“Der Zirkuselefant flieht nicht, weil er schon seit frühester Kindheit an einen solchen Pflock gekettet ist.”
– Jorge Bucay
Ein ausgewachsener Elefant kann mit einem Rüsselstoß einen Baum entwurzeln. Trotzdem steht er im Zirkus brav angebunden an einem winzigen Holzpflock, der kaum im Boden steckt. Er reißt sich nicht los. Warum? Weil er als winziges Baby an denselben Pflock gebettet wurde. Damals zog er, schwitzte, kämpfte – und scheiterte. Der Pflock war stärker als das Tierbaby. Irgendwann gab er auf und brannte sich die Überzeugung ein: “Ich kann mich nicht befreien.”
Heute ist der Elefant riesig. Der Pflock ist ein Witz. Ein kleiner Ruck würde genügen. Aber der Elefant zieht nicht mehr, weil die Kette nicht mehr an seinem Bein hängt, sondern in seinem Kopf.
Du stehst wahrscheinlich vor ganz ähnlichen Pflöcken. Ein Glaubenssatz aus der Schulzeit. Eine Abweisung bei deinem ersten Projekt. Ein Satz, den deine Eltern beiläufig gesagt haben. Du wurdest damals zurückgehalten und hast den Kampf eingestellt. Du hast dich weiterentwickelt, du bist heute stark, klug und erwachsen. Aber du weigerst dich hartnäckig, noch einmal an dieser spezifischen Kette zu ziehen.
Welchen lächerlichen kleinen Holzpflock hältst du für eine unüberwindbare Mauer, nur weil er dich vor zwanzig Jahren einmal festgehalten hat?
