Er über­zeugt im Vorstel­lungs­ge­spräch. Er weiß, wie man einen Raum beherrscht. Er kennt die rich­ti­gen Worte – und erst nach Mona­ten zeigt sich, was er wirk­lich kostet. Warum narziss­ti­sche Persön­lich­kei­ten in Bewer­bungs­pro­zes­sen syste­ma­tisch bevor­zugt werden, was die aktu­elle Forschung dazu sagt, und wie Perso­nal­ent­schei­der sich schüt­zen können.

Lese­zeit: ca. 9 Minu­ten · Ziel­gruppe: HR, Eigen­tü­mer, Geschäfts­füh­rer

Inhalt

  1. Das stille Problem in der Führungs­etage
  2. Warum narziss­ti­sche Persön­lich­kei­ten so oft aufstei­gen
  3. Was die aktu­elle Wissen­schaft sagt
  4. Warn­si­gnale im Auswahl­pro­zess erken­nen
  5. Was eine Fehl­be­set­zung wirk­lich kostet
  6. Die zwei Gesich­ter des Narziss­mus
  7. Struk­tu­rierte Gegen­maß­nah­men für Perso­nal­ent­schei­der
  8. Charisma ist kein Führungs­nach­weis
  9. FAQ

1. Das stille Problem in der Führungs­etage

Es gibt ein Muster, das sich durch Jahr­zehnte der Unter­neh­mens­ge­schichte zieht – von spek­ta­ku­lä­ren Bilanz­skan­da­len bis zu schlei­chen­dem Kultur­ver­fall in mittel­stän­di­schen Unter­neh­men: Wer an der Spitze stand, hatte oft genau die Eigen­schaf­ten mitge­bracht, die im Bewer­bungs­pro­zess als Stär­ken galten. Durch­set­zungs­stärke. Visi­ons­kraft. Über­zeu­gungs­fä­hig­keit. Charisma.

Diesel­ben Persön­lich­keits­merk­male, die in Auswahl­ge­sprä­chen glän­zen, können im Führungs­all­tag zur syste­ma­ti­schen Belas­tung werden. Narziss­mus in Führungs­po­si­tio­nen ist kein Rand­phä­no­men – er ist nach Einschät­zung erfah­re­ner Perso­nal­be­ra­ter der am häufigs­ten unter­schätzte Risi­ko­fak­tor bei Führungs­kräf­te­be­set­zun­gen.

Das Problem ist dabei weni­ger das Phäno­men selbst als die struk­tu­relle Blind­heit dafür. Stan­dar­di­sierte Auswahl­ver­fah­ren messen Kompe­tenz und Fach­lich­keit. Sie messen selten, wie sich jemand verhält, wenn er nicht mehr beob­ach­tet wird.

2. Warum narziss­ti­sche Persön­lich­kei­ten so oft aufstei­gen

Wer narziss­ti­sche Persön­lich­keits­an­teile trägt, ist im Bewer­bungs­ge­spräch oft schlicht besser vorbe­rei­tet – nicht fach­lich, sondern rheto­risch. Selbst­prä­sen­ta­tion ist für diese Persön­lich­keits­struk­tur keine Leis­tung, sondern gelebte Norma­li­tät. Sie haben ein Leben lang trai­niert, wie man Eindruck macht.

Hinzu kommt: Was Unter­neh­men in Führungs­rol­len suchen, beschreibt narziss­ti­sche Persön­lich­kei­ten fast treff­ge­nau. Stel­len­aus­schrei­bun­gen für leitende Posi­tio­nen fordern Durch­set­zungs­stärke, Entschei­dungs­freude, Charisma und Begeis­te­rungs­fä­hig­keit. Narziss­ten brin­gen all das mit – als Fassade, die in der ersten Zeit perfekt hält.

Das schafft einen syste­mi­schen Selek­ti­ons­vor­teil. Beschei­de­nere, aber fach­lich über­le­gene Kandi­da­ten verlie­ren den Vergleich nicht an Kompe­tenz – sie verlie­ren ihn an Insze­nie­rung. Klas­si­sche Auswahl­ver­fah­ren hono­rie­ren genau jene Signale, die Narziss­ten virtuos senden: Selbst­si­cher­heit, Entschlos­sen­heit, klare Spra­che, impo­san­tes Auftre­ten.

