“Demütig sein heißt, dass man sich selbst richtig einschätzen kann.”
– Charles Haddon Spurgeon
Niemand will als arrogant gelten. Also üben wir uns in Bescheidenheit, spielen unsere Stärken herunter und weichen Komplimenten aus. Wir verwechseln Demut mit dem Zwang, uns klein zu machen. Doch das ist nur die eine Seite einer unehrlichen Medaille. Die andere Seite ist die, auf der wir unsere Schwächen nicht ansehen wollen, die Fassade aufrechterhalten und so tun, als hätten wir alles im Griff.
Spurgeons Gedanke ist radikal, weil er mit beidem aufräumt. Er fordert keine falsche Bescheidenheit, sondern schonungslose Ehrlichkeit. Dich selbst richtig einzuschätzen bedeutet, deine Talente und Erfolge klar zu benennen, ohne dich dafür zu rühmen. Es bedeutet aber auch, deine Grenzen, deine Fehler und deine unfertigen Seiten anzuerkennen, ohne dich dafür zu verurteilen.
Was würde sich ändern, wenn du aufhörst, dich entweder kleiner oder größer zu machen, als du bist? Wenn du einfach nur ansiehst, was ist? Deine Kraft und deine Zweifel. Deine Großzügigkeit und deinen Neid. Alles gehört zu dir. Ein klarer Blick, ohne Beschönigung und ohne Selbstzerfleischung.
Wo kneifst du noch die Augen zusammen, um nicht alles sehen zu müssen?
