Hoch­sen­si­ble Menschen nehmen Reize inten­si­ver wahr, fühlen sich schnel­ler über­sti­mu­liert und verar­bei­ten Erfah­run­gen häufig beson­ders tief. Doch einige dieser Eigen­schaf­ten über­schnei­den sich mit Merk­ma­len, die die Psycho­lo­gie auch beim vulner­ablen Narziss­mus beschreibt. Eine Studie sorgte deshalb vor eini­gen Jahren für Aufmerk­sam­keit. Inzwi­schen gibt es neue Unter­su­chun­gen – und die zeich­nen ein deut­lich diffe­ren­zier­te­res Bild.

Forschung 2025/2026

Eine große Studie mit 1.630 Perso­nen bestä­tigte 2025 deut­li­che statis­ti­sche Über­schnei­dun­gen zwischen bestimm­ten Berei­chen der Hoch­sen­si­bi­li­tät und vulnerablem Narziss­mus.

Doch 2026 wurde das wich­tigste Mess­in­stru­ment für Hoch­sen­si­bi­li­tät grund­le­gend über­ar­bei­tet. Die neue HSP‑R erfasst Sensi­ti­vi­tät brei­ter und berück­sich­tigt erst­mals syste­ma­ti­scher posi­tive, soziale und verar­bei­tungs­be­zo­gene Aspekte.

Das verän­dert nicht die frühe­ren Ergeb­nisse – aber es verän­dert, wie wir sie einord­nen soll­ten.

Was Hoch­sen­si­bi­li­tät wissen­schaft­lich bedeu­tet

Im wissen­schaft­li­chen Kontext wird Hoch­sen­si­bi­li­tät meist als Sensory Proces­sing Sensi­ti­vity (SPS) bezeich­net. Gemeint sind indi­vi­du­elle Unter­schiede darin, wie sensi­bel Menschen auf Infor­ma­tio­nen und Einflüsse aus ihrer Umwelt reagie­ren und diese verar­bei­ten.

Das Konzept ist popu­lär gewor­den, wissen­schaft­lich aber keines­wegs abschlie­ßend geklärt. Ein großer Forschungs­über­blick in Trends in Cogni­tive Scien­ces beschreibt SPS 2026 als ein schnell wach­sen­des Forschungs­feld, das sowohl wissen­schaft­li­ches Inter­esse als auch Skep­sis hervor­ge­ru­fen hat.

Es gibt demnach Hinweise auf mess­bare Unter­schiede in der senso­ri­schen Sensi­ti­vi­tät sowie auf Zusam­men­hänge mit Unter­schie­den in Struk­tur und Funk­tion des Gehirns. Gleich­zei­tig blei­ben grund­le­gende Fragen offen: Was gehört tatsäch­lich zum Kern von SPS – und welche beob­ach­te­ten Eigen­schaf­ten sind mögli­cher­weise Folgen oder Begleit­erschei­nun­gen erhöh­ter Sensi­ti­vi­tät?

Wich­tig: Hoch­sen­si­bi­li­tät ist keine psych­ia­tri­sche Diagnose. Auch vulnerabler Narziss­mus ist nicht auto­ma­tisch mit einer narziss­ti­schen Persön­lich­keits­stö­rung gleich­zu­set­zen. Persön­lich­keits­merk­male und eine klini­sche Diagnose sind unter­schied­li­che Dinge.

Warum Hoch­sen­si­bi­li­tät und Narziss­mus über­haupt mitein­an­der vergli­chen werden

Auf den ersten Blick erschei­nen die beiden Konzepte sehr verschie­den. Beim Wort Narziss­mus denken viele zunächst an Selbst­über­schät­zung, Domi­nanz und ein ausge­präg­tes Bedürf­nis nach Bewun­de­rung.

Das beschreibt vor allem die gran­diose Seite des Narziss­mus. Die Forschung unter­schei­det davon einen vulner­ablen Narziss­mus.

Gran­dio­ser Narziss­mus

Kann sich unter ande­rem in Über­le­gen­heits­ge­füh­len, Selbst­auf­wer­tung, Domi­nanz und einem star­ken Stre­ben nach Aner­ken­nung zeigen.

