“Man wird nicht dadurch erleuchtet, dass man sich Lichtgestalten vorstellt, sondern durch Bewusstmachung der Dunkelheit.“
C.G. Jung
Halbzeit. Die ersten sechs Monate sind fast durch. Vielleicht hast du schon einen kurzen Blick auf deine Vorsätze vom Januar geworfen. Die Mitgliedschaft im Fitnessstudio ruht. Das große Projekt auf der Arbeit stagniert. Du wolltest viel gelassener werden und hast am Freitag doch wieder lautstark die Geduld verloren. Der erste Reflex ist meistens harte Selbstkritik. Du nimmst dir fest vor, in der zweiten Jahreshälfte einfach noch disziplinierter zu funktionieren.
Genau hier liegt der Fehler. Deine Ziele vom Januar wurden von deinem Schaufenster diktiert. Von der polierten Version deiner selbst, die der Welt gefallen will. C.G. Jung nennt das die Persona. Alles, was nicht in dieses perfekte Bild passt, sperren wir in einen fensterlosen Keller. Die Bequemlichkeit. Die wilde Wut. Den rücksichtslosen Egoismus. Jung nennt diesen Keller den Schatten.
Wenn du im Halbjahr deine edlen Ziele verfehlst, war das oft ein leiser Sabotageakt deines eigenen Schattens. Die unterdrückten Anteile lassen sich nicht ewig ignorieren. Ein ehrlicher Rückblick braucht keine neuen, strengen Vorsätze. Er braucht den Mut, mit einer Taschenlampe in den eigenen Keller zu steigen. Dort liegt nämlich deine ungeschminkte Lebenskraft.
In dieser Woche streichen wir die braven Ziele und schauen uns an, welche Energie du eigentlich weggesperrt hast. Wir holen das Potenzial für die nächsten sechs Monate aus dem Dunkeln.
Welches noble Ziel vom Januar hast du verfehlt, weil ein dunklerer und viel ehrlicherer Teil von dir absolut keine Lust darauf hatte?
