Man kann ein Leben führen, das von außen völlig in Ordnung aussieht, und sich trotzdem irgendwann fragen: Ist das eigentlich meines?
Arbeit, Familie, Verpflichtungen, Geld, Erwartungen. Vieles entsteht nicht durch eine einzige große Entscheidung. Es entwickelt sich. Ein Schritt ergibt den nächsten. Und manches, was einmal richtig war, passt Jahre später vielleicht nicht mehr.
Das bedeutet nicht, dass du dein Leben umkrempeln musst. Es kann aber sinnvoll sein, gelegentlich zu prüfen, welche Entscheidungen wirklich zu dir passen und welche du hauptsächlich triffst, weil sie vernünftig erscheinen oder andere sie von dir erwarten.
Wenn dein Leben die nächsten fünf Jahre genauso weiterläuft wie heute: Würdest du dich darauf freuen?
Du musst darauf nicht sofort eine Antwort haben. Genau dafür ist der folgende Check gedacht.
Ein kurzer Check: Wie viel von deinem Alltag bestimmst du selbst?
Es geht nicht darum, ob dein Leben gut oder schlecht ist. Und es gibt keinen Idealwert. Der Check soll sichtbar machen, an welchen Stellen es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
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Du möchtest genauer hinschauen?
Vielleicht hat der Check einen Punkt sichtbar gemacht, bei dem du schon länger festhängst. Dann kann ein Gespräch mit einem Coach helfen, die eigenen Gedanken zu sortieren und herauszufinden, was für dich tatsächlich wichtig ist.
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Warum wir so leicht in ein Leben hineinrutschen
Nur wenige Menschen setzen sich hin und beschließen, künftig vor allem die Erwartungen anderer zu erfüllen. Es passiert wesentlich unspektakulärer.
Man übernimmt eine Aufgabe, weil man sie gut kann. Man bleibt in einem Job, weil die Bedingungen vernünftig sind. Man sagt zu, weil man niemanden enttäuschen möchte. Man entscheidet sich für Sicherheit, weil gerade nicht der richtige Zeitpunkt für ein Risiko zu sein scheint.
Jede einzelne dieser Entscheidungen kann sinnvoll sein. Interessant wird es, wenn viele davon über Jahre in dieselbe Richtung zeigen.
Dann kann ein Leben entstehen, das gut funktioniert, aber nicht mehr besonders gut zu der Person passt, die es führt.
Woran merke ich, dass ich zu oft nach den Erwartungen anderer lebe?
Das lässt sich nicht an einer einzelnen Entscheidung festmachen. Rücksicht zu nehmen oder Verpflichtungen zu erfüllen bedeutet nicht automatisch, gegen die eigenen Bedürfnisse zu leben.
Interessanter sind wiederkehrende Muster. Du sagst häufig Ja und ärgerst dich später darüber. Du kannst ziemlich genau sagen, was andere von dir erwarten, aber nur schwer, was du selbst möchtest. Eine Veränderung erscheint dir attraktiv, gleichzeitig beschäftigst du dich sofort damit, wie andere darauf reagieren würden.
Auch ein Satz wie „Eigentlich kann ich mich nicht beschweren“ kann interessant sein. Denn die Frage ist nicht nur, ob es objektive Gründe für Unzufriedenheit gibt. Die Frage ist, ob das, was du täglich tust, noch zu deinen eigenen Vorstellungen passt.
Drei Fragen, die konkreter sind als „Was will ich wirklich?“
„Was will ich wirklich?“ klingt nach einer einfachen Frage. Tatsächlich ist sie so groß, dass man damit schnell im Kreis denken kann.
Hilfreicher kann es sein, die Perspektive zu verändern.
1. Was würdest du tun, wenn du es niemandem erklären müsstest?
Nimm eine Entscheidung, die dich gerade beschäftigt.
Stell dir für einen Moment vor, niemand wäre enttäuscht. Niemand würde dich bewerten. Du müsstest deine Entscheidung weder deiner Familie noch Freunden, Kollegen oder deinem Chef erklären.
Würdest du genauso entscheiden?