Vulnerabler Narziss­mus

Wird stär­ker mit Unsi­cher­heit, erhöh­ter Empfind­lich­keit gegen­über Bewer­tung, nega­ti­ven Emotio­nen und einem schwan­ken­den bezie­hungs­weise fragi­len Selbst­wert in Verbin­dung gebracht.

Genau bei dieser vulner­ablen Form entste­hen mögli­che Über­schnei­dun­gen mit Frage­bö­gen zur Hoch­sen­si­bi­li­tät: erhöhte Reak­ti­vi­tät, Über­sti­mu­la­tion, starke emotio­nale Reak­tio­nen und eine ausge­prägte Empfind­lich­keit gegen­über bestimm­ten Erfah­run­gen.

Eine statis­ti­sche Über­schnei­dung bedeu­tet jedoch nicht, dass zwei Konstrukte iden­tisch sind.

Was die Forschung seit der ersten Narziss­mus-Studie zeigt

2023

Die über­ra­schende Verbin­dung

Frühere Unter­su­chun­gen von Jauk und Kolle­gen fanden einen deut­li­chen Zusam­men­hang zwischen Sensory Proces­sing Sensi­ti­vity und vulnerablem bezie­hungs­weise hyper­sen­si­ti­vem Narziss­mus. Diese Ergeb­nisse brach­ten die Frage auf, ob bestimmte Aspekte dessen, was Frage­bö­gen als Hoch­sen­si­bi­li­tät erfas­sen, teil­weise mit bereits bekann­ten Persön­lich­keits­merk­ma­len über­lap­pen.

2025

Große Studie mit 1.630 Perso­nen

Danièle Gubler und Kolle­gen unter­such­ten den Zusam­men­hang erneut – dies­mal mit einer wesent­lich größe­ren Stich­probe und einem statis­ti­schen Verfah­ren, das die zugrunde liegen­den laten­ten Persön­lich­keits­merk­male berück­sich­tigt.

Neben Hoch­sen­si­bi­li­tät wurden unter ande­rem HEXACO-Persön­lich­keits­merk­male, Narziss­mus und Selbst­wert unter­sucht.

2026

Das Hoch­sen­si­bi­li­täts-Konzept wird neu vermes­sen

Michael Pluess, Elaine Aron und Kolle­gen veröf­fent­lich­ten eine grund­le­gend über­ar­bei­tete Highly Sensi­tive Person Scale. Hinter­grund waren unter ande­rem konzep­tio­nelle und psycho­me­tri­sche Schwä­chen des ursprüng­li­chen Frage­bo­gens.

Die 2025er Studie: Der Zusam­men­hang verschwin­det nicht

Die Unter­su­chung mit 1.630 Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern ist für die Diskus­sion beson­ders wich­tig, weil sie die zuvor gefun­de­nen Zusam­men­hänge nicht einfach verschwin­den lässt.

Die klas­si­sche Highly Sensi­tive Person Scale unter­schei­det unter ande­rem drei Berei­che:

Ease of Exci­ta­tion (EOE) beschreibt, wie schnell sich eine Person durch innere und äußere Anfor­de­run­gen über­for­dert oder über­wäl­tigt fühlt.

Low Sensory Thres­hold (LST) betrifft eine nied­rige Schwelle gegen­über unan­ge­neh­men senso­ri­schen Reizen.

Aesthe­tic Sensi­ti­vity (AES) beschreibt eine stär­kere Wahr­neh­mung und Wert­schät­zung ästhe­ti­scher und subti­ler Erfah­run­gen.

Das Ergeb­nis: Vulnerabler Narziss­mus zeigte den stärks­ten Zusam­men­hang mit Ease of Exci­ta­tion und Low Sensory Thres­hold. Aesthe­tic Sensi­ti­vity hing dage­gen beson­ders mit Offen­heit für Erfah­run­gen zusam­men.

Die Autoren sehen darin Unter­stüt­zung für die Kritik, dass zumin­dest Teile des bishe­ri­gen SPS-Konzepts erheb­li­che Über­schnei­dun­gen mit etablier­ten Persön­lich­keits­merk­ma­len aufwei­sen.

Heißt das: Hoch­sen­si­ble Menschen sind Narziss­ten?

Nein.

