aus den Augen und lernen von Steve Jobs, wie man einen Raus­wurf als Treib­stoff nutzt.

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