3. Was die aktu­elle Wissen­schaft sagt

Die kurvil­i­neare These: Wenig hilft, viel scha­det

Eine Meta­ana­lyse der Univer­si­tät Mann­heim hat unter­sucht, ob Narziss­mus mit Führungs­er­folg zusam­men­hängt. Das Ergeb­nis: Bei mitt­le­rer Narziss­mus­aus­prä­gung war der Führungs­er­folg am höchs­ten. Sehr nied­rige Werte – also zu wenig Selbst­be­wusst­sein – wirk­ten hemmend. Sehr hohe Werte ebenso, aber aus ande­ren Grün­den: Kritik­re­sis­tenz, fehlende Team­fä­hig­keit, destruk­ti­ves Verhal­ten bei Gegen­wind.

Uni Bonn, 2024: Ein biss­chen Narziss­mus kann funk­tio­nal sein

Profes­sor Gerhard Blickle vom Insti­tut für Arbeits‑, Orga­ni­sa­ti­ons- und Wirt­schafts­psy­cho­lo­gie der Univer­si­tät Bonn bestä­tigt: Ein mode­ra­tes Maß an narziss­ti­schen Zügen kann in Führungs­rol­len funk­tio­nal sein. Menschen mit kontrol­lier­tem Selbst­be­wusst­sein und Ausstrah­lung führen Teams oft effek­ti­ver als über­mä­ßig zurück­hal­tende Persön­lich­kei­ten. Proble­ma­tisch werde es bei ausge­präg­ter narziss­ti­scher Riva­li­tät – dem antago­nis­ti­schen Narziss­mus, der auf Domi­nanz und Abwer­tung ande­rer ausge­rich­tet ist.

Narziss­ti­sche Riva­li­tät: der gefähr­li­che Subtyp

Eine Studie der Univer­si­tät Bamberg (2024, publi­ziert im Jour­nal of Busi­ness Ethics) unter­schei­det gezielt zwischen narziss­ti­scher Gran­dio­si­tät und narziss­ti­scher Riva­li­tät. Die Ergeb­nisse sind eindeu­tig:

  • Führungs­kräfte mit hoher narziss­ti­scher Riva­li­tät reagie­ren auf Abwei­chun­gen von Mitar­bei­ten­den deut­lich destruk­ti­ver als auf vergleich­bare Abwei­chun­gen ande­rer Perso­nen.
  • Diese Führungs­kräfte wollen Mitar­bei­ten­den Scha­den zufü­gen, wenn diese nicht konform verhal­ten – nicht korri­gie­ren, sondern bestra­fen.
  • Das Muster tritt verzö­gert auf: In den ersten Mona­ten bleibt es unsicht­bar, da der neue Kontext noch Kontrolle ausübt.

Der Klon­ef­fekt: Narziss­ten beför­dern Narziss­ten

Beson­ders folgen­reich ist ein Befund der Univer­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg (2024): Hoch­nar­ziss­ti­sche CEOs beför­dern signi­fi­kant häufi­ger Perso­nen mit ähnli­chem Profil in den Vorstand. Das Ergeb­nis ist eine Führungs­kul­tur, in der narziss­ti­sche Denk­mus­ter selbst­ver­stär­kend wirken – mehr interne Riva­li­tät, häufi­gere unge­plante Wech­sel, gerin­gere stra­te­gi­sche Konti­nui­tät.

„Was eine Führungs­kraft über sich selbst erzählt, ist Selbst­dar­stel­lung. Was andere über sie erzäh­len, ist Infor­ma­tion.”

4. Warn­si­gnale im Auswahl­pro­zess erken­nen

Im Bewer­bungs­ge­spräch sind narziss­ti­sche Kandi­da­ten oft die ange­nehms­ten. Die eigent­li­chen Signale zeigen sich nicht in dem, was sie sagen – sondern in dem, was sie weglas­sen und wie sie auf Störun­gen reagie­ren.

