“Wir verbringen die erste Hälfte unseres Lebens damit, eine falsche Identität aufzubauen, und die zweite Hälfte damit, sie wieder abzureißen.”
– Carl Gustav Jung (sinngemäß)
Erinnerst du dich an den Raum, den du als Kind eingenommen hast? Er war grenzenlos. Wenn du gespielt hast, warst du Astronaut, Entdecker, Künstler. Du hast nicht gemalt, um das Bild später zu verkaufen. Du hast keine Buden im Wald gebaut, um sie in deinen Lebenslauf zu schreiben. Du warst radikal im Moment. Alles war möglich, der Sinn lag im reinen Tun. Du warst vollständig.
Und dann sind wir “erwachsen” geworden. Wir haben gelernt, dass Vollständigkeit nicht reicht. Wir müssen nützlich sein. Also haben wir angefangen, an unserer Fassade zu bauen. Wir haben Zertifikate gesammelt, Titel gejagt, die passenden Autos gekauft und die richtigen Filter über unsere Realität gelegt. Wir haben unsere unendliche, wilde Vorstellungskraft gegen einen Bausparvertrag und die Anerkennung von Leuten eingetauscht, die wir eigentlich gar nicht mögen.
Heute stehst du in diesem perfekt eingerichteten Leben und spürst eine bleierne Erschöpfung. Der gut bezahlte Job, das schöne Haus – all das, was uns als “Glück” verkauft wurde, schmeckt plötzlich nach Asche. Wir glauben, wir bräuchten nur einen Urlaub oder ein neues Hobby. Aber die Erschöpfung kommt nicht von zu viel Arbeit. Sie kommt von der massiven, pausenlosen Kraftanstrengung, eine Rolle zu spielen, die uns innerlich längst zu eng geworden ist.
In dieser Woche reißen wir die Fassade ein. Wir sezieren das Gift des falschen Glücks, betrachten die Erschöpfung der Schauspielerei und suchen den Weg zurück zu der Radikalität, Dinge einfach nur um ihrer selbst willen zu tun. Wir beenden die Selbstentfremdung.
Wie viel deiner aktuellen Erschöpfung ist gar keine Müdigkeit, sondern einfach nur der Preis für das ständige Aufrechterhalten deiner Maske?

