Manche Dinge kannst du nicht nur gut. Sie fühlen sich auch beson­ders nach dir an. Du setzt sie gerne ein, sie geben dir Ener­gie und andere Menschen erken­nen sie häufig eben­falls als typisch für dich.

In der Posi­ti­ven Psycho­lo­gie gibt es dafür einen Begriff: Signa­tur­stär­ken. Sie gehö­ren zu den Charak­ter­stär­ken, mit denen du dich beson­ders stark iden­ti­fi­zierst.

Wer seine Signa­tur­stär­ken kennt, bekommt damit keine neue Schub­lade. Viel inter­es­san­ter ist die Frage: Wo nutze ich meine stärks­ten Seiten bereits – und wo noch viel zu wenig?

Was sind Signa­tur­stär­ken?

Das Konzept der Signa­tur­stär­ken geht auf die Arbei­ten von Chris­to­pher Peter­son und Martin Selig­man zurück. Im Rahmen der Posi­ti­ven Psycho­lo­gie beschrie­ben sie 24 Charak­ter­stär­ken, die unter­schied­li­chen mensch­li­chen Tugen­den zuge­ord­net werden.

Signa­tur­stär­ken sind dieje­ni­gen dieser Charak­ter­stär­ken, die für einen Menschen beson­ders kenn­zeich­nend sind. Typi­scher­weise werden mehrere Stär­ken als beson­ders charak­te­ris­tisch ange­se­hen.

Entschei­dend ist dabei nicht nur, ob du etwas gut kannst. Eine Signa­tur­stärke fühlt sich häufig auch persön­lich stim­mig an. Ihr Einsatz kann mit Freude, Ener­gie und dem Gefühl verbun­den sein: „Das bin wirk­lich ich.“

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Die 24 Charak­ter­stär­ken der Posi­ti­ven Psycho­lo­gie

Das zugrunde liegende Modell betrach­tet 24 unter­schied­li­che Charak­ter­stär­ken:

  • Krea­ti­vi­tät
  • Neugier
  • Urteils­ver­mö­gen
  • Liebe zum Lernen
  • Weit­sicht bezie­hungs­weise Perspek­tive
  • Mut
  • Ausdauer
  • Ehrlich­keit und Authen­ti­zi­tät
  • Taten­drang
  • Liebe und Verbun­den­heit
  • Freund­lich­keit
  • Soziale Intel­li­genz
  • Team­fä­hig­keit
  • Fair­ness
  • Führungs­ver­mö­gen
  • Verge­bungs­be­reit­schaft
  • Beschei­den­heit
  • Umsicht
  • Selbst­re­gu­la­tion
  • Sinn für Schön­heit und Exzel­lenz
  • Dank­bar­keit
  • Hoff­nung
  • Humor
  • Spiri­tua­li­tät und Sinn

Die Liste macht bereits deut­lich: Charak­ter­stär­ken sind nicht dasselbe wie beruf­li­che Fähig­kei­ten. Excel­kennt­nisse, Program­mie­ren oder Präsen­tie­ren wären beispiels­weise Kompe­ten­zen. Neugier, Ausdauer oder Fair­ness beschrei­ben dage­gen eher, wie wir denken, fühlen und handeln.

Woran erkennst du eine Signa­tur­stärke?

Ein hoher Wert in einem Stär­ken­test ist ein wich­ti­ger Hinweis. Er allein beant­wor­tet die Frage aber noch nicht voll­stän­dig.

Bei einer mögli­chen Signa­tur­stärke lohnt es sich zusätz­lich zu prüfen, ob mehrere dieser Aussa­gen zu dir passen:

  • Die Stärke fühlt sich typisch für mich an.
  • Ich setze sie gerne ein.
  • Ihr Einsatz gibt mir eher Ener­gie, als dass er mich auslaugt.
  • Ich habe Lust, diese Stärke weiter­zu­ent­wi­ckeln.
  • Ich finde immer wieder neue Möglich­kei­ten, sie einzu­set­zen.
  • Andere Menschen verbin­den diese Eigen­schaft häufig mit mir.
  • Es würde mir etwas fehlen, wenn ich diese Stärke längere Zeit nicht nutzen könnte.