Genau dieser Schluss wäre wissen­schaft­lich nicht gerecht­fer­tigt.

Eine Korre­la­tion zwischen zwei Frage­bo­gen­ska­len sagt zunächst nur, dass Menschen mit höhe­ren Werten auf der einen Skala statis­tisch häufi­ger auch höhere Werte auf bestimm­ten Berei­chen der ande­ren Skala errei­chen.

Sie bedeu­tet weder, dass jeder hoch­sen­si­ble Mensch vulnerabel narziss­tisch ist, noch dass Hoch­sen­si­bi­li­tät eine Form von Narziss­mus darstellt.

Noch weni­ger lässt sich daraus eine narziss­ti­sche Persön­lich­keits­stö­rung ablei­ten.

Der eigent­lich inter­es­sante Befund lautet: Bestimmte Frage­bo­gen­merk­male, mit denen Hoch­sen­si­bi­li­tät bisher gemes­sen wurde, über­schnei­den sich offen­bar stär­ker mit ande­ren Persön­lich­keits­merk­ma­len, als es die popu­läre Vorstel­lung eines völlig eigen­stän­di­gen „Hoch­sen­si­blen-Typs“ vermu­ten lässt.

2026 kommt eine wich­tige Wendung: Die HSP-Skala wird über­ar­bei­tet

Genau an dieser Stelle wird die Forschung von 2026 beson­ders span­nend.

Die ursprüng­li­che Highly Sensi­tive Person Scale stammt aus den 1990er-Jahren. Inzwi­schen hat sich das theo­re­ti­sche Verständ­nis von Sensi­ti­vi­tät deut­lich weiter­ent­wi­ckelt.

Pluess, Aron und Kolle­gen nennen bei der alten Skala unter ande­rem zwei Probleme: Einige wich­tige Eigen­schaf­ten von Sensi­ti­vi­tät würden nicht ausrei­chend erfasst und die Fragen seien vergleichs­weise stark auf nega­tive Erfah­run­gen ausge­rich­tet.

Für die neue Studie wurden 1.000 Erwach­sene aus Groß­bri­tan­nien und den USA unter­sucht. Daraus entstand die HSP‑R mit 18 Items und sechs Dimen­sio­nen.

1. Sensi­ti­vity to Details Sensi­ti­vi­tät für Details
2. Depth of Proces­sing Tiefe der Verar­bei­tung
3. Social Sensi­ti­vity Soziale Sensi­ti­vi­tät
4. Sensi­ti­vity to Posi­tive Expe­ri­en­ces Sensi­ti­vi­tät für posi­tive Erfah­run­gen
5. Emotio­nal Reac­ti­vity Emotio­nale Reak­ti­vi­tät
6. Over­sti­mu­la­tion Über­sti­mu­la­tion

Warum die neue HSP‑R für die Narziss­mus-Debatte wich­tig ist

Die neue Skala löst die Frage nach der Abgren­zung von Narziss­mus nicht auto­ma­tisch. Sie zeigt aber ein grund­sätz­li­ches Problem der bishe­ri­gen Diskus­sion.

Wenn ein Mess­in­stru­ment beson­ders viele Fragen zu Über­for­de­rung, unan­ge­neh­men Reizen und emotio­na­ler Reak­ti­vi­tät enthält, kann es zwangs­läu­fig stär­kere Über­schnei­dun­gen mit ande­ren Merk­ma­len zeigen, die eben­falls nega­tive Emotio­na­li­tät oder erhöhte Reak­ti­vi­tät erfas­sen.

Die HSP‑R versucht Sensi­ti­vi­tät deshalb brei­ter abzu­bil­den. Dazu gehö­ren nun ausdrück­lich auch die Sensi­ti­vi­tät gegen­über posi­ti­ven Erfah­run­gen, die Verar­bei­tungs­tiefe, Detail­wahr­neh­mung und soziale Sensi­ti­vi­tät.

Beson­ders rele­vant: In der Vali­die­rungs­stu­die lieferte die neue Skala zusätz­li­che Infor­ma­tion über die Big Five hinaus. Damit spricht die neue Unter­su­chung gegen eine allzu einfa­che Gleich­set­zung von SPS mit bereits bekann­ten Persön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten.

