Die „Trutz­macht des Geis­tes“ und RESPEKT für sich selbst.

Ein Satz, der vor ca. 15 Jahren meinen Umgang mit mir selbst elemen­tar verän­dert hat.

Es geht um Reso­nanz mit sich selbst. Sich selbst mit Stau­nen zu betrach­ten: wie bewege ich mich denn gerade wieder unter­wegs im Leben? Was bin ich gerade für ein „selt­sa­mes Wesen“. Eric Berne hat es das „marsi­sche Denken“ als Thera­peut, Coach, Bera­ter genannt.

Hier geht es darum zunächst, diese Art von Reso­nanz als Ritual in sein Leben zu inte­grie­ren.

Dabei gibt es auch Schö­nes zu entde­cken, Momente des Gelin­gens, das Erken­nen der Fähig­kei­ten in sich (Freude, die Glut, die dem Sein inne­wohnt, Fromm).

Und, aller­dings, gibt es auch die Erfah­run­gen des Miss­lin­gens, der Aufrecht­erhal­tung dysfunk­tio­na­ler Muster wider besse­ren Wissens.

Einstiegserfahrungen und Hindernisse

Eine Einstiegs­er­fah­rung, die viel­leicht dem einen oder ande­ren bekannt vorkommt?

Ein Abend mit einer Gruppe von (ziem­lich) reflek­tier­ten Menschen – und ein Thema, das mir, den ande­ren und wahr­schein­lich den meis­ten der Leser hier auch vertraut ist: Sich, die Gesund­heit, die Bedürf­nisse, seine Werte und Ziele, das eigene Tempo zu vernach­läs­si­gen. Lebe ich – oder ist schon wieder soviel „Funk­tio­nie­ren, Abar­bei­ten, Vernach­läs­si­gen von Wert­vol­lem“ das gestal­tende Moment in meiner Lebens­füh­rung?

Um die Metho­den wissen wir alle, vom Yoga über die ZEN-Medi­ta­tion, die 15-sec-Atem­pause und andere Atem­tech­ni­ken, den Body-Scan, Tai Chi – die Bücher- und die Kopf­welt ist voll von Wissen darüber. Und wir kennen ande­rer­seits die vielen „verlo­re­nen Verhand­lun­gen mit dem inne­ren Schwei­ne­hund“, das trotz­dem „weiter-so“.

Und danach taucht das Risiko der Tyran­nei des Sollens und Müssens auf: ich muss, verd… noch­mal, mich selbst steu­ern. Das Muster eines verfol­ge­ri­schen Eltern-Ich spielt flei­ßig mit bei der „Arbeit an sich selbst“.

In der Trans­ak­ti­ons­ana­lyse kennen wir das Konzept des „einhän­di­gen Drama-Drei­ecks (Verfol­ger – Opfer – Retter)“: ich verur­teile mich für mein Versa­gen (Verfol­ger, man ohrfeigt sich selbst) – ich schäme mich für mein Versa­gen (Opfer) – und ich finde viele Entschul­di­gungs­gründe, warum ich so bin (Retter).

Verantwortung statt Entschuldigung

Natür­lich sind wir durch unsere biogra­fi­schen Erfah­run­gen geprägt, manch­mal über Gene­ra­tio­nen hinweg und es ist hilf­reich, diese mutig anzu­schauen.

Das So-gewor­den-sein wird jedoch benutzt als Entschul­di­gung, sich nicht verän­dern zu können. Die kind­li­che Loya­li­tät an die alten Erfah­run­gen ist stär­ker als die Loya­li­tät sich selbst und seinem Wachs­tum gegen­über. Und manch­mal ist das Symptom, das Phäno­men auch der „letzte Zeuge“ für alte Krän­kun­gen. Das erklärt vieles, recht­fer­tigt jedoch nicht das Heutige. Man kommt irgend­wann in das Alter, in dem man seine Eltern nicht mehr dafür verant­wort­lich machen kann für das, was man heute macht.