Genau dieser Punkt unter­schei­det eine Signa­tur­stärke von einer Fähig­keit, die du zwar beherrschst, aber nicht beson­ders gerne einsetzt.

Stärke ist nicht gleich Signa­tur­stärke

Stell dir jeman­den vor, der sehr gut orga­ni­sie­ren kann. Kolle­gen verlas­sen sich auf ihn, Projekte sind sauber geplant und Termine werden einge­hal­ten.

Trotz­dem kann Orga­ni­sa­tion für diese Person haupt­säch­lich erlernte Kompe­tenz sein. Viel­leicht kostet sie Kraft und würde frei­wil­lig kaum gewählt.

Eine andere Person verliert dage­gen beim Struk­tu­rie­ren komple­xer Aufga­ben beinahe das Zeit­ge­fühl. Sie erkennt Muster, schafft Ordnung und hat anschlie­ßend sogar mehr Ener­gie als vorher.

Äußer­lich können beide dieselbe Leis­tung zeigen. Inner­lich kann die Bedeu­tung völlig unter­schied­lich sein.

Warum lohnt es sich, die eige­nen Signa­tur­stär­ken zu kennen?

Die Idee hinter der Stär­ken­ar­beit ist nicht, Schwä­chen einfach auszu­blen­den. Es geht darum, besser zu verste­hen, welche vorhan­de­nen Ressour­cen wir gezielt einset­zen können.

Gerade im Arbeits­le­ben kann das einen Unter­schied machen. Unter­su­chun­gen zum Einsatz von Charak­ter- bezie­hungs­weise Signa­tur­stär­ken zeigen Zusam­men­hänge mit Arbeits­zu­frie­den­heit, Enga­ge­ment und dem Erle­ben von Arbeit als sinn­voll.

Beson­ders inter­es­sant ist deshalb nicht nur: „Welche Stär­ken habe ich?“

Sondern: „Kann ich meine wich­tigs­ten Stär­ken in meinem Alltag über­haupt einset­zen?“

Signa­tur­stär­ken im Beruf: glei­che Aufgabe, ande­rer Zugang

Nicht für jede Stärke braucht es einen neuen Beruf. Häufig lässt sich schon die Art verän­dern, wie eine Aufgabe ange­gan­gen wird.

Ein Mensch mit ausge­präg­ter Neugier kann beispiels­weise Routi­ne­tä­tig­kei­ten inter­es­san­ter machen, indem er nach Zusam­men­hän­gen, Verbes­se­run­gen oder neuen Infor­ma­tio­nen sucht.

Jemand mit hoher sozia­ler Intel­li­genz wird bei dersel­ben Tätig­keit mögli­cher­weise stär­ker auf Zusam­men­ar­beit, Kommu­ni­ka­tion und die Bedürf­nisse ande­rer achten.

Eine Person mit Krea­ti­vi­tät wird eher nach neuen Lösungs­we­gen suchen, während jemand mit hoher Ausdauer seine Stärke beson­ders dann ausspie­len kann, wenn es schwie­rig wird.

Die Aufgabe muss deshalb nicht zwangs­läu­fig wech­seln. Manch­mal verän­dert bereits der bewusste Einsatz einer Stärke, wie die Aufgabe erlebt wird.

Die bekannte Übung: Eine Signa­tur­stärke auf neue Weise einset­zen

Eine der bekann­tes­ten Inter­ven­tio­nen der Posi­ti­ven Psycho­lo­gie ist erstaun­lich einfach:

  1. Wähle eine deiner beson­ders charak­te­ris­ti­schen Stär­ken aus.
  2. Über­lege dir jeden Tag eine neue Möglich­keit, diese Stärke einzu­set­zen.
  3. Probiere sie bewusst aus.
  4. Beob­achte anschlie­ßend, wie sich die Situa­tion für dich verän­dert hat.

