„Hör auf dein Bauch­ge­fühl!“ – Diesen Rat haben wir vermut­lich alle schon einmal gehört. Doch was bedeu­tet das eigent­lich? Und gilt dieser Tipp wirk­lich für jeden Menschen glei­cher­mas­sen?

In meiner Arbeit als Coach erlebe ich immer wieder, wie unter­schied­lich Menschen Entschei­dun­gen tref­fen. Während die einen inner­halb von Sekun­den spüren, was für sie rich­tig ist, brau­chen andere Zeit, um Klar­heit zu gewin­nen. Genau hier bietet Human Design einen span­nen­den Blick­win­kel auf das Thema Bauch­ge­fühl und Entschei­dungs­fin­dung.

 Nicht jeder trifft Entschei­dun­gen gleich

Im Human Design beschreibt die soge­nannte Entschei­dungs­au­tori­tät, wie wir am verläss­lichs­ten zu stim­mi­gen Entschei­dun­gen gelan­gen. Sie zeigt uns, auf welchen inne­ren Kompass wir vertrauen dürfen – und vor allem, wie schnell oder lang­sam wir Entschei­dun­gen tref­fen soll­ten.

Beson­ders rele­vant sind dabei die beiden häufigs­ten Auto­ri­tä­ten:

Die sakrale Auto­ri­tät – das unmit­tel­bare Bauch­ge­fühl

Menschen mit sakra­ler Auto­ri­tät machen rund 35 % der Bevöl­ke­rung aus. Sie verfü­gen über eine sehr direkte Körper­in­tel­li­genz. Ihr Bauch reagiert unmit­tel­bar auf Fragen, Möglich­kei­ten oder Ange­bote – oft noch bevor der Verstand eine Antwort formu­lie­ren kann.

Typi­sche Reak­tio­nen sind ein spon­ta­nes „Ja!“, ein klares „Nein!“ oder ein körper­li­ches Gefühl von Anzie­hung bezie­hungs­weise Ableh­nung. Für diese Menschen liegt die Wahr­heit tatsäch­lich oft im Jetzt. Sie dürfen lernen, ihrem ersten körper­li­chen Impuls zu vertrauen.

Die emotio­nale Auto­ri­tät – Klar­heit mit der Zeit

Mit etwa 50 % der Mensch­heit ist die emotio­nale Auto­ri­tät die häufigste Form der Entschei­dungs­fin­dung. Hier führt nicht das spon­tane Bauch­ge­fühl zur besten Entschei­dung, sondern Zeit, um das Durch­lau­fen einer emotio­na­len Welle zu gewähr­leis­ten.

Menschen mit emotio­na­ler Auto­ri­tät profi­tie­ren davon, wich­tige Entschei­dun­gen nicht sofort zu tref­fen. Was heute gross­ar­tig erscheint, kann morgen ganz anders wirken. Erst wenn eine Sache aus den emotio­na­len Höhen und Tiefen betrach­tet wurde, entsteht Klar­heit.

Damit Entschei­dun­gen später nicht bereut werden, dürfen sie sich erlau­ben, eine Nacht darüber zu schla­fen, bevor sie zu einem Ja oder Nein gelan­gen.

Sofort entschei­den oder abwar­ten?

 Allein die emotio­nale und die sakrale Auto­ri­tät umfas­sen zusam­men rund 85 % der Bevöl­ke­rung. Das bedeu­tet: Die meis­ten Menschen tref­fen Entschei­dun­gen entwe­der über eine unmit­tel­bare sakrale Körper­re­ak­tion (Bauch­ge­fühl) oder über emotio­nale Klar­heit, die mit der Zeit entsteht.

Wer mit diesen beiden Entschei­dungs­wei­sen nicht viel anfan­gen kann, gehört vermut­lich zu den übri­gen 15 %. Sie verfü­gen über eine der fünf ande­ren Formen der Entschei­dungs­fin­dung und dürfen auf ihre ganz eigene Stimme hören.

Inter­es­sant zu wissen: es gibt sogar 1%, die für ihre “beste Entschei­dung” ihren Kopf unbe­dingt mitein­be­zie­hen soll­ten.

 Wenn wir aufhö­ren, nach den Regeln ande­rer zu entschei­den

Viele Menschen haben gelernt, Entschei­dun­gen nach äusse­ren Erwar­tun­gen, logi­schen Argu­men­ten oder gesell­schaft­li­chen Vorstel­lun­gen zu tref­fen. Das führt häufig dazu, dass sie sich von ihrer eige­nen inne­ren Weis­heit entfer­nen.

Dabei entsteht oft genau dort die grösste Entlas­tung, wo Menschen erken­nen:

Ich muss Entschei­dun­gen nicht so tref­fen wie andere. Ich darf sie auf meine Weise tref­fen.

Wer seine persön­li­che Entschei­dungs­au­tori­tät kennt und lebt, erlebt häufig mehr Leich­tig­keit, weni­ger Grübeln und ein stär­ke­res Vertrauen in sich selbst.

Human Design in Fami­lien: Jeder Mensch hat seinen eige­nen Weg

Span­nend wird es in meinem Coaching-Alltag, wenn Eltern ihre innere Stimme dazu nutzen, wieder mehr in ihre Ener­gie zu kommen und gleich­zei­tig ihrem Kind seinen passen­den Weg zu Wohl­fühl-Entschei­dun­gen zeigen können.

Ein Kind mit emotio­na­ler Auto­ri­tät beispiels­weise benö­tigt mehr Zeit, um zu fühlen, was wirk­lich stim­mig ist. Würde die Mutter mit sakra­ler Auto­ri­tät vom Kind eine sofor­tige Entschei­dung verlan­gen, erzeugt dies Druck und vermit­telt dem Kind, dass es nicht fähig ist, schnell zu entschei­den. Hinzu kommt, dass diese Kinder dazu neigen, bei vorschnel­len Entschei­den stän­dig wieder ihre Meinung zu ändern – weil es eben noch nicht stim­mig war.

Sobald Eltern diese Unter­schiede erken­nen, entsteht mehr Verständ­nis, weni­ger Druck und eine deut­lich entspann­tere Kommu­ni­ka­tion im Fami­li­en­all­tag – sodass jedes Fami­li­en­mit­glied in seinem Tempo zu einer stim­mi­gen Entschei­dung gelangt.

Fazit: Bauch­ge­fühl ist indi­vi­du­ell

Die Kraft des Bauch­ge­fühls oder der Intui­tion besitzt jeder Mensch – doch sie zeigt sich nicht bei jedem Menschen auf dieselbe markante Weise. Während manche Menschen lernen dürfen ihrer spon­ta­nen Körper­re­ak­tion zu vertrauen, gewin­nen andere ihre Klar­heit erst mit etwas Abstand und Zeit.

Human Design erin­nert uns daran, dass es nicht den einen rich­ti­gen Weg gibt, Entschei­dun­gen zu tref­fen. Viel­mehr geht es darum, seinen persön­li­chen inne­ren Kompass zu kennen und ihm zu vertrauen.

Deine Auto­ri­tät entschei­det immer rich­tig und für Dich!

Meet the Coach

Sandra Meister
Sandra Meis­ter
Sandra Meis­ter ist Dipl. Coach SCA, betrieb­li­che Mento­rin eidg. FA und Human Design Coach. Sie beglei­tet Menschen auf ihrem Weg zu mehr Klar­heit, Selbst­er­kennt­nis und beruf­li­cher Entfal­tung – fundiert ausge­bil­det und mit einem Ansatz, der klas­si­sches Coaching mit den Erkennt­nis­sen des Human Design verbin­det.
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