“Sie nennen es Liebe. Wir nennen es unbezahlte Arbeit.”
– Silvia Federici
Es gibt ein tief verwurzeltes, gesellschaftliches Märchen, das wir uns seit Generationen erzählen. Es lautet: Wenn du jemanden liebst, dann kümmerst du dich um ihn. Und weil du es aus Liebe tust, ist es keine echte Arbeit. Es ist Hingabe. Es ist Mütterlichkeit. Es ist familiäre Pflicht. Durch diesen brillanten rhetorischen Trick haben wir die aufwendigste, anstrengendste Logistik- und Pflegemaschinerie der Welt unsichtbar gemacht.
Care-Arbeit – das Trösten, das Kochen, das Pflegen von Angehörigen, das Zuhören, das ständige Mitdenken – ist das Fundament, auf dem unsere gesamte Wirtschaft ruht. Ohne diese unsichtbare Basis würde am nächsten Montagmorgen kein einziger Manager pünktlich im Büro sitzen. Doch weil diese Arbeit in den eigenen vier Wänden stattfindet und nicht auf einem Kontoauszug auftaucht, wird sie nicht als Leistung verbucht. Sie wird als Selbstverständlichkeit hingenommen.
Diese Romantisierung ist gefährlich. Sie führt dazu, dass die Menschen, die diese Last tragen, sich nicht beschweren dürfen. Wer darüber klagt, dass er erschöpft ist, weil er nachts Wäsche faltet und tagsüber Streit schlichtet, bekommt oft das Gefühl vermittelt, er würde seine Familie nicht genug lieben. Du hast ein Recht darauf, deinen Partner oder deine Kinder abgöttisch zu lieben – und gleichzeitig die verdammte Wäsche und die endlose Logistik abgrundtief zu hassen.
In dieser Woche trennen wir die Liebe von der Logistik. Wir machen die mentale Last sichtbar, entlarven das “Helfen” des Partners als falschen Begriff, schauen uns die Gefahr des Care-Burnouts an und stellen die entscheidende Frage, wer eigentlich das Netz hält, wenn du fällst.
Welchen knochenharten Logistik-Job in deinem Leben tarnst du immer noch als “reine Liebe”, um nicht zugeben zu müssen, wie sehr er dich erschöpft?