Genau diese Idee wurde auch wissen­schaft­lich unter­sucht. In einer viel zitier­ten Studie von Martin Selig­man und Kolle­gen gehörte das bewusste neue Einset­zen eige­ner Signa­tur­stär­ken zu den unter­such­ten Übun­gen, die länger anhal­tende posi­tive Effekte zeig­ten.

Wich­tig ist trotz­dem eine nüch­terne Einord­nung: Die Forschung sagt nicht, dass wir ausschließ­lich unsere fünf höchs­ten Stär­ken einset­zen soll­ten. Unter­su­chun­gen zeigen auch, dass die Arbeit mit weni­ger stark ausge­präg­ten Charak­ter­stär­ken posi­tive Effekte haben kann.

Finde deine persön­li­chen Stär­ken

Ein Frage­bo­gen kann dir dabei helfen, dein eige­nes Muster zunächst syste­ma­tisch sicht­bar zu machen.

Auf coachverzeichnis.com kannst du dafür unse­ren kosten­lo­sen Stär­ken­test nutzen. Er betrach­tet 24 persön­li­che Stär­ken und zeigt dir anschlie­ßend, welche fünf in deinen Antwor­ten beson­ders deut­lich hervor­tre­ten.

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Das Ergeb­nis ist ein Ausgangs­punkt für die Selbst­re­fle­xion. Deine fünf höchs­ten Werte müssen nicht auto­ma­tisch fünf unum­stöß­li­che „Signa­tur­stär­ken“ sein.

Schau dir dein Ergeb­nis deshalb anschlie­ßend genauer an: Welche Stärke fühlt sich tatsäch­lich nach dir an? Welche setzt du frei­wil­lig ein? Welche gibt dir Ener­gie? Und welche fehlt dir viel­leicht gerade in deinem Alltag?

Eine Stärke kann auch zu stark werden

Stär­ken­ar­beit bedeu­tet nicht, eine Stärke möglichst inten­siv einzu­set­zen.

Fast jede Stärke kann in einer bestimm­ten Situa­tion hilf­reich, zu wenig oder auch über­trie­ben einge­setzt werden.

Aus Ausdauer kann beispiels­weise unnö­ti­ges Fest­hal­ten werden. Aus Mut kann unbe­dach­tes Risiko entste­hen. Freund­lich­keit kann dazu führen, eigene Gren­zen zu vernach­läs­si­gen, und ausge­prägte Umsicht kann Entschei­dun­gen unnö­tig brem­sen.

Die inter­es­san­tere Frage lautet deshalb nicht: „Wie kann ich noch mehr von meiner Stärke zeigen?“

Sondern: „Wann hilft mir diese Stärke – und wann braucht die Situa­tion etwas ande­res?“

Eine kleine Übung für deine Signa­tur­stär­ken

Nimm deine drei bis fünf vermu­te­ten stärks­ten Charak­ter­stär­ken und beant­worte für jede drei Fragen:

  1. Wann habe ich diese Stärke in den vergan­ge­nen sieben Tagen einge­setzt?
  2. Wie habe ich mich unmit­tel­bar danach gefühlt?
  3. Wo könnte ich sie in der kommen­den Woche einmal anders einset­zen?

Beson­ders span­nend wird es, wenn du diese Übung nicht nur einmal machst. Beob­achte einige Wochen lang, welche Stär­ken immer wieder auftau­chen und wann ihr Einsatz dir beson­ders leicht­fällt.

Signa­tur­stär­ken sind kein Etikett

Die Beschäf­ti­gung mit Signa­tur­stär­ken soll dich nicht auf fünf Eigen­schaf­ten redu­zie­ren.

Menschen verän­dern sich. Situa­tio­nen verlan­gen unter­schied­li­che Seiten von uns. Und auch weni­ger ausge­prägte Stär­ken können entwi­ckelt und bewusst einge­setzt werden.

