„Wer bist du, Gott? Und wer bin ich?”
— Franz von Assisi, um 1200
Ein junger Mann aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, mitten in einer Lebenskrise. Früher feierte er, träumte von Ritterruhm – dann brach alles weg. Franz von Assisi kauerte in einer verlassenen Kapelle und stellte die radikalste Frage, die ein Mensch stellen kann: Wer bist du überhaupt, und wer bin ich eigentlich?
Was wie ein mittelalterliches Gebet klingt, ist in Wahrheit ein Coaching-Prozess in Reinform. Drei Fragen, die – wenn man ihnen wirklich nachgeht – das Fundament für ein sinnerfülltes Leben legen. Und die heute, 800 Jahre später, in modernen Coaching-Gesprächen mit erstaunlicher Treffsicherheit wirken.
Die drei Fragen
Erste Frage: „Wer bist du, Gott?“
Heute würden wir fragen: Woran glaubst du? Was trägt dich, wenn alles wackelt? Was ist größer als du selbst?
Zweite Frage: „Wer bin ich?“
Die wohl ehrlichste Selbstbefragung. Nicht: Was tue ich? Nicht: Was haben andere aus mir gemacht? Sondern: Wer bin ich in meinem Kern?
Dritte Frage: „Was soll ich tun?“
Erst wenn die ersten beiden Fragen angetastet wurden, bekommt diese Frage ihre volle Kraft. Sie ist kein To-do – sie ist eine Berufung.
Warum diese Reihenfolge alles verändert
Die meisten Menschen stellen die Fragen in umgekehrter Reihenfolge. Sie beginnen mit: Was soll ich tun? Neuer Job? Trennung? Mehr Sport? Und wundern sich, warum die Antworten sich leer anfühlen.
Franz von Assisi machte das Gegenteil. Er begann mit dem Größten – und hangelte sich von dort zur Mitte seiner eigenen Existenz. Erst dann ergab sich das Tun wie von selbst.
Im Coaching heißt das: Werte vor Ziele. Identität vor Strategie. Sein vor Handeln.
„Du kannst nicht wissen, wohin du gehen willst, wenn du nicht weißt, wer du bist.”
Frage 1: „Wer bist du?” – Die Suche nach dem Tragenden
Franz fragte nach Gott. Du musst das nicht religiös verstehen. Es geht um die Frage: Was gibt dir Halt, wenn alles andere wegfällt?
Für manche Menschen ist das der Glaube. Für andere sind es Werte wie Gerechtigkeit, Verbundenheit oder Schönheit. Für wieder andere ist es die Natur, die Stille, die Kunst – irgendetwas, das größer ist als das eigene Ich und trotzdem in einem lebt.
Diese Frage zu stellen, ist keine philosophische Spielerei. Sie ist der Anker. Denn ohne diesen Anker dreht sich alles im Kreis: Ziele werden erreicht und fühlen sich leer an. Erfolge kommen und gehen. Irgendwann fragt man sich: Wofür eigentlich?
Coaching-Impulse zur ersten Frage:
- Was würdest du verteidigen, auch wenn es dir schadet?
- Wofür stehst du auf – unabhängig von Applaus oder Lohn?
- In welchen Momenten bist du größer als deine Angst?
- Was gibt dir Kraft, wenn alle Energie weg ist?
Frage 2: „Wer bin ich?” – Die ehrlichste Frage
Diese Frage klingt simpel. Sie ist es nicht. Denn die meisten Menschen beschreiben sich über das, was sie tun, haben oder leisten. Ich bin Unternehmerin. Ich bin Mutter. Ich bin erfolgreich. Das sind Rollen. Wichtige Rollen – aber keine Identität.
Franz von Assisi war Kaufmannssohn, Soldat, Partymacher. Alles davon stimmte – und nichts davon war er. Erst als diese Schalen wegfielen, begann er sich selbst zu begegnen.
Im Coaching nennt man das oft den Moment der Schwelle: wenn jemand nicht mehr weiß, wer er ist – und genau darin die Chance liegt, es herauszufinden.
Coaching-Impulse zur zweiten Frage:
- Wenn niemand zusieht – was tust du dann? Was lässt du weg?
- Welche Eigenschaften zeigen sich immer, egal in welchem Kontext?
- Was wäre, wenn du alles verlierst – was bleibt dann von dir?
- Wann hast du dich zuletzt wirklich wie du selbst gefühlt?
Frage 3: „Was soll ich tun?” – Berufung statt Beschäftigung
Erst jetzt, nach den ersten beiden Fragen, bekommt diese Frage ihre eigentliche Tiefe. Sie ist nicht mehr: Was bringt mir Geld? Oder: Was erwartet man von mir? Sie ist: Was entspricht meiner Natur und meinen Werten – und bringt gleichzeitig der Welt etwas?
Franz von Assisi antwortete darauf: Ich baue Kirchen. Ich begleite Ausgestoßene. Ich lebe Armut als Freiheit. Das war sein Weg – und er war radikal persönlich.
Dein Weg sieht anders aus. Aber die Struktur ist dieselbe: Wenn du weißt, woran du dich orientierst, und du weißt, wer du bist, dann wird das „Was soll ich tun?” oft zur logischen Konsequenz. Keine Erleuchtung, kein Masterplan – eher ein Aufwachen.
Coaching-Impulse zur dritten Frage:
- Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde – und du es trotzdem ernst meinen würdest?
- Wo überschneiden sich deine Stärken, deine Werte und ein echtes Bedürfnis in der Welt?
- Welche Schritte kannst du heute gehen – nicht irgendwann?
- Was wäre der mutigste nächste Schritt, wenn du dir selbst vertrauen würdest?
Der Dreiklang als Coaching-Prozess
Was Franz von Assisi intuitiv tat, entspricht in vielem dem, was gute Coaches heute strukturiert begleiten: Von der Orientierungsfrage (Werte, Sinn, innerer Kompass) über die Identitätsfrage (Stärken, Muster, Kern-Selbst) hin zur Aktionsfrage (konkrete Schritte, Entscheidungen, Lebensgestaltung).
Das ist kein esoterischer Prozess. Es ist tiefe, ehrliche Selbsterkundung – und manchmal braucht es dafür eine Begleitung. Jemanden, der die richtigen Fragen stellt. Aushalten kann. Nicht mit eigenen Antworten vorprescht.
Genau das ist die Aufgabe eines guten Coaches.
„Sinn entsteht nicht durch Suchen. Er entsteht durch ehrliches Fragen.”
Bereit für deine drei Fragen? Bei uns findest du erfahrene Coaches, die dich bei Sinnfindung, Neuorientierung und Lebensgestaltung begleiten – individuell und auf Augenhöhe.



