“Wer überall ist, ist nirgendwo.”
– Seneca
Früher gab es den Arbeitsweg. Die halbe Stunde in der Bahn oder im Auto war ein Puffer. Ein Niemandsland zwischen Büro und Wohnzimmer. Heute klappen wir im Homeoffice den Laptop zu und drehen uns direkt zum Herd um, um Nudeln zu kochen. Der Körper hat den Raum gewechselt, aber das Nervensystem ist noch auf 180. Du bist physisch am Esstisch, aber mental brüllst du noch den Lieferanten an.
Wir bluten aus allen Rollen gleichzeitig, weil wir die Übergänge abgeschafft haben. Wenn du vom Arbeitsmodus in den Familien- oder Ruhemodus wechseln willst, brauchst du eine Schleuse. Einen klaren Cut. Ein Ritual, das dem Gehirn signalisiert: Das alte Betriebssystem fährt jetzt herunter, das neue fährt hoch.
Das kann ein fünfminütiger Spaziergang um den Block sein. Das bewusste Umziehen in andere Kleidung. Oder das Aufschreiben der Gedanken auf einen Zettel, der dann in der Schublade verschwindet. Wer die Rolle wechselt, ohne sich geistig zu waschen, schleppt den Schmutz der einen Welt gnadenlos in die andere.
Was ist dein ganz persönliches Ritual, um den Arbeitsstaub abzuwaschen, bevor du den Raum der Menschen betrittst, die du liebst?