Sprach­mus­ter im Gespräch

Warn­si­gnalWas es verrät
Erfolge werden ausschließ­lich in der Ich-Form erzähltKeine Team­ori­en­tie­rung, Fremd­leis­tun­gen werden verin­ner­licht
Bei Fehlern und Nieder­la­gen sind immer andere schuldFehlende Selbst­re­fle­xion, exter­nale Kontroll­über­zeu­gung
Kriti­sche Rück­fra­gen führen zu Vertei­di­gung statt NeugierKritik­re­sis­tenz – früher Indi­ka­tor für spätere Blocka­den
Frühere Vorge­setzte werden entwe­der idea­li­siert oder abge­wer­tetSchwarz-Weiß-Denken, mangelnde Bezie­hungs­kon­ti­nui­tät
Prah­len mit Netz­wer­ken, Status, Exklu­si­vi­tätStatus­ori­en­tie­rung über­la­gert Inhalts­ori­en­tie­rung
Das Team wird in 10 Minu­ten Rede­zeit nicht einmal erwähntFehlende Führungs­iden­ti­tät, nur Selbst­dar­stel­lung

Refe­renz­ge­sprä­che rich­tig führen

Refe­renz­ge­sprä­che sind bei narziss­ti­schen Kandi­da­ten beson­ders aufschluss­reich – aber nur, wenn sie nicht ausschließ­lich mit vorge­leg­ten Refe­ren­zen geführt werden. Wer nicht genannte frühere Kolle­gen oder Mitar­bei­tende befragt, erhält ein deut­lich realis­ti­sche­res Bild. Narziss­ti­sche Führungs­per­sön­lich­kei­ten hinter­las­sen in Teams fast immer gespal­tene Wahr­neh­mun­gen: ein Teil ist begeis­tert, ein ande­rer Teil hat Angst oder schweigt.

5. Was eine Fehl­be­set­zung wirk­lich kostet

Perso­nal­ver­ant­wort­li­che kalku­lie­ren die direk­ten Kosten einer Fehl­be­set­zung – Hono­rar, Einar­bei­tung, Abfin­dung – und unter­schät­zen syste­ma­tisch die indi­rek­ten. Bei narziss­ti­schen Führungs­per­sön­lich­kei­ten sind es gerade die indi­rek­ten Kosten, die den eigent­li­chen Scha­den ausma­chen.

Die eigent­li­che Kosten­stelle ist die Erosion von Team­kul­tur und psycho­lo­gi­scher Sicher­heit. Mitar­bei­tende unter narziss­ti­schen Führungs­kräf­ten lernen schnell: Wer wider­spricht, verliert. Wer abweicht, wird ausge­grenzt. Wer Fehler benennt, trägt sie allein. Das Ergeb­nis ist eine Kultur der Anpas­sung, in der Inno­va­ti­ons­po­ten­zial und ehrli­ches Feed­back syste­ma­tisch verschwin­den – lange bevor es in Zahlen sicht­bar wird.

Studien zeigen: Teams unter nach­weis­lich narziss­ti­scher Führung verzeich­nen bis zu 40 % höhere Fluk­tua­tion. Durch­schnitt­lich verge­hen 18 Monate, bis Unter­neh­men die Entschei­dung tref­fen, eine proble­ma­ti­sche Führungs­kraft zu erset­zen – 18 Monate, in denen Scha­den entsteht.

6. Die zwei Gesich­ter des Narziss­mus: gran­diös vs. vulnerabel

Narziss­mus ist nicht mono­li­thisch. Die Forschung unter­schei­det zwei Haupt­aus­prä­gun­gen, die im Unter­neh­mens­kon­text völlig unter­schied­li­che Heraus­for­de­run­gen darstel­len.

