Wenn wir über Erschöpfung sprechen, denken viele an Burnout – an Überforderung, hohen Druck oder fehlende Pausen. Andere erleben das Gegenteil: Boreout, eine Erschöpfung durch Unterforderung, Sinnverlust oder das Gefühl, im Falschen festzustecken. Beide Phänomene wirken unterschiedlich – und doch liegen sie erstaunlich nah beieinander.
In meiner täglichen Arbeit zeigt sich immer wieder: Ob jemand zu viel trägt oder innerlich längst ausgestiegen ist, der Weg in die Erschöpfung führt häufig über denselben Mechanismus – einen schleichenden Verlust an innerem Kontakt. Das passiert weder absichtlich noch bewusst – es ist eine alte, sehr wirksame Schutzstrategie.
Frühe Schutzmuster – und wie sie später erschöpfen
Das Neuroaffektive Beziehungsmodell (NARM™) nach Dr. Laurence Heller beschreibt sehr klar, wie unser Nervensystem früh lernt, mit Stress und Beziehungserfahrungen umzugehen. Manche Kinder ziehen sich innerlich zurück, weil Gefühle nicht willkommen waren. Andere werden leistungsorientiert, weil Anerkennung nur über Funktionieren möglich war. Wieder andere machen sich klein oder groß, um Bindung zu sichern.
Diese Muster sind keine Fehler. Sie sind Höchstleistungen des Nervensystems. Doch wenn sie im Erwachsenenleben unverändert weiterlaufen, entsteht innere Distanz – der Körper macht weiter, aber die Verbindung nach innen wird dünner. Viele meiner Klient:innen beschreiben genau das:
• „Ich merke nicht mehr, was ich brauche.“
• „Ich bin erschöpft, aber komme nicht zur Ruhe.“
• „Ich funktioniere – mehr aber nicht.“
• „Ich spüre mich kaum.“
Wenn das Innere zu weit weg ist
Unabhängig davon, ob die Erschöpfung durch Überforderung oder Unterforderung entstanden ist – die Beschreibungen ähneln sich:
• Der innere Druck steigt, während die Orientierung schwindet.
• Entscheidungen werden schwer.
• Bedürfnisse sind kaum noch wahrnehmbar.
• Der Körper sendet Signale, die niemand mehr richtig deutet.
Es fühlt sich an, als würde der Mensch auf einer inneren Insel stehen – weit entfernt vom eigenen Erleben.
Genau hier beginnt meine Arbeit: Menschen dabei zu unterstützen, wieder in Kontakt zu kommen – achtsam, körpernah, präsent.
Ein Moment, der oft vieles verändert (anonymisiertes Fallbeispiel)
Eine Klientin kam mit tiefer Erschöpfung. Nach außen funktionierend, nach innen leer. In einer der ersten Sitzungen wurden wir gemeinsam still. Ihr Atem war flach, die Schultern angespannt. Nach einigen Minuten sagte sie ganz leise: „Ich bin unglaublich müde. Diese Müdigkeit ist schon so lange da … ich habe sie nur nie wahrgenommen.“
Es war kein dramatischer Moment, sondern ein ehrlicher. Und genau das ist oft der erste Schritt zurück zu sich. In NARM nennen wir das den Zugang zum Kern-Selbst – dem Teil in uns, der präsent, warm und unversehrt ist, unabhängig von Geschichte, Stress oder Erwartungen.
Burnout-Arbeit ohne Druck – und ohne Optimierungsagenda
Viele Ansätze arbeiten mit Tools, Zeitmanagement oder Leistungsstrategien. Das kann helfen, wenn Strukturen fehlen. Doch wenn Menschen im Innersten erschöpft sind, brauchen sie etwas anderes:
• Kontakt zu sich
• Einen Raum ohne Optimierungsagenda
• Ein Nervensystem, das zur Ruhe kommen darf
• Einen Körper, der wieder spüren darf
• Eine innere Stimme, die hörbar wird
In der Arbeit mit NARM geht es genau darum: Verbindung statt Leistung. Präsenz statt Selbstoptimierung. Ehrlichkeit statt Funktionieren.
Eine kleine Übung – für diesen Moment
Wenn du magst, nimm dir einen Augenblick. Lege eine Hand auf deine Brust, atme bewusst ein und aus und frage dich: „Was nehme ich in mir wahr, wenn ich gerade nichts leisten muss?“
Vielleicht Druck. Vielleicht Stille. Vielleicht Erleichterung. Was auch immer sich zeigt, ist Kontakt. Und Kontakt ist der Anfang von Veränderung.
Ein neuer Blick auf Erschöpfung
Erschöpfung ist nicht das Endstadium von Kraft. Sie ist ein Hinweis, dass etwas Wichtiges gesehen werden möchte. Und oft ist sie der Anfang eines Weges zurück zu etwas Wesentlichem:
• zu innerer Ruhe
• zu Klarheit
• zu Selbstmitgefühl
• zu dem Gefühl, wieder bei sich zu sein
Ob sie durch Überforderung oder Unterforderung entstanden ist – oft zeigt sie denselben leisen Ruf nach Verbindung. Ein Signal, dass etwas in uns wieder wahrgenommen, gespürt und gehört werden möchte.
Und genau dort beginnt Heilung: im Körper, im Spüren und im echten Kontakt mit sich selbst.
Erschöpfungsprävention setzt oft auf Techniken. Doch ein überlastetes oder unterfordertes Nervensystem braucht weniger Methoden und mehr Beziehung zu sich selbst: Kontakt zu Grenzen, zu Gefühlen, zu Bedürfnissen. Wenn dieser Kontakt wieder entsteht, verändert sich vieles – nicht plötzlich, aber spürbar.
In Verbindung kommen – mit dir selbst und dem Leben. Mehr über meine Arbeit findest du unter: impulskraft-coaching.de

