Du suchst einen Coach und stößt auf Zertifikate, Ausbildungen und Berufsbezeichnungen, die du kaum einordnen kannst. Coach, psychologischer Berater, Heilpraktiker für Psychotherapie, Psychologe, Psychotherapeut: Was davon sagt eigentlich etwas darüber aus, was jemand kann und darf?
Eine wichtige Antwort lautet: Es kommt darauf an, in welchem Land du bist.
Deutschland, Österreich und die Schweiz gehen mit Beratung, Coaching und psychologischen Berufen unterschiedlich um. Für dich als Klient ist deshalb weniger entscheidend, was auf einer Website groß über dem Foto steht. Interessanter ist, welche Qualifikation dahintersteht, was konkret angeboten wird und wo der Anbieter selbst die Grenze seiner Arbeit zieht.
Ein Coach ist nicht automatisch Psychotherapeut. Ein Zertifikat macht aus einem Coaching keine Heilkunde. Und eine beeindruckende Berufsbezeichnung sagt noch nicht, ob jemand Erfahrung mit genau deinem Problem hat.
Bevor du einen Coach auswählst: Stelle diese fünf Fragen
Unabhängig davon, ob du in Deutschland, Österreich oder der Schweiz suchst, kannst du ein Angebot mit fünf einfachen Fragen besser einschätzen:
- Wobei soll mir die Person konkret helfen? Geht es um Führung, Beruf, Entscheidungen, Beziehungen oder um psychische Beschwerden?
- Welche Ausbildung hat sie? Nicht nur der Name einer Ausbildung ist interessant, sondern auch Umfang und Inhalt.
- Welche praktische Erfahrung bringt sie mit? Wer Führungskräfte begleitet, sollte beispielsweise die Realität von Führung kennen.
- Kann sie erklären, wo ihre Grenzen liegen? Ein seriöser Coach sollte wissen, wann Coaching nicht mehr das richtige Angebot ist.
- Passt die Person zu mir? Auch eine umfangreiche Ausbildung ersetzt nicht das persönliche Vertrauen.
Deutschland: Coach kann vieles bedeuten
In Deutschland gibt es keine einheitliche staatliche Berufsausbildung zum Coach. Deshalb findest du unter derselben Bezeichnung Menschen mit sehr unterschiedlichen beruflichen Hintergründen.
Das muss nichts Schlechtes sein. Ein ehemaliger Geschäftsführer kann für ein Führungskräfte-Coaching genau die Erfahrung mitbringen, die ein Klient sucht. Bei anderen Anliegen kann eine psychologische oder therapeutische Ausbildung wesentlich wichtiger sein.
Entscheidend wird die Abgrenzung dort, wo es nicht mehr um Coaching, sondern um die Feststellung oder Behandlung einer psychischen Erkrankung geht.
Das Psychotherapeutengesetz unterscheidet hier zwischen Psychotherapie zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert und Tätigkeiten, die beispielsweise der Aufarbeitung sozialer Konflikte oder anderen Zwecken außerhalb der Heilkunde dienen.
Und was ist ein Heilpraktiker für Psychotherapie?
In Deutschland gibt es neben ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten auch Personen mit einer auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkten Heilpraktikererlaubnis. Umgangssprachlich wird dafür häufig die Bezeichnung Heilpraktiker für Psychotherapie verwendet.
Das ist für die Coachsuche durchaus relevant. Ein Coach und ein Heilpraktiker für Psychotherapie arbeiten nicht automatisch im selben rechtlichen Rahmen. Wer eine entsprechende Heilpraktikererlaubnis besitzt, darf im Rahmen dieser Erlaubnis heilkundlich auf dem Gebiet der Psychotherapie tätig werden.
Umgekehrt sollte eine solche Erlaubnis nicht mit einem Studium der Psychologie oder einer Approbation als Psychotherapeut gleichgesetzt werden. Es handelt sich um unterschiedliche Qualifikations- und Zugangswege.
Wann sollte ich genauer hinschauen?
