Grosse Momente haben eine Eigen­schaft, die kleine nicht besit­zen: Sie werden erin­nert. Eine neue Stelle, ein Umzug, eine Entschei­dung, die lange auf sich warten liess – solche Dinge bren­nen sich ein. Sie haben ein Vorher und ein Nach­her. Wir erzäh­len davon.

Kleine Schritte hinge­gen verschwin­den im Alltag. Sie passie­ren zwischen zwei Termi­nen, beim Spazier­gang, in einem Moment der Ruhe. Und genau deshalb vergisst man sie so schnell.

Jetzt, auf halbem Weg durch das Jahr, lohnt es sich, kurz inne­zu­hal­ten. Nicht um Bilanz zu ziehen oder Ziele abzu­ha­ken – sondern um hinzu­schauen, was sich viel­leicht verän­dert hat, ohne viel Aufhe­bens zu machen.

Was zählt, wird oft über­se­hen

Es gibt eine kaum merk­bare Verschie­bung, die im Laufe von Mona­ten passiert: Was heute selbst­ver­ständ­lich ist, war vor einem halben Jahr noch eine echte Anstren­gung. Ein Gespräch, das du früher vermie­den hättest, führst du heute klarer. Eine Gewohn­heit, mit der du jahre­lang geha­dert hast, sitzt inzwi­schen anders. Ein inne­res Muster, das dich immer wieder einge­holt hat, zeigt sich selte­ner – oder du erkennst es früher.

Das ist kein Zufall. Das ist Entwick­lung. Nur trägt sie selten ein Schild.

Das Problem: Weil diese Verschie­bun­gen nicht laut sind, fallen sie dem inne­ren Kriti­ker nicht auf – wohl aber dem inne­ren Bewer­ter, der nach wie vor die gros­sen Dinge sucht. Was noch nicht erreicht ist, was noch fehlt, was noch nicht stimmt. Der Mass­stab wächst mit – und das, was du schon geschafft hast, rückt dabei unmerk­lich aus dem Blick.

Der blinde Fleck im Rück­blick

Menschen neigen dazu, ihre Entwick­lung zu unter­schät­zen – nicht aus falscher Beschei­den­heit, sondern weil Verän­de­rung von innen oft kaum spür­bar ist. Du lebst in ihr drin. Du siehst nicht, wie weit du gegan­gen bist, weil du nie aufge­hört hast zu gehen.

Ein Rück­blick hält hier wert­voll dage­gen. Nicht als Erfolgs­liste, nicht als Selbst­be­weih­räu­che­rung – sondern als ehrli­cher, neugie­ri­ger Blick zurück. Was war im Januar noch schwer, das heute leich­ter geht? Welche Situa­tio­nen hast du anders gemeis­tert als du es von dir erwar­tet hättest? Was hast du dir zuge­traut, das du dir viel­leicht vorher noch nicht zuge­traut hättest?

Manch­mal braucht es jeman­den von aussen, der sagt: «Weisst du noch, wie das damals war?» Weil man es selbst so schnell vergisst.

Die klei­nen Schritte verdie­nen einen Moment

Es geht nicht darum, aus klei­nen Schrit­ten grosse Geschich­ten zu machen. Nicht jede Verän­de­rung muss gefei­ert oder doku­men­tiert werden. Aber sie darf wahr­ge­nom­men werden – kurz, bewusst, ohne Bewer­tung.

Denn was du nicht siehst, kann dich nicht tragen. Und Entwick­lung, die du nicht aner­kennst, gibt dir keinen Schwung für das, was noch kommt.

Das erste Halb­jahr neigt sich dem Ende. Bevor das zweite beginnt, lohnt sich ein kurzer Moment der inne­ren Aufmerk­sam­keit – nicht für das Grosse, das du viel­leicht noch nicht erreicht hast, sondern für das Leise, das längst passiert ist.

Nimm dir einen ruhi­gen Moment und lass die folgen­den Fragen auf dich wirken:

  • Was fällt dir heute leich­ter als noch im Januar – auch wenn es klein erscheint?
  • Wo hast du dich in den letz­ten Mona­ten selbst über­rascht?
  • Welche Verän­de­rung in dir ist so leise passiert, dass du sie fast über­se­hen hättest?
  • Was möch­test du von dem, was du erkennst, bewusst mitneh­men ins zweite Halb­jahr?

Meet the Coach

Sue Oehler
Sue Oehler
Zert. Life & Busi­ness Master­coach, für Einzel­per­so­nen und Teams, mit dem Fokus auf innere Klar­heit, Selbst­ver­ant­wor­tung und nach­hal­tige Zufrie­den­heit. Im Coaching beglei­tet sie Menschen in beruf­li­chen und persön­li­chen Über­gangs­pha­sen dabei, inne­zu­hal­ten, sich zu orien­tie­ren und Verän­de­run­gen aus einer klaren, selbst­wirk­sa­men Haltung heraus zu begeg­nen – ohne schnelle Lösun­gen, dafür nach­hal­tig mit Präsenz und Tiefe.
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