“Wer bin ich, wenn ich niemand mehr bin?”
– Anonym
Es gibt noch einen weiteren, unsichtbaren Wärter in deinem goldenen Käfig: das Publikum. Ein gut bezahlter Job bringt nicht nur Geld, er bringt einen Titel. “Head of…”, “Senior…”, “Director…”. Diese Worte sind wie ein magischer Schutzschild auf jeder Dinnerparty. Wenn man dich fragt, was du machst, nennst du den Titel, und dein Gegenüber nickt anerkennend. Dein Status ist gesichert.
Wenn du diesen Job hinwirfst, verlierst du nicht nur das Gehalt. Du verlierst deine Antwort auf die Frage, wer du bist. Plötzlich stehst du da und bist derjenige, der “sich neu orientiert”. In einer Gesellschaft, die Wert fast ausschließlich über Leistung definiert, fühlt sich das an wie ein sozialer Abstieg. Du fürchtest den fragenden Blick deiner Eltern und das mitleidige Lächeln der Nachbarn.
Wir verharren im Unglück, um die Kulisse für Menschen aufrechtzuerhalten, die unser inneres Elend weder sehen noch mittragen müssen. Du spielst eine Hauptrolle in einem Stück, das du hasst, nur um den Applaus von Leuten zu bekommen, die dir eigentlich völlig egal sind.
Für welches Publikum stehst du jeden Morgen auf, obwohl der Applaus dich schon lange nicht mehr satt macht?