Wenn dein eigentliches Anliegen nicht mehr hauptsächlich eine berufliche oder persönliche Entwicklungsfrage ist, sondern du beispielsweise unter starken oder anhaltenden psychischen Beschwerden leidest, solltest du prüfen, welche therapeutische beziehungsweise heilkundliche Qualifikation die betreffende Person tatsächlich besitzt.
Wenn du gezielt nach entsprechend zugelassenen Anbietern suchst, findest du hier eine Übersicht:
Österreich: Hier ist die konkrete Tätigkeit besonders wichtig
In Österreich lohnt sich ein genauerer Blick auf das tatsächliche Angebot eines Coaches.
Die Lebens- und Sozialberatung, auch Psychosoziale Beratung genannt, ist dort ein reglementiertes Gewerbe. Die österreichische Gewerbeordnung erfasst unter anderem die Beratung und Betreuung von Menschen bei Persönlichkeitsproblemen, Beziehungsproblemen und Berufsproblemen.
Der Tätigkeitskatalog der Wirtschaftskammer Österreich nennt in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch Beratung, Coaching, Counselling und Betreuung in verschiedenen Bereichen.
Das bedeutet nicht, dass jede Leistung, auf der irgendwo „Coaching“ steht, automatisch identisch einzuordnen ist. Gerade in Österreich ist deshalb die Frage wichtig:
Was macht der Anbieter tatsächlich?
Ein Coaching zu Führung, Organisation oder fachlichen Fragestellungen kann anders einzuordnen sein als eine personenbezogene Beratung zu tiefgreifenden persönlichen Problemen.
Schau bei einem österreichischen Anbieter nicht nur auf das Wort „Coach“. Lies die Leistungsbeschreibung. Je persönlicher und psychosozialer das behandelte Thema wird, desto wichtiger ist die Frage nach Ausbildung und beruflicher Berechtigung.
Schweiz: Coach und Psychologe sind nicht dasselbe
Auch in der Schweiz sagt die Bezeichnung Coach allein wenig darüber aus, welche Ausbildung jemand absolviert hat.
Anders sieht es bei bestimmten psychologischen Berufsbezeichnungen aus. Das Schweizer Psychologieberufegesetz schützt unter anderem die Bezeichnung Psychologin beziehungsweise Psychologe. Auch für die Psychotherapie gelten eigene gesetzliche Anforderungen.
Für deine Suche bedeutet das vor allem: Lies genau, welche Qualifikation tatsächlich angegeben wird.
„Psychologischer Coach“ und „Psychologe“ klingen beispielsweise ähnlich, müssen aber keineswegs dasselbe bedeuten.
Welchen Coach brauche ich überhaupt?
Statt zuerst nach Zertifikaten zu suchen, kannst du mit deinem Anliegen beginnen.
Du möchtest eine Führungsrolle besser bewältigen?
Dann können Führungserfahrung, Branchenkenntnis und Erfahrung mit konkreten Führungssituationen wichtiger sein als eine therapeutische Ausbildung.
Du überlegst, beruflich noch einmal neu anzufangen?
Dann können Kenntnisse über Berufsbiografien, Entscheidungsprozesse und den Arbeitsmarkt interessant sein.
Du möchtest einen Konflikt oder eine schwierige Entscheidung sortieren?
Frage nach konkreter Erfahrung mit vergleichbaren Situationen und danach, wie das Coaching abläuft.
Du leidest unter psychischen Beschwerden?
Dann solltest du besonders darauf achten, ob Coaching überhaupt die passende Hilfe ist und welche therapeutische oder heilkundliche Qualifikation vorhanden ist.
Der wichtigste Unterschied steht oft nicht auf dem Zertifikat
Zertifikate können Orientierung geben. Sie beantworten aber nicht jede Frage.
Für ein gutes Coaching müssen Thema, Erfahrung, Arbeitsweise und Person zusammenpassen.
Deshalb lohnt sich vor der Entscheidung ein Blick auf das Profil: Wird konkret beschrieben, für wen das Coaching gedacht ist? Wird deutlich, welche Erfahrung vorhanden ist? Kannst du erkennen, wie gearbeitet wird? Und werden auch die Grenzen des eigenen Angebots benannt?