Wenn deine Antwort Nein lautet, bedeutet das nicht, dass du anders handeln solltest. Andere Menschen gehören zu unserem Leben. Ihre Bedürfnisse dürfen bei Entscheidungen eine Rolle spielen.
Aber du hast gerade etwas Wichtiges getrennt: das, was du möchtest, und das, was andere von dir erwarten.
Erst wenn beides sichtbar ist, kannst du bewusst entscheiden, welchen Kompromiss du eingehen möchtest.
2. Worauf wartest du?
Manche Dinge verschieben wir aus guten Gründen. Für andere scheint der richtige Zeitpunkt einfach nie zu kommen.
Mehr Ruhe. Eine andere Arbeit. Eine Reise. Eine Weiterbildung. Ein Gespräch. Weniger Verantwortung. Mehr Verantwortung. Ein eigenes Projekt.
Nimm eine Sache, die du seit mindestens einem Jahr vor dir herschiebst, und vervollständige diesen Satz:
„Ich könnte damit anfangen, wenn …“
Schau dir deine Antwort anschließend genau an.
Ist das tatsächlich eine Voraussetzung? Oder wartest du darauf, dass irgendwann Bedingungen entstehen, unter denen die Entscheidung leicht wird?
Manchmal ist Warten richtig. Manchmal ist es eine sehr komfortable Möglichkeit, eine Entscheidung nicht treffen zu müssen.
3. Was würde dein älteres Ich dir raten?
Stell dir dich selbst viele Jahre älter vor. Nicht als perfekte Version deiner selbst. Einfach älter.
Du blickst auf die Lebensphase zurück, in der du heute steckst.
Was würdest du gerne darüber erzählen?
Was war wichtig? Worüber hast du dir viel zu viele Gedanken gemacht? Was hättest du gerne ausprobiert? Und bei welcher Sache würdest du dir wünschen, dass du damals weniger lange gewartet hättest?
Diese Perspektive sagt dir nicht, welche Entscheidung richtig ist. Sie schafft Abstand. Und manchmal sieht eine Frage aus größerer Entfernung erstaunlich anders aus.
Eine vierte Frage für schwierige Entscheidungen
Wenn du zwischen zwei Möglichkeiten festhängst, schreib beide auf. Dann stell dir nicht die Frage, welche Variante vernünftiger ist.
Frage stattdessen:
Welche Entscheidung würde ich wahrscheinlich stärker bedauern, wenn ich sie nie ausprobiert hätte?
Auch diese Frage entscheidet nichts für dich. Sie bringt aber einen Aspekt ins Spiel, der bei Pro-und-Contra-Listen häufig fehlt: die Kosten des Nichtstuns.
Du musst dein Leben nicht auf den Kopf stellen
Wer feststellt, dass etwas nicht mehr richtig passt, landet schnell bei der nächsten großen Frage: Was muss ich jetzt ändern?
Vielleicht zunächst gar nichts Großes.
Zwischen „alles bleibt wie es ist“ und „ich ändere mein Leben“ liegt sehr viel Platz.
Du kannst etwas ausprobieren.
Wähle eine Sache, die du eigentlich anders haben möchtest.
Dann frage dich: Was wäre die kleinstmögliche Veränderung, die ich sieben Tage lang ausprobieren könnte?
Vielleicht sagst du einmal Nein, obwohl du normalerweise zugesagt hättest. Vielleicht reservierst du zwei Stunden für etwas, das nur dir wichtig ist. Vielleicht führst du ein Gespräch, das du seit Wochen aufschiebst.
Oder du recherchierst eine berufliche Alternative, ohne dich gleich zu bewerben.
Der entscheidende Punkt ist: Du musst noch nichts entscheiden.
Du sammelst eine Erfahrung.
Nach sieben Tagen kannst du eine bessere Frage stellen: Möchte ich davon mehr?
Was dabei leicht übersehen wird
Ein eigenes Leben zu führen bedeutet nicht, immer das zu tun, worauf man gerade Lust hat.
Wir haben Verpflichtungen. Wir übernehmen Verantwortung. Wir gehen Kompromisse ein. Wir tun Dinge für Menschen, die uns wichtig sind.
Der Unterschied liegt darin, ob diese Entscheidungen bewusst getroffen werden oder ob sie irgendwann selbstverständlich geworden sind.
