Ich habe in vielen Jahren als Führungs­kraft wahr­schein­lich Hunderte Mitar­bei­ter­ge­sprä­che geführt.

Und ich bin mir ziem­lich sicher, dass einige davon aus meiner Sicht deut­lich besser waren als aus Sicht meines Gegen­übers.

Das Problem dabei: Das merkt man oft nicht.

Der Mitar­bei­ter geht aus dem Raum und denkt: „Alles in Ordnung.“

Die Führungs­kraft geht aus dem Raum und denkt: „Ich habe doch deut­lich gesagt, woran er arbei­ten muss.“

Drei Monate später stel­len beide fest, dass sie offen­bar nicht dasselbe Gespräch geführt haben.

Gut gemeint ist nicht immer klar gesagt

Ich kenne das auch von mir selbst. Als Führungs­kraft möchte man Menschen nicht unnö­tig vor den Kopf stoßen. Man sieht schließ­lich nicht nur das, was schlecht läuft. Man sieht genauso, was jemand gut macht.

Also beginnt man ein schwie­ri­ges Gespräch gerne mit etwas Posi­ti­vem.

„Grund­sätz­lich bin ich sehr zufrie­den mit deiner Arbeit.“

Dann kommt der Punkt, um den es eigent­lich geht.

Viel­leicht werden Termine nicht einge­hal­ten. Viel­leicht gibt es Probleme in der Zusam­men­ar­beit. Viel­leicht stimmt die Quali­tät nicht. Viel­leicht über­nimmt jemand weni­ger Verant­wor­tung, als man erwar­tet.

Und weil das Gespräch nicht mit einem schlech­ten Gefühl enden soll, folgt zum Abschluss noch etwas Posi­ti­ves.

„Aber insge­samt bist du auf einem guten Weg.“

Für die Führungs­kraft war der mitt­lere Teil die entschei­dende Botschaft.

Beim Mitar­bei­ter kann etwas ganz ande­res ange­kom­men sein:

Eigent­lich ist mein Chef mit mir zufrie­den.

Anzeige

Das berühmte Feed­back-Sand­wich

Diese Art der Gesprächs­füh­rung wird häufig als Feed­back-Sand­wich bezeich­net: etwas Posi­ti­ves, dann die Kritik, anschlie­ßend wieder etwas Posi­ti­ves.

Die Methode klingt zunächst vernünf­tig. Sie soll Kritik verträg­li­cher machen und verhin­dern, dass ein Gespräch ausschließ­lich nega­tiv wahr­ge­nom­men wird.

Ganz so einfach ist es aller­dings nicht.

Die wissen­schaft­li­che Forschung liefert keinen guten Grund, das Feed­back-Sand­wich pauschal als unwirk­sam abzu­schrei­ben. Dafür gibt es schlicht zu wenige Unter­su­chun­gen, die genau diese Gesprächs­struk­tur mitein­an­der verglei­chen.

Es gibt aber ein ande­res Problem, das ich aus der Führungs­pra­xis für wich­ti­ger halte:

Wenn ich eine wich­tige Botschaft so vorsich­tig verpa­cke, dass mein Gegen­über sie nicht mehr eindeu­tig erkennt, habe ich mein Ziel verfehlt.

Feed­back soll etwas verän­dern

Feed­back ist kein Selbst­zweck.

Nach einem guten Feed­back­ge­spräch sollte ein Mitar­bei­ter nicht nur wissen, wie die Führungs­kraft über ihn denkt. Er sollte wissen, worum es konkret geht und was künf­tig anders sein soll.

Das klingt banal. In der Praxis ist genau das schwie­rig.

„Du musst kommu­ni­ka­ti­ver werden“ hilft beispiels­weise wenig.

Was heißt kommu­ni­ka­ti­ver?

Soll der Mitar­bei­ter früher auf Probleme hinwei­sen? Kunden häufi­ger infor­mie­ren? Sich in Bespre­chun­gen stär­ker betei­li­gen? Seine Kolle­gen einbe­zie­hen, bevor er Entschei­dun­gen trifft?

