“Das, was mir bitter schien, wurde mir in Süßigkeit für Seele und Leib verwandelt.”
– Franz von Assisi
Vor seinem Ausstieg war Franziskus ein Ästhet. Er liebte das Schöne und verabscheute nichts mehr als die Leprakranken, die vor der Stadtgrenze vegetierten. Allein ihr Geruch drehte ihm den Magen um. Eines Tages ritt er aus und ein Aussätziger kreuzte seinen Weg. Sein Instinkt schrie: Wegrennen. Doch er stieg vom Pferd, ging auf den Mann zu und küsste ihn.
Zieh den frommen Kitsch von dieser Geschichte ab, und du hast die Blaupause für die Überwindung deiner tiefsten Blockaden. Wir alle haben unseren persönlichen Leprakranken. Es ist das, wovor wir uns am meisten ekeln oder fürchten. Das unangenehme Gespräch. Die eigene Sucht. Die tiefe Versagensangst. Wir reiten große Bogen um dieses Thema, betäuben uns und schauen weg.
Erfüllung findest du nicht, indem du das Hässliche in deinem Leben ausklammerst. Der Kuss ist die radikale Akzeptanz der Realität. Wenn du vom hohen Ross deiner Vermeidungsstrategie absteigst und dich dem stellst, was dir am meisten Angst macht, verliert es seine Macht über dich. Die Flucht raubt dir die Energie. Die Konfrontation gibt sie dir zurück.
Vor welcher hässlichen Wahrheit in deinem Leben reitest du jeden Tag davon, statt endlich vom Pferd zu steigen?

