“Und da es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.”
– Die Sterntaler (Brüder Grimm)
Wir betreten neue Lebensphasen oft wie Packesel. Wir schleppen unsere alten Titel, unsere gekränkte Eitelkeit, unsere Möbel und unsere festgefahrenen Meinungen mit uns. Wir wollen die Transformation, aber bitte ohne auch nur ein Gramm unseres alten Status abzugeben. Wir wollen fliegen, aber mit Handgepäck.
Das Mädchen im Märchen tut das Unfassbare. Es bricht auf und gibt alles weg. Das Brot, die Mütze, das Leibchen, schließlich das letzte Hemd. Sie steht völlig schutzlos, nackt und leer in der kalten Nacht. Erst in diesem Zustand der absoluten Entleerung und Verletzlichkeit fallen die Sterne als reines Gold in ihren Schoß.
Aufbruch ist kein Hinzufügen. Aufbruch ist radikales Weglassen. Du kannst das Neue nicht greifen, wenn deine Fäuste noch krampfhaft den Plunder von gestern festhalten. Erst wenn du bereit bist, deine alten Rüstungen und Identitäten auf der Straße liegen zu lassen, bist du leer genug, um den Reichtum des nächsten Kapitels überhaupt aufnehmen zu können.
Welches alte Hemd, das dich schon lange nicht mehr wärmt, weigerst du dich beharrlich auszuziehen?
