“Frag dich nicht, was die Welt braucht. Frag dich, was dich lebendig macht.”
– Howard Thurman
Wir haben ein neues Monster erschaffen: den Zwang zur absoluten Bestimmung. Wer heute seinen Job nur macht, um die Miete zu zahlen, gilt fast schon als Verräter an sich selbst. Wir starren auf Konzepte wie das japanische “Ikigai” und verlangen, dass unser Beruf gleichzeitig unsere Leidenschaft, unsere Erfüllung und die Rettung der Welt sein muss – und natürlich perfekt bezahlt.
Das ist ein brutaler Anspruch. Er erstickt jede Leichtigkeit im Keim. Plötzlich ist der ganz normale Alltag ein Beweis für unser eigenes Versagen, weil wir noch nicht das Heilmittel für Krebs gefunden haben oder als Digitale Nomaden von Bali aus ein Start-up leiten. Aber was, wenn nicht jeder dazu berufen ist, den Kurs der Geschichte zu ändern?
Was, wenn Erfüllung viel profaner ist? Ein gut gedeckter Tisch für die Familie. Die saubere Reparatur eines alten Fahrrads. Das konzentrierte Schreiben von Code, der einfach nur funktioniert. Du musst die Welt nicht retten, um ein sinnvolles Leben zu führen. Es reicht völlig, wenn du deinen eigenen, kleinen Radius mit Anstand und Aufmerksamkeit bewohnst.
Unter welchem gigantischen Anspruch an dein eigenes Leben zerdrückst du gerade die Freude an den simplen, handfesten Dingen?