Je konkre­ter die Beob­ach­tung und die gewünschte Verän­de­rung sind, desto eher kann jemand tatsäch­lich etwas damit anfan­gen.

Anzeige

Person und Verhal­ten sind nicht dasselbe

Ein weite­rer Punkt ist mir über die Jahre immer wich­ti­ger gewor­den.

Es macht einen Unter­schied, ob ich über einen Menschen oder über ein beob­acht­ba­res Verhal­ten spre­che.

„Du bist unzu­ver­läs­sig“ ist eine Aussage über die Person.

„Bei den letz­ten drei Projek­ten wurden die verein­bar­ten Termine nicht einge­hal­ten und ich wurde erst infor­miert, nach­dem die Termine bereits verstri­chen waren“ beschreibt etwas, worüber wir spre­chen können.

Das Zweite ist nicht unbe­dingt ange­neh­mer.

Aber es ist konkre­ter.

Und vor allem lässt sich daraus eine Verein­ba­rung ablei­ten.

Die unan­ge­nehme Frage nach dem Gespräch

Es gibt eine einfa­che Frage, die Führungs­kräfte sich nach einem wich­ti­gen Gespräch stel­len können:

Was würde mein Mitar­bei­ter jetzt jemand ande­rem erzäh­len, wenn er gefragt wird, worum es in unse­rem Gespräch ging?

Würde er sagen:

„Mein Chef ist eigent­lich ganz zufrie­den mit mir.“

Oder:

„Ich muss bei Projekt­pro­ble­men früher Bescheid geben. Wir haben verein­bart, dass ich mich künf­tig melde, sobald ich sehe, dass ein Termin gefähr­det ist.“

Das sind zwei völlig unter­schied­li­che Ergeb­nisse dessel­ben Gesprächs.

Fünf Fragen vor einem schwie­ri­gen Feed­back­ge­spräch

Vor einem wich­ti­gen Gespräch können fünf Fragen helfen:

  1. Was genau habe ich beob­ach­tet?
    Nicht meine Inter­pre­ta­tion, sondern das konkrete Verhal­ten.
  2. Warum ist das ein Problem?
    Welche Auswir­kun­gen hat das Verhal­ten auf Kunden, Kolle­gen, Ergeb­nisse oder Zusam­men­ar­beit?
  3. Was wünsche ich mir statt­des­sen?
    Je konkre­ter die Antwort, desto besser.
  4. Kann mein Gegen­über nach dem Gespräch erken­nen, was künf­tig anders sein soll?
    Wenn nicht, war das Feed­back vermut­lich noch nicht konkret genug.
  5. Habe ich verstan­den, wie mein Gegen­über die Situa­tion sieht?
    Feed­back ist ein Gespräch. Keine Urteils­ver­kün­dung.

Und was hat das mit Coaching zu tun?

Führungs­kräfte haben bei solchen Gesprä­chen ein grund­sätz­li­ches Problem: Sie können sich selbst nicht von außen beob­ach­ten.

Das gilt beson­ders dann, wenn ein Gespräch schwie­rig wird.

Viel­leicht möchte ich Konflikte vermei­den. Viel­leicht werde ich zu direkt. Viel­leicht erkläre ich zu viel. Viel­leicht formu­liere ich Kritik so vorsich­tig, dass am Ende niemand mehr weiß, was ich eigent­lich sagen wollte.

Genau hier kann Coaching oder Spar­ring hilf­reich sein.

Nicht, weil ein Coach der Führungs­kraft einen perfek­ten Satz für das nächste Mitar­bei­ter­ge­spräch liefert.

Sondern weil jemand die Fragen stellt, die man sich selbst nicht stellt.

Was willst du wirk­lich sagen?

Woran machst du deine Einschät­zung fest?

Was soll dein Mitar­bei­ter nach diesem Gespräch anders machen?

Und weiß er über­haupt, dass du genau das von ihm erwar­test?

