Wer immer nur funktioniert, entzieht sich dem Leben.
Anonym
Der Hochsommer diktiert eigene Regeln. Die Tiere ziehen sich in den Schatten zurück. Die Natur drosselt das Wachstum auf das absolute Minimum. Die Hitze erzwingt eine Pause. Nur wir Menschen ignorieren diesen biologischen Befehl völlig. Wir optimieren unsere Termine weiter, rennen von Meeting zu Meeting und trinken Eiswasser, um den Motor künstlich am Laufen zu halten.
Wir haben das Nichtstun völlig verlernt. Wir setzen uns an einem Sonntagnachmittag in den Garten und spüren nach zehn Minuten ein leises kribbelndes Unbehagen. Das schlechte Gewissen flüstert uns ein, dass wir noch die Mails checken oder wenigstens einen produktiven Podcast hören sollten. Die reine zweckfreie Ruhe betrachten wir als verlorene Zeit.
Dieses ständige Optimieren ist wie eine Krankheit. Potenzialentfaltung erfordert radikale Leere. Kreativität und neue Lösungen entstehen niemals im gestressten Vorwärtsgang. Sie entstehen genau dann, wenn dein System herunterfährt. Sich bewusst in eine Hängematte zu legen und absolut nichts zu tun, ist keine Faulheit. Es ist die bewusste Entscheidung, die eigene Maschinerie vor dem Überhitzen zu schützen.
In dieser Woche übertragen wir die Naturgesetze des Sommers auf unser eigenes Berufs und Privatleben. Wir betrachten die gnadenlose Dürre, das erlösende Sommergewitter und die Kunst des langsamen Tempos.
Wie viele Minuten hältst du es in der Sonne aus, ohne etwas zu produzieren, bevor dich dein eigenes schlechtes Gewissen wieder in den Arbeitsmodus zwingt?