„Und was kostet das?“

Eigent­lich eine völlig normale Frage.

Im Super­markt steht an jedem Produkt der Preis und wir haben die Wahl, ob wir diesen für genau das Produkt auch zahlen möch­ten — oder eben nicht.

Und trotz­dem gibt es erstaun­lich viele Selbst­stän­dige, die genau an dieser Stelle im Verkaufs­ge­spräch plötz­lich unsi­cher werden.

Die Stimme wird ein biss­chen leiser.

Der Preis wird möglichst schnell ausge­spro­chen.

Und manch­mal kommt die Recht­fer­ti­gung gleich unge­fragt hinter­her:

„Da ist aber auch wirk­lich viel enthal­ten.“

„Ich begleite Dich dafür auch sechs Wochen.“

„Du kannst mir zwischen­durch jeder­zeit schrei­ben.“

Oder beson­ders schön:

„Norma­ler­weise kostet das …“

Warum eigent­lich?

Dein Preis ist keine Zumu­tung

Wenn Du ein Ange­bot machst, gehört der Preis dazu.

Punkt.

Du verlangst schließ­lich kein Geld dafür, dass jemand Dich nett findet. Du bietest eine Leis­tung an und hast dafür einen Preis kalku­liert.

Ob Dein Gegen­über bereit ist, diesen Preis zu bezah­len, ist eine andere Frage.

Und genau diese beiden Dinge werden im Verkauf häufig mitein­an­der vermischt.

Du bist für Deinen Preis verant­wort­lich. Dein Kunde ist für seine Kauf­ent­schei­dung verant­wort­lich.

Das nimmt schon eine ganze Menge Druck aus dem Gespräch.

Warum fällt es trotz­dem so schwer, den Preis zu nennen?

Weil wir beim Preis plötz­lich sehr persön­lich werden.

Solange wir über das Problem des Kunden spre­chen, über seine Ziele oder darüber, wie eine Zusam­men­ar­beit ausse­hen könnte, fühlen wir uns häufig sicher.

Aber dann nennen wir eine Zahl.

Und auf einmal warten wir auf eine Reak­tion.

Ist es zu teuer?

Verzieht mein Gegen­über das Gesicht?

Sagt er Nein?

Denkt er jetzt, ich sei unver­schämt?

Das Problem ist dann häufig gar nicht der Preis.

Das Problem ist, was wir in die mögli­che Reak­tion unse­res Gegen­übers hinein­in­ter­pre­tie­ren.

Ein „Das ist aber viel Geld“ bedeu­tet zunächst einmal nur:

Das ist für diesen Menschen viel Geld.

Nicht mehr und nicht weni­ger.

Es bedeu­tet nicht auto­ma­tisch, dass Dein Ange­bot zu teuer ist.

Und schon gar nicht, dass Du Deinen Preis sofort vertei­di­gen musst.

Ein Preis braucht keine Entschul­di­gung

Wenn Dein Ange­bot 2.000 Euro kostet, dann kostet es 2.000 Euro.

Nicht:

„Es wären dann 2.000 Euro, aber da ist natür­lich wirk­lich sehr viel dabei und wir können auch über die Zahlungs­weise spre­chen und …“

Sondern:

„Die Zusam­men­ar­beit kostet 2.000 Euro netto.“

Und dann darfst Du etwas tun, was vielen im Verkauf erstaun­lich schwer­fällt:

Nichts.

Lass die Zahl stehen.

Dein Gegen­über darf darüber nach­den­ken. Er darf nach­fra­gen. Er darf schlu­cken. Und er darf auch entschei­den, dass ihm das zu viel Geld ist.

Du musst die Stille nicht retten.

Und wenn Du genau das noch schwie­rig findest, habe ich einen ganz einfa­chen Tipp, den ich auch in meinen Kursen immer wieder gebe:

Beschäf­tige Deinen Kopf mit etwas ande­rem.

Zähl im Kopf. Eins, zwei, drei, vier …

Oder sag Dir inner­lich einen Reim auf.

Klingt banal? Ist es auch. Aber es hilft.

Denn während Dein Kopf mit Zählen oder Reimen beschäf­tigt ist, kommt er nicht so schnell auf die Idee, die Stille mit Dingen zu füllen, die Du eigent­lich gar nicht sagen woll­test:

„Ich könnte Dir natür­lich noch entge­gen­kom­men …“

„Wir könn­ten viel­leicht auch …“

„Also, wenn Dir das jetzt zu viel ist …“

Nein.

Preis nennen. Mund halten. Zählen.

Dein Gegen­über braucht viel­leicht einfach ein paar Sekun­den, um über 2.000 Euro nach­zu­den­ken.

Gib ihm diese Sekun­den.