Aller­dings weisen die Autoren selbst darauf hin, dass die neue Faktor­struk­tur noch in unab­hän­gi­gen Stich­pro­ben und unter­schied­li­chen Kultu­ren repli­ziert werden sollte.

Was die Big Five mit der Diskus­sion zu tun haben

Die Big Five sind für die Hoch­sen­si­bi­li­täts­for­schung deshalb wich­tig, weil sich SPS teil­weise mit etablier­ten Persön­lich­keits­di­men­sio­nen über­schnei­det.

Beson­ders rele­vant sind Neuro­ti­zis­mus bezie­hungs­weise nega­tive Emotio­na­li­tät und Offen­heit für Erfah­run­gen.

Genau das zeigte auch die Studie von Gubler und Kolle­gen: Unter­schied­li­che SPS-Kompo­nen­ten hatten unter­schied­li­che Persön­lich­keits­kor­re­late. Während vulnerable narziss­ti­sche Merk­male beson­ders mit Über­er­reg­bar­keit und nied­ri­ger Reiz­schwelle verbun­den waren, war ästhe­ti­sche Sensi­ti­vi­tät stär­ker mit Offen­heit verbun­den.

Das spricht dafür, Hoch­sen­si­bi­li­tät nicht als eindi­men­sio­na­les Etikett zu betrach­ten.

Eine weitere Studie zeigt: Das Umfeld macht einen Unter­schied

Inter­es­sant ist dazu eine Expe­ri­ence-Sampling-Studie zum Alltag hoch­sen­si­bler Menschen.

139 Erwach­sene wurden eine Woche lang fünf­mal täglich nach ihrem momen­ta­nen Erle­ben gefragt. Dadurch muss­ten sie nicht rück­bli­ckend einschät­zen, wie sie sich „norma­ler­weise“ fühlen, sondern berich­te­ten unmit­tel­bar aus ihrem Alltag.

Bei sensi­ti­ve­ren Perso­nen war Über­sti­mu­la­tion stär­ker, wenn Geräu­sche und visu­elle Reize als unan­ge­nehm erlebt wurden, sie müde waren oder sich in nega­ti­ver Stim­mung befan­den.

Doch es zeigte sich auch die andere Seite: Bei ange­neh­men senso­ri­schen Eindrü­cken, posi­ti­ver Stim­mung und fehlen­der Müdig­keit berich­te­ten sensi­ti­vere Menschen weni­ger momen­tane Über­sti­mu­la­tion.

Sensi­ti­vi­tät scheint deshalb nicht einfach zu bedeu­ten: „Alles ist anstren­gen­der.“

Viel­mehr deutet die Forschung darauf hin, dass die Quali­tät der Umwelt für sensi­ti­vere Menschen eine beson­ders große Rolle spie­len kann.

2026: Die Forschung sucht nach einem besse­ren Erklä­rungs­mo­dell

Ein aktu­el­ler Review in Trends in Cogni­tive Scien­ces geht noch einen Schritt weiter.

Die Autoren um Corina Greven kommen zu dem Schluss, dass die Forschung inzwi­schen Hinweise auf Unter­schiede in senso­ri­scher Sensi­ti­vi­tät sowie auf Unter­schiede in Gehirn­struk­tur und Gehirn­funk­tion gefun­den hat.

Gleich­zei­tig fehle SPS bislang eine über­zeu­gende neuro­ko­gni­tive Theo­rie.

Als mögli­chen Ansatz schla­gen die Forscher das soge­nannte Predic­tive Proces­sing vor. Verein­facht gesagt verar­bei­tet unser Gehirn Wahr­neh­mung nicht nur passiv, sondern versucht fort­lau­fend vorher­zu­sa­gen, welche einge­hen­den Infor­ma­tio­nen bedeut­sam sind.

Die Hypo­these lautet, dass bei hoher SPS einge­hen­den senso­ri­schen Signa­len beson­ders viel Gewicht gege­ben werden könnte.

Das ist bislang jedoch ein theo­re­ti­sches Modell. Die Autoren beto­nen ausdrück­lich, dass es noch direkt empi­risch getes­tet werden muss.

Was bedeu­tet das für Menschen, die sich als hoch­sen­si­bel erle­ben?

