“Wenn ich erwachsen werde, will ich ein Kind sein.”
– Unbekannt
Wir halten das Erwachsenwerden für einen Aufstieg. Wir werden vernünftiger, ernster und angeblich stärker. Wir legen uns einen Panzer aus Erfahrung, Vorsicht und Zynismus zu, weil wir glauben, dass Härte uns vor Verletzungen schützt. Wir nennen das Reife. Aber in Wahrheit ist es oft nur eine schleichende Versteifung.
Schau dir ein Kind an, das Laufen lernt. Es fällt. Es weint kurz. Und dann steht es wieder auf. Es analysiert nicht das Scheitern, es schreibt keinen Bericht darüber und es zweifelt nicht an seiner grundsätzlichen Kompetenz. Es hat eine natürliche Elastizität. Es ist weich genug, um den Aufprall abzufedern, und wild genug, um es sofort wieder zu versuchen.
Das Zitat ist kein Wunsch nach Naivität. Es ist die Sehnsucht nach dieser verlorenen Flexibilität. Wahre Resilienz ist nicht der Granitblock, an dem alles abprallt. Sie ist der Weidenzweig, der sich im Sturm biegt und zurückschnellt, während die stolze, starre Eiche bricht. Wir waren alle mal Meister im Wiederaufstehen, bis wir gelernt haben, dass Liegenbleiben und Grübeln “erwachsener” aussieht.
Irgendwann auf dem Weg ins Erwachsensein haben wir verlernt, was wir als Kinder intuitiv wussten: dass Scheitern vorübergehend ist, dass Gefühle kommen und gehen dürfen, dass Neugier wichtiger ist als Perfektion. Wir haben gelernt, uns zu schämen statt zu staunen, zu kontrollieren statt zu vertrauen, zu analysieren statt zu handeln.
Die gute Nachricht? Diese kindliche Resilienz ist nicht verloren – sie liegt nur unter Schichten von Konditionierung begraben. Wir können sie wieder freilegen. Nicht, indem wir verantwortungslos oder naiv werden, sondern indem wir die Weichheit zurückerobern, die uns stark macht. Indem wir den Panzer ablegen, der uns mehr erdrückt als schützt.
In den kommenden Tagen erkunden wir, wie wir uns diese ursprüngliche Widerstandskraft zurückholen können – nicht als Rückschritt, sondern als der vielleicht mutigste Schritt nach vorn, den wir als Erwachsene gehen können.
Welchen Teil deiner natürlichen Unbeschwertheit hast du gegen eine Rüstung eingetauscht, die dich jetzt eher erdrückt als beschützt?
