Das kuriose Paradoxon des Lebens ist, dass ich mich erst verändern kann, wenn ich mich so akzeptiere wie ich bin.
Carl Rogers
Wir verwechseln persönliches Wachstum fast immer mit Selbstoptimierung. Wenn wir eine Eigenschaft an uns nicht mögen, zücken wir sofort das Skalpell. Wir verachten unsere eigene Aufschieberitis. Wir hassen unsere Wutausbrüche. Wir schämen uns für unsere Unsicherheit in großen Runden. Unser Instinkt lautet immer Kampf. Wir wollen diesen fehlerhaften Teil in uns vernichten und durch eine bessere Version ersetzen.
Carl Rogers hat in jahrzehntelanger Arbeit mit Menschen herausgefunden, dass dieser innere Krieg niemals funktioniert. Solange du einen Teil deiner eigenen Persönlichkeit ablehnst, gibst du diesem Teil Macht. Du bindest deine gesamte mentale Kraft in einem sinnlosen Abwehrkampf gegen dich selbst. Du bist wie ein Autofahrer, der gleichzeitig Vollgas gibt und die Handbremse mit aller Gewalt nach oben zieht. Der Motor jault, aber du kommst nur schlecht voran.
Rogers formuliert hier das Grundgesetz jeder menschlichen Entwicklung. Akzeptanz ist keine feige Resignation. Akzeptanz bedeutet einfach nur, die nackte Realität anzuerkennen, ohne sie sofort wütend zu bewerten. Ja, ich bin aktuell unstrukturiert. Ja, ich habe heute versagt. Ja, ich bin unsicher. Erst wenn du die Handbremse der Selbstverurteilung löst, wird die blockierte Energie wieder frei. Du kannst dein Haus nicht umbauen, solange du das Fundament hasst, auf dem es steht.
In dieser Woche werfen wir die Peitsche der Selbstoptimierung weg. Wir lernen unsere Masken fallen zu lassen. Wir hören wieder auf unseren Körper und erkennen, dass das Leben keine Ziellinie hat.
Welche deiner eigenen Schwächen bekämpfst du seit Jahren mit brutaler Härte, ohne dabei auch nur einen einzigen Zentimeter voranzukommen?