Manche Entschei­dun­gen sind eigent­lich ganz einfach. Zumin­dest auf Papier.

Du nimmst ein Blatt, ziehst einen Strich durch die Mitte und schreibst links die Gründe dafür und rechts die Gründe dage­gen.

Am Ende stehen links sieben Punkte und rechts fünf.

Und du weißt trotz­dem nicht, was du tun sollst.

Viel­leicht liegt das Problem gar nicht darin, dass dir Infor­ma­tio­nen fehlen. Viel­leicht hast du längst genug davon.

Viel­leicht brauchst du etwas ande­res: Abstand.

Genau deshalb kann der Urlaub ein über­ra­schend guter Zeit­punkt sein, um schwie­rige Entschei­dun­gen neu anzu­schauen.

Warum wir manche Entschei­dun­gen nicht „ausrech­nen“ können

Eine Pro-und-Contra-Liste funk­tio­niert gut, wenn die Krite­rien eini­ger­ma­ßen klar sind.

Welches Auto ist güns­ti­ger? Welche Wohnung hat den kürze­ren Arbeits­weg? Welcher Tarif bietet mehr Leis­tung?

Schwie­ri­ger wird es bei Entschei­dun­gen, die unser Leben berüh­ren.

  • Blei­ben oder gehen?
  • Etwas wagen oder lieber Sicher­heit behal­ten?
  • Eine Bezie­hung fort­set­zen?
  • Umzie­hen?
  • Ein Ange­bot anneh­men?
  • Ein eige­nes Projekt begin­nen?
  • Mehr Verant­wor­tung über­neh­men – oder bewusst weni­ger?

Bei solchen Fragen lassen sich die entschei­den­den Fakto­ren häufig nicht vernünf­tig gewich­ten.

Was ist wich­ti­ger: Sicher­heit oder Frei­heit?

Was wiegt schwe­rer: das Risiko einer Verän­de­rung oder das Gefühl, eine Chance verpasst zu haben?

Und wie viele Punkte bekommt eigent­lich das leise Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmt?

Genau hier stößt die klas­si­sche Pro-und-Contra-Liste an ihre Gren­zen.

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Das Problem ist manch­mal nicht die Entschei­dung, sondern der Alltag

Im norma­len Alltag denken wir über wich­tige Fragen selten unter idea­len Bedin­gun­gen nach.

Zwischen Termi­nen.

Abends auf dem Sofa.

Auf dem Weg zur Arbeit.

Nach einem schwie­ri­gen Gespräch.

Oder nachts um halb drei.

Das bedeu­tet: Wir betrach­ten die Entschei­dung immer wieder aus dersel­ben Umge­bung heraus.

Mit densel­ben Routi­nen.

Densel­ben Erwar­tun­gen.

Und oft auch densel­ben Menschen um uns herum.

Der Urlaub verän­dert diesen Rahmen.

Plötz­lich ist der Kalen­der leerer. Der Arbeits­platz ist weit weg. Gewohnte Rollen treten für einige Tage in den Hinter­grund.

Du bist nicht nur Mitar­bei­ter, Führungs­kraft, Part­ner, Mutter, Vater oder derje­nige, der sich norma­ler­weise um alles kümmert.

Du sitzt viel­leicht morgens auf einem Balkon, gehst am Meer entlang oder wanderst durch einen Wald.

Und bemerkst, dass eine Frage plötz­lich anders klingt.

Abstand verän­dert nicht auto­ma­tisch die Antwort – aber manch­mal die Perspek­tive

Urlaub ist kein Zauber­mit­tel.

Eine schwie­rige Entschei­dung wird nicht auto­ma­tisch rich­tig, nur weil man sie am Strand trifft.

Aber räum­li­cher und zeit­li­cher Abstand kann helfen, Dinge wahr­zu­neh­men, die im Alltag unter­ge­hen.

Das Inter­es­sante daran: Wir müssen dabei nicht einmal stän­dig über unser Problem nach­den­ken.

Manch­mal passiert genau das Gegen­teil.

Wir beschäf­ti­gen uns eine Weile über­haupt nicht damit.

Wir schwim­men. Wandern. Essen. Schla­fen länger. Schauen irgendwo in die Land­schaft.

Und plötz­lich taucht ein Gedanke auf, der vorher keinen Platz hatte.

Nicht unbe­dingt die fertige Lösung.

Aber viel­leicht eine bessere Frage.

Viel­leicht lautet die Frage gar nicht „Was soll ich tun?“

Das ist einer der Gründe, warum Entschei­dungs­coa­ching hilf­reich sein kann.

Ein Coach entschei­det nicht für dich.

Er sagt dir auch nicht, welche Seite deiner Pro-und-Contra-Liste gewinnt.

Statt­des­sen kann er dabei helfen, heraus­zu­fin­den, welche Frage eigent­lich hinter deiner Entschei­dung steckt.

Aus „Soll ich das machen?“ wird viel­leicht: „Was hält mich davon ab?“

Aus „Was ist vernünf­tig?“ wird: „Was ist mir wirk­lich wich­tig?“

Und aus „Was passiert, wenn ich mich falsch entscheide?“ kann die Frage werden: „Was passiert, wenn ich mich über­haupt nicht entscheide?“

Das verän­dert die Perspek­tive.

Drei Fragen, die du im Urlaub auspro­bie­ren kannst

Wenn dich eine Entschei­dung beschäf­tigt, musst du nicht sofort eine weitere Liste schrei­ben.

Nimm dir statt­des­sen etwas Zeit und probiere drei andere Fragen aus.

1. Was würde ich entschei­den, wenn ich nieman­dem meine Entschei­dung erklä­ren müsste?

Wir tref­fen Entschei­dun­gen nicht im luft­lee­ren Raum.