Die neuen Studien machen Hoch­sen­si­bi­li­tät nicht „ungül­tig“. Sie zeigen viel­mehr, dass die wissen­schaft­li­che Beschrei­bung diffe­ren­zier­ter wird.

Statt zu fragen:

„Bin ich hoch­sen­si­bel – ja oder nein?“

können konkre­tere Fragen hilf­rei­cher sein:

Reagiere ich beson­ders stark auf unan­ge­nehme Sinnes­reize? Fühle ich mich schnell über­sti­mu­liert? Verar­beite ich Erfah­run­gen beson­ders inten­siv? Bin ich für posi­tive Eindrü­cke eben­falls beson­ders empfäng­lich? Wie stark beein­flus­sen Müdig­keit, Stress und mein Umfeld meine Reak­tio­nen? Und welche Rolle spie­len Selbst­wert und die Empfind­lich­keit gegen­über Bewer­tun­gen?

Solche Fragen vermei­den eine vorschnelle Selbst­e­ti­ket­tie­rung und rich­ten den Blick stär­ker auf konkrete Erfah­run­gen und Verhal­tens­mus­ter.

Fazit: Über­schnei­dung ja – Gleich­set­zung nein

Die Verbin­dung zwischen Hoch­sen­si­bi­li­tät und vulnerablem Narziss­mus lässt sich nicht einfach vom Tisch wischen. Eine große Studie mit 1.630 Perso­nen bestä­tigte, dass insbe­son­dere Über­er­reg­bar­keit und nied­rige senso­ri­sche Reiz­schwelle deut­lich mit vulnerablem Narziss­mus zusam­men­hän­gen.

Daraus folgt jedoch nicht, dass hoch­sen­si­ble Menschen narziss­tisch sind.

Die Forschung von 2026 zeigt viel­mehr, dass mögli­cher­weise schon die bishe­rige Messung von Hoch­sen­si­bi­li­tät einen Teil des Problems darstellte. Die neue HSP‑R erfasst Sensi­ti­vi­tät brei­ter und berück­sich­tigt neben Über­sti­mu­la­tion und emotio­na­ler Reak­ti­vi­tät auch posi­tive, soziale und verar­bei­tungs­be­zo­gene Aspekte.

Gleich­zei­tig blei­ben offene Fragen. Selbst ein aktu­el­ler Forschungs­re­view kommt zu dem Ergeb­nis, dass noch genauer geklärt werden muss, was den eigent­li­chen Kern von Sensory Proces­sing Sensi­ti­vity ausmacht.

Viel­leicht ist genau das die wich­tigste Erkennt­nis: Hoch­sen­si­bi­li­tät ist wissen­schaft­lich inter­es­san­ter – und komple­xer – als das einfa­che Etikett „HSP“ vermu­ten lässt.

Häufige Fragen zu Hoch­sen­si­bi­li­tät und Narziss­mus

Studien zeigen statis­ti­sche Zusam­men­hänge zwischen bestimm­ten Berei­chen von Sensory Proces­sing Sensi­ti­vity und vulnerablem Narziss­mus. Daraus lässt sich jedoch nicht ablei­ten, dass hoch­sen­si­ble Menschen gene­rell narziss­tisch sind. Beson­ders wich­tig ist zudem die Unter­schei­dung zwischen narziss­ti­schen Persön­lich­keits­merk­ma­len und einer narziss­ti­schen Persön­lich­keits­stö­rung.

Vulnerabler Narziss­mus wird unter ande­rem mit einem empfind­li­chen bezie­hungs­weise insta­bi­len Selbst­wert, erhöh­ter Reak­ti­vi­tät auf Bewer­tun­gen, Unsi­cher­heit und nega­ti­ven Emotio­nen in Verbin­dung gebracht. Er unter­schei­det sich damit vom stär­ker selbst­be­wusst und domi­nant auftre­ten­den gran­dio­sen Narziss­mus.