Manch­mal wird erst in diesem Gespräch deut­lich, dass das eigent­li­che Problem gar nicht beim Mitar­bei­ter liegt. Viel­leicht waren Erwar­tun­gen nie klar ausge­spro­chen. Viel­leicht wurden wider­sprüch­li­che Signale gesen­det. Viel­leicht wurde ein Verhal­ten lange akzep­tiert und soll plötz­lich nicht mehr in Ordnung sein.

Auch das gehört zu guter Führung.

Klar­heit ist nicht dasselbe wie Härte

Für mich ist das der entschei­dende Punkt.

Man muss Feed­back nicht hart formu­lie­ren, damit es ankommt.

Aber man sollte es auch nicht so weich verpa­cken, dass der andere anschlie­ßend rätseln muss, was eigent­lich gemeint war.

Wert­schät­zung und Klar­heit schlie­ßen sich nicht aus.

Im Gegen­teil.

Wenn mir die Entwick­lung eines Mitar­bei­ters wich­tig ist, sollte ich ihm zutrauen, mit einer klaren Rück­mel­dung umge­hen zu können.

Und nach einem schwie­ri­gen Gespräch ist viel­leicht eine Frage wich­ti­ger als:

„Habe ich alles gesagt?“

„Was wird mein Gegen­über morgen von diesem Gespräch erzäh­len?“

Die Antwort darauf zeigt oft ziem­lich gut, ob Feed­back wirk­lich ange­kom­men ist.

Häufige Fragen zu Feed­back und Mitar­bei­ter­ge­sprä­chen

Was ist die Feed­back-Sand­wich-Methode?

Beim Feed­back-Sand­wich wird eine kriti­sche Rück­mel­dung zwischen zwei posi­ti­ven Aussa­gen plat­ziert. Die Idee dahin­ter ist, Kritik wert­schät­zend zu vermit­teln. Proble­ma­tisch kann es werden, wenn die eigent­li­che Botschaft dadurch nicht mehr eindeu­tig wahr­ge­nom­men wird.

Ist das Feed­back-Sand­wich wissen­schaft­lich wider­legt?

Nein. Die direkte wissen­schaft­li­che Forschung zum Feed­back-Sand­wich ist vergleichs­weise dünn und erlaubt kein pauscha­les Urteil. Unter­su­chun­gen zu Feed­back insge­samt zeigen jedoch, dass dessen Wirkung stark davon abhängt, wie konkret es ist und worauf es die Aufmerk­sam­keit des Empfän­gers lenkt.

Wie gibt man kriti­sches Feed­back rich­tig?

Hilf­reich ist es, konkre­tes beob­acht­ba­res Verhal­ten zu beschrei­ben, dessen Auswir­kun­gen zu erklä­ren und deut­lich zu machen, was künf­tig anders sein soll. Ebenso wich­tig ist die Perspek­tive des Mitar­bei­ters. Feed­back sollte deshalb ein Gespräch sein und keine einsei­tige Bewer­tung.

Wie kann Coaching bei schwie­ri­gen Mitar­bei­ter­ge­sprä­chen helfen?

Im Coaching können Führungs­kräfte schwie­rige Gesprä­che vorbe­rei­ten und die eigene Wahr­neh­mung über­prü­fen. Dabei geht es nicht um auswen­dig gelernte Formu­lie­run­gen, sondern um Klar­heit: Was wurde tatsäch­lich beob­ach­tet? Welche Verän­de­rung wird erwar­tet? Welche eige­nen Annah­men oder Kommu­ni­ka­ti­ons­mus­ter beein­flus­sen das Gespräch?

Quel­len

Meet the Coach

Eberhard Kuhl
Eber­hard Kuhl
Eber­hard Kuhl ist der Grün­der von coachverzeichnis.com und Holi­day­Coa­ching. Er ist Unter­neh­mens­be­ra­ter und Coach mit Sitz in Daut­phe­tal, Hessen, und betreibt coachverzeichnis.com seit August 2025.