Man kann einen Abgrund nicht in zwei kleinen Sprüngen überqueren.
David Lloyd George
Du stehst am Rand eines Bergsees. Das Wasser ist dunkelblau und absolut eisig. Der Sommer brennt auf deiner Haut. Du weißt ganz genau, dass die Abkühlung herrlich sein wird. Und trotzdem steckst du erst nur den großen Zeh hinein. Du zuckst zurück. Du gehst bis zu den Knien ins Wasser und leidest schrecklich. Du zögerst den Schmerz künstlich in die Länge.
Veränderungen und harte Entscheidungen funktionieren genau wie dieser Bergsee. Ein radikaler Jobwechsel. Das Beenden einer toxischen Freundschaft. Der Start in die Selbstständigkeit. Es gibt keinen Weg, diese Dinge angenehm oder in kleinen schmerzlosen Schritten zu erledigen. Wer versucht sich langsam an die Kälte zu gewöhnen, leidet stundenlang.
Die Schockstarre deines Systems ist bei einem Sprung absolut identisch, egal ob du lange nachdenkst oder sofort handelst. Der Unterschied liegt nur in der Dauer der Qual. Potenzialentfaltung erfordert den Mut zum sofortigen Kopfsprung. Du frierst extrem für exakt fünf Sekunden. Und danach schwimmst du frei.
In welches eiskalte Problem gehst du seit Wochen quälend langsam nur zentimeterweise hinein, anstatt endlich mit dem Kopf voran zu springen?

