“Die meisten Menschen schlafen, ohne es zu wissen. Sie werden schlafend geboren, sie leben schlafend, sie heiraten im Schlaf, sie erziehen ihre Kinder im Schlaf, sie sterben im Schlaf, ohne jemals aufzuwachen.”
– Anthony de Mello
Das klingt nach einer maßlosen Übertreibung. Du bist doch wach. Du fährst Auto, liest E‑Mails, bezahlst Rechnungen. Du funktionierst einwandfrei. Aber genau das meint de Mello mit dem Schlaf. Die perfekte, reibungslose Funktion innerhalb eines Systems, das du nie hinterfragst.
Wir reagieren nur noch auf Reize. Der Wecker klingelt, wir stehen auf. Der Chef schickt eine Mail, wir tippen die Antwort. Wir spulen Programme ab, die wir uns vor Jahren installiert haben. Echter Aufbruch erfordert das Gegenteil von Funktionieren. Er erfordert ein brutales, grelles Erwachen. Den Moment, in dem du mitten im Supermarkt oder am Schreibtisch stehst und plötzlich spürst: Ich spiele hier eine Rolle in einem Film, für den ich mich nie beworben habe.
Wach zu werden bedeutet, den Autopiloten bewusst abzuschalten. Es ist schmerzhaft, denn wer aufwacht, spürt plötzlich die Kälte, den falschen Kompromiss und die Leere der reinen Routine. Aber wer diesen Schmerz betäubt, um weiterzuschlafen, verpasst sein eigenes Leben.
Welchen Teil deines Lebens hast du so perfekt automatisiert, dass du gar nicht mehr anwesend bist, während er abläuft?