Wenn all das unklar bleibt und eine Website hauptsächlich große Versprechen macht, ist Vorsicht sinnvoll.
Coaches nach Land finden
Wenn du weißt, was du suchst, kannst du die Profile nach Land und anschließend nach Region und Schwerpunkt durchsuchen:
Du musst dabei nicht den Coach mit den meisten Zertifikaten finden. Du solltest den Menschen finden, dessen Erfahrung und Arbeitsweise zu deinem Anliegen passen.
Häufige Fragen
Ist die Berufsbezeichnung Coach geschützt?
Eine einheitliche staatlich geregelte Berufsausbildung zum Coach gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht. Trotzdem können je nach Land und konkreter Tätigkeit gesetzliche Vorgaben gelten. Deshalb ist wichtiger, was jemand tatsächlich anbietet und welche Qualifikation dafür vorhanden ist.
Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Psychotherapie?
Coaching beschäftigt sich typischerweise mit Entwicklungs‑, Entscheidungs‑, Berufs- oder Führungsthemen ohne Krankheitsbehandlung. Psychotherapie dient dagegen der Behandlung psychischer Störungen mit Krankheitswert. Die rechtlichen Einzelheiten unterscheiden sich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Was ist ein Heilpraktiker für Psychotherapie?
Damit werden in Deutschland üblicherweise Personen bezeichnet, deren Heilpraktikererlaubnis auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkt ist. Sie dürfen im Rahmen dieser Erlaubnis heilkundlich psychotherapeutisch tätig werden. Diese Erlaubnis ist nicht mit einem Psychologiestudium oder einer Approbation als Psychotherapeut gleichzusetzen.
Ist Coaching in Österreich anders geregelt?
Österreich hat mit der Lebens- und Sozialberatung ein reglementiertes Gewerbe. Der Tätigkeitskatalog der Wirtschaftskammer nennt in diesem Bereich unter anderem Coaching zu verschiedenen persönlichen Themen. Für die Einordnung kommt es deshalb besonders darauf an, welche konkrete Leistung angeboten wird.
Darf sich in der Schweiz jeder Psychologe nennen?
Nein. Die Berufsbezeichnung Psychologin beziehungsweise Psychologe ist in der Schweiz gesetzlich geschützt. Die Bezeichnung Coach ist davon zu unterscheiden.
Wie erkenne ich einen guten Coach?
Schau nicht nur auf Zertifikate. Prüfe Ausbildung, berufliche Erfahrung, Spezialisierung und Arbeitsweise. Ein gutes Profil sollte verständlich erklären, bei welchen Anliegen der Coach helfen kann und wo die Grenzen des eigenen Angebots liegen. Ein persönliches Erstgespräch kann zusätzlich zeigen, ob die Zusammenarbeit für dich passt.
Quellen und rechtliche Grundlagen
Die gesetzlichen Regelungen unterscheiden sich zwischen den drei Ländern. Für die Einordnung haben wir deshalb vor allem offizielle Rechtsquellen und Behördeninformationen verwendet.
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Deutschland: Psychotherapeutengesetz (PsychThG)
Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz
Psychotherapeutengesetz bei Gesetze im Internet → -
Deutschland: Heilpraktikergesetz
Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz
Heilpraktikergesetz bei Gesetze im Internet → -
Österreich: Gewerbeordnung, § 119
Rechtsinformationssystem des Bundes
Österreichische Gewerbeordnung → -
Österreich: Tätigkeitskatalog Lebens- und Sozialberatung
Wirtschaftskammer Österreich
Tätigkeitskatalog der WKO → -
Schweiz: Gesetzgebung Psychologieberufe
Bundesamt für Gesundheit
Informationen des Bundesamts für Gesundheit →
Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und stellt keine Rechtsberatung dar. Die rechtliche Einordnung kann von der konkreten Tätigkeit und dem jeweiligen Einzelfall abhängen.