Zusam­men­ge­fasst läuft das darauf hinaus: „Rich­ter über sich selbst zu sein, endet meist mit einem Frei­spruch!“ Jedoch nicht mit Über­nahme der Verant­wor­tung für sich.

Ich bin ande­rer­seits auch kein Freund des „ich liebe mich, wie ich bin“ – vor allem, wenn ich fest­stelle, dass ich mich (und evtl. auch andere) in meinem So-Sein schä­dige.

Was dann?

Vor der Methode (ich nenn es manch­mal die Anwen­dungs­soft­ware) kommt die Entschei­dung (das Betriebs­sys­tem). Einen für mich wesent­li­chen Aspekt dieses Betriebs­sys­tems drückt der Satz von Viktor Frankl oben aus.

Der erste Schritt: Selbstachtung

NEHMEN SIE SICH SELBST ERNST – betrach­ten Sie sich selbst als Bestand­teil Ihres Lebens­sin­nes – wenden Sie sich SICH selbst und Ihrem Leben zu, nehmen Sie Verbin­dung auf zu sich selbst, mit Stau­nen, mit Freude und mit RESPEKT. Das ist das, was für mich Frankl in dem o.a. Satz ausdrückt.

Es bedeu­tet, sich seiner eige­nen Würde als erwach­se­nem Menschen bewusst zu sein. Der die Fähig­keit hat, Verant­wor­tung für sich zu über­neh­men – und JA dazu zu sagen. Und beim Schei­tern die „Trutz­macht des Geis­tes“ (Frankl) auch sich selbst gegen­über einzu­set­zen. Und das ist aus meiner Erfah­rung etwas ganz ande­res, als sich selbst zu verur­tei­len und das einhän­dige Dram­a­drei­eck mit sich zu spie­len.

Wenden Sie sich der Idee zu, sich selbst als wirk­sam, als hand­lungs­fä­hig zu betrach­ten. In der Spra­che des NSC-Coach: einen kraft­vol­len „I‑Belief“ zu haben, der die Seele erfreut und nährt. Das erfor­dert Mut, einen guten Zugang zu seinem eige­nen Aggres­si­ons­po­ten­zial (aus der Perspek­tive eines Aggres­si­ons­be­ra­ters) zu haben. Ja, ich kann etwas bewir­ken – auch mir selbst gegen­über.

Gedanken für das Gelingen

Zur Selbst­wirk­sam­keit noch­mal: „ich muss mir von mir selbst auch nicht alles gefal­len lassen“

Wenn ich den Satz als Inter­ven­tion einsetze, erlebe ich viel Zustim­mung – er wirkt. Probie­ren Sie mal den Unter­schied für sich aus. Noch ein paar weitere Gedan­ken dazu, die die Wahr­schein­lich­keit erhö­hen, sich selbst gegen­über treu zu blei­ben:

  • Es sagte mal jemand zu einem Raucher, der aufhö­ren wollte, sinn­ge­mäß: „mach, so weit wie Du kommst. Meine Bitte jedoch ist: bevor Du die erste Ziga­rette anzün­dest, ruf mich an und sag, dass Du Dich wieder ument­schie­den hast!“ Wen rufen Sie vorher an, wenn Sie sich mal wieder entschei­den, gegen sich selbst zu handeln?
  • In der Medi­ta­tion kennen wir die Idee, sich zu disso­zi­ie­ren von dem, was gerade im Kopf abläuft an Gedan­ken und Gefüh­len. Meine Alter­na­tive dazu: betrach­ten Sie sich eher neugie­rig, stau­nend, „ah, so bin ich gerade unter­wegs, irgend­wie span­nend“, gehen Sie in stau­nende Reso­nanz mit sich selbst.

Und wenn Sie den Satz von Frankl zu sich selbst sagen – und dann anfan­gen, sich respekt­voll mit Stau­nen zu betrach­ten – erhöht sich die Wahr­schein­lich­keit des Gelin­gens…

Viel­leicht nehmen Sie den auf in Ihr Selbst­re­ge­lungs-Reper­toire?