Der Preis sollte aller­dings auch zu Deinem Ange­bot passen

„Nenn Deinen Preis selbst­be­wusst“ ist ein netter Rat.

Er hilft nur wenig, wenn Du selbst nicht weißt, wie dieser Preis zustande gekom­men ist.

Ein Preis sollte nicht deshalb 1.500 Euro betra­gen, weil drei Mitbe­wer­ber unge­fähr dasselbe verlan­gen.

Und auch nicht, weil Dir 2.500 Euro irgend­wie zu viel vorkom­men.

Zu einer vernünf­ti­gen Preis­ge­stal­tung gehö­ren unter ande­rem Deine Kosten, Dein Zeit­auf­wand, Deine unter­neh­me­ri­sche Kalku­la­tion, Deine Posi­tio­nie­rung und natür­lich die Leis­tung, die Du anbie­test.

Wenn Du Deinen Preis sauber kalku­liert hast, musst Du ihn nicht jedes Mal neu verhan­deln – schon gar nicht mit Dir selbst.

Und wenn der Kunde sagt: „Das ist mir zu teuer“?

Dann beginnt nicht auto­ma­tisch die Rabatt­ver­hand­lung.

Frag nach.

„Zu teuer“ kann vieles bedeu­ten:

Der Kunde hat das Budget tatsäch­lich nicht.

Er sieht den Nutzen noch nicht.

Er hat mit einem völlig ande­ren Preis gerech­net.

Er möchte verglei­chen.

Oder Dein Ange­bot passt schlicht nicht zu ihm.

All das darfst Du heraus­fin­den.

Was Du nicht tun musst, ist reflex­ar­tig Deinen Preis zu senken.

Denn wenn Du bei jedem Einwand sofort 10 Prozent Rabatt anbie­test, vermit­telst Du vor allem eines:

Der ursprüng­li­che Preis war offen­bar gar nicht so ernst gemeint.

Verkau­fen heißt nicht, jeden zum Kunden zu machen

Das ist viel­leicht der wich­tigste Punkt.

Ein gutes Verkaufs­ge­spräch muss nicht mit einem Auftrag enden.

Manch­mal lautet das Ergeb­nis auch:

„Das passt für mich im Moment nicht.“

Das ist kein geschei­ter­tes Verkaufs­ge­spräch.

Es ist eine Entschei­dung.

Deine Aufgabe im Vertrieb ist nicht, dafür zu sorgen, dass jeder Deinen Preis gut findet.

Deine Aufgabe ist, heraus­zu­fin­den, ob Problem, Ange­bot, Zusam­men­ar­beit und Preis für beide Seiten passen.

Und wenn Du das verstan­den hast, wird es sehr viel leich­ter, einen Preis auszu­spre­chen, ohne Dich dafür zu entschul­di­gen.

Denn ein Preis ist weder unver­schämt noch pein­lich.

Er ist schlicht ein Teil Deines Ange­bots.

Und den darfst Du genauso selbst­ver­ständ­lich nennen wie alles andere auch.

Fällt Dir das Preis­nen­nen trotz­dem schwer?

Dann lohnt es sich, nicht nur am Satz zu arbei­ten, mit dem Du Deinen Preis nennst, sondern am gesam­ten Verkaufs­ge­spräch davor.

Denn wenn Du weißt, was Dein Kunde wirk­lich braucht, Dein Ange­bot klar präsen­tie­ren kannst und Deinen Preis nicht recht­fer­ti­gen musst, fühlt sich Verkau­fen plötz­lich ganz anders an.

Genau darum geht es auch in meinem Webi­nar „Verkau­fen tut nicht weh“ und in meinen Work­shops und Mento­rings: nicht um Verkaufstricks, sondern darum, Vertrieb so zu gestal­ten, dass er zu Dir und Deinem Ange­bot passt.

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Verkaufen tut nicht weh

Meet the Coach

Tanja Lords
Tanja Lords
Syste­mi­sche Busi­ness Coachin, Mento­rin und Vertriebs­exper­tin mit lang­jäh­ri­ger Erfah­rung im B2B-Vertrieb. Sie beglei­tet Selbst­stän­dige, Vertriebs­pro­fis und Führungs­kräfte dabei, Verkau­fen leich­ter zu machen — ohne Druck, Verkaufstricks oder auswen­dig gelernte Verkaufs­sätze. Im Mittel­punkt stehen Klar­heit, Haltung und ein Vertrieb, der zur eige­nen Persön­lich­keit und zum Unter­neh­men passt. Dabei verbin­det sie fundierte Vertriebs­er­fah­rung mit ihrem syste­mi­schen Blick auf Menschen, Struk­tu­ren und Zusam­men­hänge.