Fami­lie, Kolle­gen, Freunde und gesell­schaft­li­che Erwar­tun­gen sitzen manch­mal unsicht­bar mit am Tisch.

Die Frage trennt deshalb deine eige­nen Wünsche ein Stück weit von den Erwar­tun­gen ande­rer.

2. Welche Entschei­dung würde ich in fünf Jahren eher bereuen?

Nicht jede Entschei­dung muss sich heute gut anfüh­len.

Manche Verän­de­run­gen machen zunächst Angst und sind lang­fris­tig trotz­dem rich­tig. Umge­kehrt kann die bequemste Lösung heute später zur Belas­tung werden.

Der Blick aus der Zukunft verän­dert häufig die Gewich­tung.

3. Was sagt mein Körper, wenn ich mir beide Möglich­kei­ten wirk­lich vorstelle?

Stell dir Möglich­keit A möglichst konkret vor.

Nicht nur für fünf Minu­ten, sondern als deinen Alltag.

Dann Möglich­keit B.

Was verän­dert sich?

Wirst du unru­hig? Fühlst du Erleich­te­rung? Span­nung? Ener­gie? Wider­stand?

Das ist kein unfehl­ba­rer Entschei­dungs­test. Aber es liefert Infor­ma­tio­nen, die auf einer Pro-und-Contra-Liste norma­ler­weise nicht auftau­chen.

Warum ein Spazier­gang ein guter Ort für Entschei­dungs­coa­ching sein kann

Ein Coaching muss im Urlaub nicht in einem Bespre­chungs­raum statt­fin­den.

Gerade bei einer Entschei­dungs­frage kann Bewe­gung hilf­reich sein.

Du gehst.

Du schaust nicht perma­nent deinem Gesprächs­part­ner gegen­über.

Es entste­hen Pausen.

Gedan­ken dürfen unfer­tig sein.

Ein Walk & Talk am Strand, an einem See, durch einen Wald oder eine ruhige Land­schaft kann dadurch einen ganz ande­ren Gesprächs­raum schaf­fen als ein klas­si­sches Meeting.

Das Entschei­dende ist nicht die spek­ta­ku­läre Kulisse.

Es ist die Kombi­na­tion aus Abstand, Bewe­gung, Gespräch und Zeit.

Entschei­dungs­coa­ching bedeu­tet nicht, die Verant­wor­tung abzu­ge­ben

Das ist wich­tig.

Ein guter Coach sollte dir eine schwie­rige Entschei­dung nicht abneh­men.

Wenn jemand nach 60 Minu­ten sagt:

„An deiner Stelle würde ich kündi­gen.“

oder

„Du soll­test dich tren­nen.“

ist das keine beson­ders über­zeu­gende Form von Entschei­dungs­coa­ching.

Die Entschei­dung bleibt deine.

Coaching kann statt­des­sen dabei helfen, Gedan­ken zu sortie­ren, Wider­sprü­che sicht­bar zu machen, eigene Werte zu erken­nen und verschie­dene Möglich­kei­ten wirk­lich durch­zu­spie­len.

Manch­mal entsteht daraus eine klare Entschei­dung.

Manch­mal entsteht zunächst nur Klar­heit darüber, was noch fehlt, um entschei­den zu können.

Auch das kann ein sehr gutes Ergeb­nis sein.

Und wenn nach dem Urlaub immer noch keine Entschei­dung gefal­len ist?

Dann war der Urlaub nicht umsonst.

Nicht jede wich­tige Frage braucht sofort eine Antwort.

Viel­leicht stellst du nach eini­gen Tagen fest:

Ich weiß noch nicht, was ich will.

Aber ich weiß inzwi­schen ziem­lich genau, was ich nicht mehr will.

Oder:

Ich muss noch mit jeman­dem spre­chen.

Ich brau­che eine bestimmte Infor­ma­tion.

Ich möchte eine Möglich­keit auspro­bie­ren, bevor ich mich endgül­tig fest­lege.

Auch Entschei­dun­gen dürfen Prozesse sein.

Die Kunst besteht nicht darin, möglichst schnell einen Haken hinter eine schwie­rige Frage zu setzen.

Sondern darin, irgend­wann sagen zu können:

Ich habe nicht einfach reagiert. Ich habe entschie­den.

Coaching im Urlaub: Abstand nutzen, wenn die Frage ohne­hin mitreist

Die meis­ten Menschen fahren vermut­lich nicht in den Urlaub, um Entschei­dun­gen zu tref­fen.

Und das ist auch gut so.

Aber manch­mal reist eine Frage einfach mit.

Wenn du merkst, dass sie zwischen Früh­stück, Strand, Wande­rung oder Stadt­bum­mel immer wieder auftaucht, kann genau dieser Abstand eine Gele­gen­heit sein, sie einmal anders anzu­schauen.

Nicht den ganzen Urlaub lang.

Viel­leicht reichen schon 60 oder 90 Minu­ten.

Ein Gespräch. Ein Spazier­gang. Ein paar gute Fragen.

Und danach darf wieder Urlaub sein.

Holi­day­Coa­ching verbin­det genau diese Idee mit dem Urlaub: Coaching dort zu ermög­li­chen, wo Abstand zum Alltag ohne­hin gerade vorhan­den ist. Über coachverzeichnis.com findest du quali­fi­zierte Coaches und weitere Infor­ma­tio­nen rund um Coaching, persön­li­che Entwick­lung und Entschei­dungs­fra­gen.

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Eberhard Kuhl
Eber­hard Kuhl
Eber­hard Kuhl ist der Grün­der von coachverzeichnis.com und Holi­day­Coa­ching. Er ist Unter­neh­mens­be­ra­ter und Coach mit Sitz in Daut­phe­tal, Hessen, und betreibt coachverzeichnis.com seit August 2025.