Sensory Proces­sing Sensi­ti­vity ist Gegen­stand einer wach­sen­den wissen­schaft­li­chen Forschung. Ein Review von 2026 beschreibt Hinweise auf mess­bare Unter­schiede in senso­ri­scher Sensi­ti­vi­tät und auf Zusam­men­hänge mit Gehirn­struk­tur und ‑funk­tion. Zugleich bestehen noch konzep­tio­nelle und metho­di­sche Fragen, etwa zur genauen Abgren­zung gegen­über ande­ren Persön­lich­keits­merk­ma­len.

Nein. Sensory Proces­sing Sensi­ti­vity wird in der Forschung als Persön­lich­keits- bezie­hungs­weise Tempe­ra­ments­merk­mal unter­sucht und ist keine psych­ia­tri­sche Diagnose.

Die 2026 vorge­stellte Highly Sensi­tive Person Scale-Revi­sed ist eine grund­le­gend über­ar­bei­tete Skala zur Erfas­sung von Sensory Proces­sing Sensi­ti­vity. Sie enthält 18 Items und erfasst sechs Berei­che: Sensi­ti­vi­tät für Details, Verar­bei­tungs­tiefe, soziale Sensi­ti­vi­tät, Sensi­ti­vi­tät für posi­tive Erfah­run­gen, emotio­nale Reak­ti­vi­tät und Über­sti­mu­la­tion.

Nein, so eindeu­tig lässt sich die Forschung nicht zusam­men­fas­sen. Bestimmte Berei­che der bishe­ri­gen SPS-Messung über­schnei­den sich deut­lich mit etablier­ten Persön­lich­keits­merk­ma­len wie Neuro­ti­zis­mus und Offen­heit. Die 2026 entwi­ckelte HSP‑R zeigte jedoch zusätz­li­che Erklä­rungs­kraft über die Big Five hinaus. Weitere unab­hän­gige Repli­ka­tio­nen der neuen Skala sind notwen­dig.

Nein. Ein Frage­bo­gen zur Sensory Proces­sing Sensi­ti­vity dient nicht der Diagnose von Narziss­mus oder einer narziss­ti­schen Persön­lich­keits­stö­rung. Statis­ti­sche Über­schnei­dun­gen zwischen einzel­nen Merk­ma­len erset­zen keine psycho­lo­gi­sche oder psych­ia­tri­sche Diagnos­tik.

Wissen­schaft­li­che Quel­len

  1. Gubler, D. A., Janelt, T., Roth, M. & Troche, S. J. (2025): The Hidden Narcis­sus in the Orchid: The rela­ti­onship between sensory proces­sing sensi­ti­vity, narcis­sism, self-esteem, and the HEXACO perso­na­lity traits. Perso­na­lity and Indi­vi­dual Diffe­ren­ces, 233, 112891.
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  2. Pluess, M., Aron, E. N., Kähkö­nen, J. E., Lionetti, F. et al. (2026): Evolu­tion of the concept of sensory proces­sing sensi­ti­vity and its measu­re­ment: The Highly Sensi­tive Person scale-revi­sed. Perso­na­lity and Indi­vi­dual Diffe­ren­ces, 257, 113782.
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  3. Greven, C. U., Trupp, M. D., Homberg, J. R. & Slag­ter, H. A. (2026): Sensory proces­sing sensi­ti­vity: theory, evidence, and direc­tions. Trends in Cogni­tive Scien­ces, 30(6), 530–545.
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  4. Weyn, S., Greven, C. U., Schmidt, S. J. et al. (2026): Sensory proces­sing sensi­ti­vity and over­sti­mu­la­tion in daily life: an expe­ri­ence sampling method study. Scien­ti­fic Reports, 16, 2015.
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Hinweis: Der Arti­kel infor­miert über den aktu­el­len Forschungs­stand und dient nicht der Diagnose psychi­scher Erkran­kun­gen. Insbe­son­dere lässt sich aus Hoch­sen­si­bi­li­tät oder einem SPS-Frage­bo­gen­er­geb­nis keine narziss­ti­sche Persön­lich­keits­stö­rung ablei­ten.

Meet the Coach

Eberhard Kuhl
Eber­hard Kuhl
Eber­hard Kuhl ist der Grün­der von coachverzeichnis.com und Holi­day­Coa­ching. Er ist Unter­neh­mens­be­ra­ter und Coach mit Sitz in Daut­phe­tal, Hessen, und betreibt coachverzeichnis.com seit August 2025.