Gran­diö­ser Narziss­musVulnerabler Narziss­mus
Offe­nes, domi­nan­tes Auftre­tenZurück­ge­zo­gen, empfind­lich, leicht gekränkt
Sucht aktiv Bühne und Bewun­de­rungVermei­det Situa­tio­nen, die das Image gefähr­den könn­ten
Im Gespräch: präsent, charis­ma­tisch, einneh­mendIm Gespräch: zurück­hal­tend, schwer einzu­schät­zen
Scha­den durch Über­heb­lich­keit und Rück­sichts­lo­sig­keitScha­den durch Entschei­dungs­ver­mei­dung und narziss­ti­sche Wutaus­brü­che
Früher erkenn­bar, öfter thema­ti­siertWird häufig als „beschei­de­ner Perfek­tio­nist” fehl­in­ter­pre­tiert

Für Perso­nal­ent­schei­der ist der vulnerable Typus oft der gefähr­li­chere – weil er im Auswahl­ver­fah­ren nicht das klas­si­sche Bild des „Blen­ders” erfüllt und deshalb durch herkömm­li­che Einschät­zungs­ras­ter fällt.

7. Struk­tu­rierte Gegen­maß­nah­men für Perso­nal­ent­schei­der

Es gibt keine Methode, die narziss­ti­sche Fehl­be­set­zun­gen voll­stän­dig ausschließt. Aber es gibt bewährte Maßnah­men, die das Risiko erheb­lich senken – nicht durch psycho­lo­gi­sche Diagno­sen im Bewer­bungs­pro­zess, sondern durch kluge Prozess­ge­stal­tung.

1. Verhal­tens­ba­sierte Inter­views statt Selbst­prä­sen­ta­tion

Statt „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?” lieber: „Beschrei­ben Sie eine Situa­tion, in der Ihr Team Ihren Entscheid abge­lehnt hat – und was dann passiert ist.” Oder: „Erzäh­len Sie von einem Projekt, das geschei­tert ist. Was war Ihre Rolle dabei?” Die Antwor­ten verra­ten mehr über Refle­xi­ons­fä­hig­keit als jede Stär­ken-Schwä­chen-Liste.

2. 360-Grad-Refe­renz­ge­sprä­che

Nicht nur mit vorge­leg­ten Refe­ren­zen, sondern gezielt mit Perso­nen aus der Linie unter­halb und quer durch frühere Orga­ni­sa­tio­nen. Die Frage „Wie hat diese Person auf Wider­spruch reagiert?” liefert belast­ba­rere Infor­ma­tio­nen als jede Selbst­aus­kunft.

3. Probe­zeit mit fest­ge­leg­ten Führungs-Check­points

Defi­nie­ren Sie bereits vor dem Start, welche Führungs­ver­hal­ten in den ersten 90 Tagen beob­ach­tet und bewer­tet werden – expli­zit, mit Mitar­bei­ten­den­feed­back als Daten­punkt. Narziss­ti­sche Muster zeigen sich in struk­tu­rier­ten Beob­ach­tungs­fens­tern früher als in offe­nen Evalu­ie­rungs­pro­zes­sen.

4. Externe Unter­stüt­zung bei der Beset­zungs­ent­schei­dung

Insbe­son­dere wenn die beset­zende Person selbst eine starke Persön­lich­keit ist, empfiehlt sich externe Beglei­tung durch erfah­rene Perso­nal­be­ra­ter oder Coaches. Selbst erfah­rene Entschei­der tendie­ren dazu, narziss­ti­sche Kandi­da­ten höher zu bewer­ten, wenn sie ihrem eige­nen Profil ähneln.

5. Struk­tu­relle Führungs­si­che­rung

Kontroll­gre­mien, klare Unter­schrifts­re­ge­lun­gen und regel­mä­ßige Mitar­bei­ter­be­fra­gun­gen wirken nicht als Kontroll­in­stru­ment, sondern als natür­li­cher Korrek­tiv­me­cha­nis­mus. Sie machen es schwe­rer, Narziss­mus dauer­haft zu verber­gen – und geben Betrof­fe­nen in Teams früh­zei­tig Stimme und Schutz.

6. Coaching als Früh­in­di­ka­tor nutzen

Eine Führungs­kraft, die Coaching kate­go­risch ablehnt, sobald es nicht mehr frei­wil­lig ist, gibt damit bereits eine rele­vante Infor­ma­tion preis. Echte Refle­xi­ons­fä­hig­keit zeigt sich in der Bereit­schaft, sich beglei­ten zu lassen. Wer das als Bedro­hung erlebt, demons­triert narziss­ti­sche Selbst­schutz­me­cha­nis­men – unab­hän­gig davon, wie über­zeu­gend er im Gespräch war.

