“Die Dornenhecke ward zu lauter großen und schönen Blumen, die taten sich von selbst auseinander und ließen ihn unbeschädigt hindurch.”
– Dornröschen (Brüder Grimm)
Wir machen uns die Illusion, wir könnten alles erzwingen. Wenn wir nur hart genug arbeiten, laut genug schreien oder genug Kraft aufwenden, dann muss sich die Welt beugen. Viele Prinzen starben in dieser Dornenhecke. Sie bluteten aus, weil sie den Durchbruch wollten, als die Zeit noch nicht reif war.
Es gibt Phasen in deinem Leben, da ist der Aufbruch noch nicht dran. Die Situation ist erstarrt, die Mauern sind voller Dornen. Wer jetzt mit dem Kopf durch die Wand will, zerstört sich selbst. Geduld ist keine Passivität. Sie ist die scharfe Beobachtung der Realität.
Als die hundert Jahre um waren, brauchte der Prinz kein Schwert. Die Dornen wurden zu Blumen und wichen von selbst zur Seite. Echte, tiefe Veränderungen geschehen oft völlig mühelos, wenn das innere und äußere Timing stimmt. Wenn du dich blutig kämpfst und keinen Millimeter vorankommst, ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist das Zeichen, dass der Winter noch nicht vorbei ist.
An welcher dornigen Hecke blutest du dich gerade sinnlos aus, anstatt den Moment abzuwarten, an dem sie sich von selbst öffnet?
