“Wir können nicht erwarten, die Probleme von heute mit der Denkweise von gestern zu lösen.”
– Albert Einstein
Wer Karriere machen und gleichzeitig eine Familie leiten oder Angehörige pflegen will, spielt aktuell ein Spiel, das er nicht gewinnen kann. Die Regeln der modernen Arbeitswelt wurden in den 1950er Jahren geschrieben. Das System wurde für einen Arbeitnehmer entworfen, der morgens mit Aktenkoffer das Haus verlässt und genau weiß, dass im Hintergrund jemand anderes unbezahlt den kompletten Alltag organisiert, die Wäsche wäscht und die Kinder erzieht. Das Modell basierte auf der totalen Verfügbarkeit des einen und der totalen Unsichtbarkeit des anderen.
Heute versuchen wir, moderne, gleichberechtigte Leben auf diesem völlig veralteten Betriebssystem laufen zu lassen. Das Resultat ist ein permanenter Kurzschluss. Wir pressen uns in Strukturen, die ständige Präsenz und unbegrenzte Erreichbarkeit belohnen, und zerreiben uns abends an dem Anspruch, präsente Eltern und Partner zu sein. Die Schuld geben wir dann nicht dem fehlerhaften System, sondern uns selbst. Wir glauben, wir wären einfach nicht effizient genug.
Karriere ohne Selbstverlust bedeutet nicht, noch einen weiteren Zeitmanagement-Trick zu lernen. Es bedeutet den radikalen Bruch mit der Erwartungshaltung, dass gute Arbeit mit totaler Erschöpfung einhergehen muss. Es erfordert den Mut, eigene Spielregeln aufzustellen, Grenzen knallhart zu verteidigen und das eigene Ego nicht mehr ausschließlich über die Visitenkarte zu füttern.
In dieser Woche betrachten wir das “Nein” als höchste Management-Kompetenz. Wir trennen physische Präsenz von echter Verfügbarkeit, entlarven den Betrug der Teilzeit-Arbeit, schreiben den Lebenslauf neu und suchen uns Vorbilder, die nicht den Burnout als Statussymbol vor sich hertragen.
Wie viel deiner aktuellen Erschöpfung entsteht nur, weil du versuchst, das Regelwerk aus dem letzten Jahrhundert fehlerfrei zu bedienen?