8. Charisma ist kein Führungs­nach­weis

Die Forschung ist eindeu­tig: Ein gewis­ses Maß an Selbst­be­wusst­sein und Durch­set­zungs­wille ist in Führungs­rol­len funk­tio­nal. Was auf Dauer scha­det, ist nicht die Ener­gie des Narziss­mus – es ist seine Unkon­trol­liert­heit, seine Riva­li­tät, seine Unfä­hig­keit zu echter Zusam­men­ar­beit.

Das Tragi­sche an Fehl­be­set­zun­gen durch narziss­ti­sche Führungs­per­sön­lich­kei­ten ist nicht, dass sie unvor­her­seh­bar wären. Es ist, dass die Signale fast immer vorhan­den waren – und dass Auswahl­ver­fah­ren, die auf ersten Eindrü­cken und Selbst­dar­stel­lung basie­ren, sie syste­ma­tisch über­se­hen.

Perso­nal­ver­ant­wort­li­che und Eigen­tü­mer, die Führungs­po­si­tio­nen beset­zen, inves­tie­ren nicht nur in eine Person – sie entschei­den über Kultur, Fluk­tua­tion, Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit und psycho­lo­gi­sche Sicher­heit ganzer Teams. Das ist eine Entschei­dung, die struk­tu­rierte Unter­stüt­zung verdient.

Wer dabei unsi­cher ist oder bereits Anzei­chen einer proble­ma­ti­schen Führungs­kul­tur erkennt: Erfah­rene Busi­ness-Coaches und Führungs­be­ra­ter können helfen – sowohl bei der Diagnose als auch bei der Beglei­tung von Verän­de­rungs­pro­zes­sen. Bei coachverzeichnis.com finden Sie geprüfte Coaches und Bera­ter, die Unter­neh­men bei Beset­zungs­pro­zes­sen und Führungs­kräf­te­ent­wick­lung beglei­ten.

9. FAQ

Warum setzen sich narziss­ti­sche Bewer­ber im Auswahl­pro­zess so oft durch?

Narziss­ti­sche Persön­lich­kei­ten sind im Bewer­bungs­ge­spräch oft schlicht besser – nicht fach­lich, sondern rheto­risch. Selbst­prä­sen­ta­tion ist für diese Persön­lich­keits­struk­tur gelebte Norma­li­tät, kein Aufwand. Hinzu kommt: Was Unter­neh­men in Führungs­rol­len suchen – Durch­set­zungs­stärke, Entschei­dungs­freude, Charisma – beschreibt narziss­ti­sche Persön­lich­kei­ten fast treff­ge­nau. Beschei­de­nere, aber fach­lich über­le­gene Kandi­da­ten verlie­ren den Vergleich nicht an Kompe­tenz, sondern an Insze­nie­rung.

Was ist narziss­ti­sche Riva­li­tät und warum ist sie in Führungs­rol­len so gefähr­lich?

Die Forschung unter­schei­det zwischen narziss­ti­scher Gran­dio­si­tät und narziss­ti­scher Riva­li­tät. Letz­tere ist der deut­lich gefähr­li­chere Subtyp: Führungs­kräfte mit hoher narziss­ti­scher Riva­li­tät reagie­ren auf abwei­chen­des Verhal­ten nicht mit Korrek­tur, sondern mit dem Wunsch zu bestra­fen. Eine Studie der Univer­si­tät Bamberg (2024, Jour­nal of Busi­ness Ethics) zeigt: Das Muster bleibt in den ersten Mona­ten unsicht­bar, da der neue Kontext noch Kontrolle ausübt – und wird deshalb im Auswahl­pro­zess fast nie erkannt.

Was sind konkrete Warn­si­gnale für Narziss­mus im Bewer­bungs­ge­spräch?

