Erst wenn die Sonne hoch am Himmel steht, verschwinden die Schatten.
Anonym
Wer morgens oder abends spazieren geht, wirft einen gigantisch langen Schatten. Jedes winzige Hindernis auf dem Boden erscheint riesig und bedrohlich. Steht die Sommersonne jedoch exakt im Zenit, um Punkt zwölf Uhr mittags, verschwinden die Schatten fast vollständig. Die Dinge werfen nur noch einen Umriss direkt unter sich. Man sieht die Welt genau in der Größe, die sie tatsächlich hat.
In unserem Alltag betrachten wir unsere eigenen Probleme fast immer im schrägen Licht der Dämmerung. Unsere Zukunftsängste, eine unbedachte Kritik des Chefs oder ein Streit mit dem Partner werfen kilometerlange, pechschwarze Schatten in unseren Gedanken. Wir bewerten diese Probleme völlig über und geraten in Panik.
Wir brauchen den Zenit der Betrachtung. Wir müssen unsere Probleme in das direkte gnadenlose Licht der Realität stellen. Frage dich immer knallhart nach den nackten Fakten, ohne jede emotionale Verzerrung. Wenn du das grelle Licht des puren Verstandes einschaltest, schrumpfen die gigantischen Monster sofort wieder auf die Größe einer lächerlich kleinen Feldmaus zusammen.
Welches winzige Alltagsproblem wirft in deinem Kopf gerade einen kilometerlangen Schatten, den du dringend ins direkte Licht rücken musst?

