“Ich bitte darum, ein bisschen freundlicher zu sein, ein wenig blinder für die Fehler der anderen.”
– Edgar A. Guest
Heute ist Welttag des Schneemanns. Stell dir vor, du baust einen. Er wird krumm sein. Die Augen sitzen nicht symmetrisch, der Bauch ist beulig, die Karottennase zeigt nach links. Käme dir in den Sinn, ihn deswegen zu kritisieren? Ihm vorzuwerfen, dass er nicht den Maßen einer perfekten Statue entspricht? Wahrscheinlich nicht. Du magst ihn gerade wegen dieser sympathischen Unbeholfenheit.
Bei den Menschen um uns herum legen wir diesen gnädigen Filter oft ab. Wir werden zu Buchhaltern der Unzulänglichkeit. Wir führen Listen über das falsche Wort im falschen Moment, über die vergessene Milch oder die Angewohnheit, die uns nervt. Wir zoomen so nah an den Fehler heran, bis er das ganze Bild verdeckt.
Guest fordert keine Naivität. Er fordert eine bewusste Unschärfe. Es ist die Entscheidung, die Lupe wegzulegen und den anderen wieder als Ganzes zu sehen – so wie den Schneemann im Garten. Ein bisschen schief, ein bisschen unperfekt, aber genau deshalb liebenswert.
Auf wessen Fehler starrst du gerade so intensiv, dass du den Menschen dahinter kaum noch erkennen kannst?