Vielleicht entscheidest du dich nach gründlichem Nachdenken für genau dasselbe wie vorher. Dann hat die Beschäftigung mit der Frage trotzdem etwas gebracht.
Aus einem „Ich muss“ kann ein „Ich entscheide mich dafür“ werden.
Wann Coaching bei dieser Frage sinnvoll sein kann
Manche Fragen lassen sich allein gut sortieren. Bei anderen landet man immer wieder an derselben Stelle.
Du kennst sämtliche Argumente. Du hast mit Freunden darüber gesprochen. Du hast Listen geschrieben. Vielleicht hast du sogar schon eine Entscheidung getroffen und sie anschließend wieder verworfen.
Dann fehlt häufig nicht noch ein weiteres Argument.
Ein Coaching kann helfen, die Frage anders zu betrachten. Welche Werte sind dir wichtig? Welche Erwartungen beeinflussen deine Entscheidung? Was hält dich tatsächlich zurück? Welche Möglichkeiten hast du bisher ausgeschlossen? Und was wäre ein kleiner Schritt, mit dem du etwas ausprobieren könntest, ohne gleich alles festzulegen?
Ein Coach sollte dir dabei nicht sagen, wie du dein Leben zu führen hast. Die Entscheidung bleibt bei dir.
Häufige Fragen
Woher weiß ich, ob ich wirklich mein eigenes Leben lebe?
Dafür gibt es keinen objektiven Testwert. Schau stattdessen auf konkrete Lebensbereiche. Welche Entscheidungen entsprechen deinen eigenen Werten und Wünschen? Wo handelst du hauptsächlich aus Gewohnheit, Pflichtgefühl oder aufgrund der Erwartungen anderer? Interessant sind vor allem wiederkehrende Muster.
Sind Erwartungen anderer grundsätzlich schlecht?
Nein. Beziehungen, Familie, Arbeit und Verantwortung funktionieren nicht ohne Rücksicht auf andere. Entscheidend ist, ob du bewusst abwägst oder die Erwartungen anderer automatisch Vorrang bekommen.
Was kann ich tun, wenn ich gar nicht weiß, was ich will?
Versuche nicht sofort, eine Antwort für dein gesamtes Leben zu finden. Beginne kleiner. Wovon möchtest du in deinem Alltag mehr? Wovon weniger? Welche Situationen geben dir Energie und welche kosten dich dauerhaft Kraft? Solche konkreten Beobachtungen sind oft hilfreicher als die große Frage nach dem Lebensziel.
Muss ich etwas verändern, wenn ich mit meinen Antworten unzufrieden bin?
Nein. Eine Erkenntnis verpflichtet dich zu nichts. Oft ist ein kleines Experiment sinnvoller als eine große Entscheidung. Probiere eine überschaubare Veränderung aus und beobachte, was tatsächlich passiert.
Was bringt die Frage nach meinem älteren Ich?
Sie schafft Abstand zur aktuellen Situation. Dinge, die heute sehr wichtig erscheinen, können aus einer langfristigen Perspektive anders wirken. Die Übung liefert keine richtige Antwort, kann aber helfen, persönliche Prioritäten klarer zu erkennen.
Kann Coaching bei solchen Lebensfragen helfen?
Coaching kann sinnvoll sein, wenn du deine eigenen Ziele, Werte und Handlungsmöglichkeiten klarer erkennen möchtest oder dich bei einer Entscheidung im Kreis drehst. Ein Coach sollte dir die Entscheidung nicht abnehmen, sondern dir helfen, deine eigene Antwort zu entwickeln.
Ist der Selbstcheck ein psychologischer Test?
Nein. Der Selbstcheck ist eine Coachingübung zur Selbstreflexion. Er stellt keine Diagnose und misst keine psychische Erkrankung oder psychologische Eigenschaft.
Quellen und weiterführende Informationen
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International Coaching Federation: ICF Core Competencies
https://coachingfederation.org/credentials-and-standards/core-competencies/ -
International Coaching Federation: DIVE IN Goals – Zielklärung unter Einbeziehung persönlicher Werte
https://coachingfederation.org/blog/dive-in-goals-a-powerful-alternative-to-smart-goal-setting/
