“Eine Minute Geduld, zehn Jahre Frie­den.”
– Grie­chi­sches Sprich­wort

Die E‑Mail, die dich provo­ziert. Die unbe­dachte Bemer­kung eines Freun­des. Der Auto­fah­rer, der dir die Vorfahrt nimmt. Das Leben ist voll von diesen Momen­ten, die nach einer sofor­ti­gen Reak­tion schreien. Es gibt eine selt­same Befrie­di­gung darin, dem ersten Impuls nach­zu­ge­ben. Schnell zurück­zu­feu­ern, die eigene Posi­tion klar­zu­ma­chen, dem Ärger Luft zu machen. Es fühlt sich für einen kurzen Moment stark und rich­tig an.

Dieses alte Sprich­wort stellt eine simple, aber klare Rech­nung auf. Es fragt nicht, ob deine Wut berech­tigt ist. Das ist sie wahr­schein­lich. Es fragt nach dem Preis. Es stellt die flüch­tige Genug­tu­ung einer einzi­gen Minute gegen eine unend­lich viel längere Zeit des Frie­dens. Frie­den mit ande­ren, aber vor allem Frie­den mit dir selbst.

Die Minute der Geduld ist keine Passi­vi­tät. Sie ist kein Zeichen von Schwä­che. Im Gegen­teil, sie ist ein Akt der bewuss­ten Macht­über­nahme. Es ist der winzige Raum zwischen Reiz und Reak­tion, in dem du entschei­dest, ob du ein Feuer entfachst oder es einfach ausglü­hen lässt. Es ist die Erkennt­nis, dass nicht jeder Kampf gekämpft werden muss, nur weil man provo­ziert wurde.

Welche Minute der Genug­tu­ung ist es dir wert, zehn Jahre Frie­den aufs Spiel zu setzen?