“In den Lücken des Lebenslaufs wächst der Charakter.”
– Anonym
Personaler schauen auf eine Lücke im Lebenslauf wie auf eine ansteckende Krankheit. Ein Jahr Auszeit für die Erziehung eines Kleinkindes oder für die Pflege eines kranken Elternteils wird in Einstellungsgesprächen oft als “Stillstand” bewertet. Ein Sabbatical auf Bali, um sich beim Surfen “selbst zu finden”, gilt dagegen als wertvolle Horizonterweiterung.
Diese Bewertung ist komplett absurd. Wer ein Kleinkind durch Schlafmangel, Trotzanfälle und ständige Planänderungen navigiert oder die medizinische Logistik eines pflegebedürftigen Menschen managt, absolviert ein Management-Bootcamp der härtesten Sorte. Es schult extreme Stresstoleranz, radikales Priorisieren, Empathie unter Druck und die Fähigkeit zur kompromisslosen Krisenintervention. Keine Business-School der Welt kann diese Resilienz in einem Seminarraum vermitteln.
Es wird Zeit, diese Phasen nicht mehr entschuldigend als Ausfall zu verkaufen. Du hast nicht pausiert. Du hast Führungskompetenzen unter realen, existenziellen Bedingungen trainiert. Wer das als Lücke betrachtet, hat keine Ahnung, was in der echten Welt jenseits der Bürowände geleistet wird.
Warum senkst du den Blick, wenn du über die härteste und lehrreichste Phase deines Lebens sprichst?
