“Entschließe dich, du selbst zu sein, und wisse, dass, wer sich selbst findet, den Kummer verliert.”
– Matthew Arnold
Heute ist der “International Museum Selfie Day”. Ein Tag, an dem Menschen in Museen strömen, nicht um die Kunst zu betrachten, sondern um sich selbst davor zu inszenieren. Wir drehen dem Meisterwerk den Rücken zu, setzen das perfekte Lächeln auf und frieren für eine Sekunde ein. Es ist die perfekte Metapher für unseren Alltag. Wir behandeln unser Leben wie eine Ausstellung. Wir kuratieren, beleuchten und retuschieren, damit das Publikum applaudiert.
Arnold nennt diese Inszenierung die Quelle des Kummers. Und er hat recht. Es ist eine knochenharte Arbeit, ständig eine Version von sich selbst aufrechtzuerhalten, die man eigentlich gar nicht ist. Der Kummer entsteht nicht durch das, was dir passiert, sondern durch die klaffende Lücke zwischen deiner Rolle und deiner Realität. Die Angst, dass der Vorhang fallen könnte, frisst dich auf.
Sich “selbst zu finden” ist hier kein esoterischer Wohlfühl-Trip. Es ist der radikale Entschluss, die Show abzubrechen. Es bedeutet, das Selfie-Gesicht fallen zu lassen, auch wenn gerade niemand zuschaut. Wer aufhört zu schauspielern, verliert vielleicht den Applaus der falschen Leute, aber er gewinnt die Freiheit zurück, einfach nur atmen zu können.
Welche Rolle spielst du inzwischen so perfekt, dass du selbst vergessen hast, wer eigentlich unter dem Kostüm steckt?