“Alles, was uns an anderen irritiert, kann uns zu einem Verständnis unserer selbst führen.“
C.G. Jung
Die ersten Sommerfeste im Büro stehen an. Bei solchen Gelegenheiten trifft man unweigerlich auf diesen einen Kollegen. Er drängt sich immer in den Mittelpunkt. Er nimmt sich unverschämt viel Raum am Buffet und lobt seine eigenen Projekte in den Himmel. Du verabscheust ihn. Du regst dich auf dem Heimweg noch über seine Arroganz auf und hältst dein Urteil für absolut objektiv.
Jung nimmt dir diese bequeme Illusion. Er sagt klar, dass du in einen Spiegel schaust. Dieser Kollege lebt exakt den Teil deines Schattens aus, den du dir selbst strengstens verbietest. Du hast dir zum Jahreswechsel vielleicht das Gebot der maximalen Teamfähigkeit auferlegt. Du sehnst dich tief im Inneren aber danach, auch einmal laut zu sein und den Applaus ganz allein einzustreichen. Weil du das bei dir selbst unterdrückst, bringt es dich bei anderen zur Weißglut.
Dein intensivster Ärger in der Halbjahresbilanz ist niemals Zufall. Er ist ein Kompass. Er zeigt punktgenau auf die Eigenschaften, die dir für deinen eigenen Erfolg noch fehlen. Wer aufhört zu verurteilen, kann anfangen zu integrieren.
Welche Eigenschaft verabscheust du bei anderen Menschen so sehr, dass sie dir eigentlich nur deinen eigenen heimlichen Wunsch spiegelt?
