“Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern neue Augen zu haben.”
– Marcel Proust
Es gibt eine seltsame, fast komische Szene am Ende des Oster-Dramas. Maria Magdalena steht weinend am leeren Grab. Jemand spricht sie an. Sie schaut ihn an, aber sie erkennt ihn nicht. Sie hält den auferstandenen Jesus für den Gärtner. Warum? Weil ein Gärtner banal ist. Er trägt keinen Heiligenschein. Er entspricht nicht ihrem majestätischen Bild der Vergangenheit.
Genau das passiert, wenn du dich radikal neu erfindest und deinen echten Sinn findest. Dein Umfeld wird dich oft nicht erkennen. Schlimmer noch: Sie werden enttäuscht sein. Sie suchen nach der alten, funktionierenden Version von dir. Der neue Du, der vielleicht lieber Gärtner ist als CEO, der lieber Stille hat als Status, entspricht nicht ihren Erwartungen. Er passt nicht mehr in ihr System.
Echte Erfüllung macht dich oft uninteressant für die Menschen, die nur deinen alten Erfolg geliebt haben. Wer seinen eigenen Sinn lebt, muss lernen, die Erwartungen der Galerie zu enttäuschen. Wenn du immer noch versuchst, das alte Bild von dir aufrechtzuerhalten, hast du das Grab nie wirklich verlassen.
Wessen Erwartungen bedienst du immer noch panisch, obwohl du innerlich längst ein völlig anderer Mensch geworden bist?