Ein Stär­ken­pro­fil ist deshalb am hilf­reichs­ten, wenn du es nicht als endgül­tige Beschrei­bung deiner Persön­lich­keit verstehst, sondern als Einla­dung zum genaue­ren Hinse­hen.

Viel­leicht liegt deine eigent­li­che „Super­kraft“ also gar nicht darin, eine bestimmte Stärke zu besit­zen.

Sondern darin, zu wissen, wann du welche deiner Stär­ken sinn­voll einset­zen kannst.

Häufige Fragen zu Signa­tur­stär­ken

Was sind Signa­tur­stär­ken?

Signa­tur­stär­ken sind Charak­ter­stär­ken, die für eine Person beson­ders typisch und bedeut­sam sind. Ihr Einsatz wird häufig als authen­tisch, moti­vie­rend und ener­ge­ti­sie­rend erlebt.

Wie viele Signa­tur­stär­ken hat ein Mensch?

Im Konzept von Peter­son und Selig­man wird häufig von etwa drei bis sieben beson­ders charak­te­ris­ti­schen Stär­ken ausge­gan­gen. Eine starre Zahl sollte jedoch nicht als diagnos­ti­sche Grenze verstan­den werden.

Wie finde ich meine Signa­tur­stär­ken heraus?

Ein Stär­ken­test kann erste Hinweise liefern. Zusätz­lich soll­test du beob­ach­ten, welche Stär­ken sich für dich beson­ders authen­tisch anfüh­len, welche du gerne einsetzt, welche dir Ener­gie geben und welche Menschen in deinem Umfeld regel­mä­ßig bei dir wahr­neh­men.

Sind die fünf höchs­ten Werte eines Stär­ken­tests auto­ma­tisch meine Signa­tur­stär­ken?

Nicht zwin­gend. Hohe Werte sind ein guter Ausgangs­punkt. Zum Konzept der Signa­tur­stärke gehört jedoch zusätz­lich die persön­li­che Iden­ti­fi­ka­tion mit der Stärke sowie das Erle­ben ihres Einsat­zes als stim­mig und moti­vie­rend.

Kann ich Signa­tur­stär­ken im Beruf einset­zen?

Ja. Oft muss dafür nicht einmal die Tätig­keit selbst verän­dert werden. Eine bestehende Aufgabe kann beispiels­weise stär­ker mit Krea­ti­vi­tät, Neugier, sozia­ler Intel­li­genz, Ausdauer oder einer ande­ren persön­li­chen Stärke verbun­den werden.

Quel­len und weiter­füh­rende Lite­ra­tur

  • Peter­son, C. & Selig­man, M. E. P. (2004): Charac­ter Strengths and Virtues: A Hand­book and Clas­si­fi­ca­tion. Oxford Univer­sity Press.
  • Selig­man, M. E. P., Steen, T. A., Park, N. & Peter­son, C. (2005): Posi­tive Psycho­logy Progress: Empi­ri­cal Vali­da­tion of Inter­ven­ti­ons. Ameri­can Psycho­lo­gist, 60, 410–421.
  • Harzer, C. & Ruch, W. (2012): When the job is a calling: The role of apply­ing one’s signa­ture strengths at work. The Jour­nal of Posi­tive Psycho­logy, 7(5), 362–371.
  • Proyer, R. T. et al. (2015): Strengths-based posi­tive psycho­logy inter­ven­ti­ons: A rando­mi­zed placebo-control­led online trial on long-term effects for a signa­ture strengths- vs. a lesser strengths-inter­ven­tion. Fron­tiers in Psycho­logy, 6, 456.

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Eberhard Kuhl
Eber­hard Kuhl
Eber­hard Kuhl ist der Grün­der von coachverzeichnis.com und Holi­day­Coa­ching. Er ist Unter­neh­mens­be­ra­ter und Coach mit Sitz in Daut­phe­tal, Hessen, und betreibt coachverzeichnis.com seit August 2025.