“Nichts auf der Welt ist so weich und nachgiebig wie das Wasser. Und doch gibt es nichts, das wie Wasser Starres und Hartes bezwingt.”
– Laozi
Wir haben gelernt, uns eine dicke Haut zuzulegen. Teflon-Beschichtung für die Seele. Wir glauben, unverwundbar zu sein, sei das ultimative Ziel. Wer hart ist, überlebt. Wer nichts an sich heranlässt, kann nicht verletzt werden. Wir tragen unseren Zynismus und unsere Abgeklärtheit wie eine Ritterrüstung durch den Alltag.
Aber hast du schon einmal versucht, in einer vollen Plattenrüstung jemanden zu umarmen? Oder schnell zu rennen? Der Panzer schützt dich vielleicht vor dem Dolchstoß, aber er verhindert auch jede echte Berührung. Er macht dich langsam, starr und einsam. Härte ist keine Stärke, sie ist nur ein Zeichen von Angst. Wer starr ist wie ein trockener Ast, bricht beim ersten Sturm. Wer weich bleibt wie das Gras, richtet sich danach wieder auf.
Wasser braucht keinen Panzer. Es fließt um das Hindernis herum. Es passt sich an, ohne seinen Kern zu verlieren. Wenn du den Panzer ablegst, wirst du verletzlicher, ja. Aber du wirst auch wieder berührbar, beweglich und lebendig. Die wahre Superkraft ist nicht, den Schlag abzuwehren, sondern offen zu bleiben, obwohl man weiß, dass es wehtun könnte.
Wovor beschützt dich dein Panzer eigentlich noch, außer vor dem Leben selbst?