“Wo Hass ist, lass mich Liebe bringen. Wo Beleidigung ist, Verzeihung.”
– Franziskanische Tradition
Die Legende sagt, dass ein blutrünstiger Wolf die Stadt Gubbio terrorisierte. Die Bürger griffen zu Mistgabeln und Fackeln. Sie wollten das Biest töten. Franziskus ging unbewaffnet in den Wald. Er sprach mit dem Wolf, nannte ihn “Bruder”, verstand seinen Hunger und schloss einen Deal: Die Stadt füttert das Tier, das Tier lässt die Stadt in Ruhe.
Dein Wolf ist die Wut, die Eifersucht, der Burnout, die tiefe Trauer. Er terrorisiert dein Leben. Was tust du? Du greifst zu den mentalen Mistgabeln. Du versuchst, das unangenehme Gefühl abzutöten, wegzudrücken, mit positiven Affirmationen zu überschreien. Du führst Krieg gegen dich selbst.
Aber der Wolf verschwindet nicht durch Waffengewalt. Er wird nur aggressiver. Deine Dämonen wollen nicht besiegt werden, sie wollen verstanden werden. Dein Neid zeigt dir, was du dir eigentlich wünschst. Dein Burnout schützt dich vor der totalen Zerstörung. Geh unbewaffnet in deinen eigenen Wald. Sprich mit dem Monster. Füttere es mit Aufmerksamkeit. Schließe Frieden. Ein integrierter Feind ist dein stärkster Verbündeter.
Gegen welchen inneren Wolf führst du gerade einen aussichtslosen Krieg, anstatt ihn einfach mal zu füttern?