Die eigent­li­chen Signale zeigen sich nicht in dem, was narziss­ti­sche Kandi­da­ten sagen, sondern in dem, was sie weglas­sen. Typi­sche Muster: Erfolge werden ausschließ­lich in der Ich-Form erzählt, bei Fehlern sind immer andere schuld, kriti­sche Rück­fra­gen führen zu Vertei­di­gung statt Neugier, frühere Vorge­setzte werden idea­li­siert oder abge­wer­tet, und das Team wird in zehn Minu­ten Rede­zeit nicht erwähnt. Beson­ders aufschluss­reich sind Refe­renz­ge­sprä­che mit nicht genann­ten frühe­ren Kolle­gen – narziss­ti­sche Führungs­per­sön­lich­kei­ten hinter­las­sen fast immer gespal­tene Wahr­neh­mun­gen.

Was kostet eine narziss­ti­sche Fehl­be­set­zung in der Führungs­etage wirk­lich?

Die eigent­li­che Kosten­stelle ist die Erosion von Team­kul­tur und psycho­lo­gi­scher Sicher­heit: Mitar­bei­tende lernen, dass Wider­spruch Konse­quen­zen hat – Inno­va­ti­ons­po­ten­zial und ehrli­ches Feed­back verschwin­den, lange bevor es in Zahlen sicht­bar wird. Studien zeigen: Teams unter narziss­ti­scher Führung verzeich­nen bis zu 40 Prozent höhere Fluk­tua­tion. Durch­schnitt­lich verge­hen 18 Monate, bis Unter­neh­men die Entschei­dung tref­fen, eine proble­ma­ti­sche Führungs­kraft zu erset­zen – 18 Monate, in denen Scha­den entsteht.

Was ist der Unter­schied zwischen gran­diö­sem und vulnerablem Narziss­mus?

Gran­diö­ser Narziss­mus zeigt sich in domi­nan­tem, offe­nem Auftre­ten – die Person sucht aktiv Bühne und Bewun­de­rung. Vulnerabler Narziss­mus ist deut­lich schwe­rer zu erken­nen: Die Person wirkt zurück­ge­zo­gen, empfind­lich und leicht gekränkt und wird häufig als beschei­de­ner Perfek­tio­nist fehl­in­ter­pre­tiert. Für Perso­nal­ent­schei­der ist der vulnerable Typus oft der gefähr­li­chere – er fällt durch herkömm­li­che Einschät­zungs­ras­ter und rich­tet Scha­den durch Entschei­dungs­ver­mei­dung und narziss­ti­sche Wutaus­brü­che an.

Wie können Perso­nal­ent­schei­der narziss­ti­sche Fehl­be­set­zun­gen struk­tu­rell verhin­dern?

Bewährte Maßnah­men senken das Risiko erheb­lich: verhal­tens­ba­sierte Inter­views statt Selbst­prä­sen­ta­tion, 360-Grad-Refe­renz­ge­sprä­che mit Perso­nen aus der Linie unter­halb, Probe­zei­ten mit fest­ge­leg­ten Führungs-Check­points sowie struk­tu­relle Absi­che­rung durch Kontroll­gre­mien und regel­mä­ßige Mitar­bei­ter­be­fra­gun­gen. Selbst erfah­rene Entschei­der tendie­ren dazu, narziss­ti­sche Kandi­da­ten höher zu bewer­ten, wenn sie ihrem eige­nen Profil ähneln – externe Beglei­tung redu­ziert diesen Bias. Auf coachverzeichnis.com finden Sie geprüfte Coaches und Bera­ter, die Unter­neh­men bei Beset­zungs­pro­zes­sen und Führungs­kräf­te­ent­wick­lung beglei­ten.

Wissen­schaft­li­che Grund­la­gen: Gaug­litz & Schyns (2024), Jour­nal of Busi­ness Ethics · Blickle et al. (2024), Univer­si­tät Bonn · Univer­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg (2024): Narcis­si­stic CEOs and board compo­si­tion · Meta­ana­lyse Narziss­mus und Führungs­er­folg, Univer­si­tät Mann­heim, PERSO­NAL­quar­terly · Wardetzki, B.: Blen­der im Job · Babiak & Hare: Snakes in Suits

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Eberhard Kuhl
Eber­hard Kuhl
Eber­hard Kuhl ist der Grün­der von coachverzeichnis.com. Er ist Unter­neh­mens­be­ra­ter und Coach mit Sitz in Daut­phe­tal, Hessen, und betreibt die Platt­form seit August 2025.
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