“Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen.”
– Marie von Ebner-Eschenbach
Irgendwann in der Lebensmitte kippt das System. Du liegst nachts wach und starrst an die Decke. Eine undefinierbare Traurigkeit, eine tiefe Zerrissenheit macht sich breit. Du versuchst, sie mit Vernunft wegzudrücken. Du sagst dir: “Ich habe doch alles. Ich darf nicht undankbar sein. Es ist doch sicher hier.”
Wir werten diese Krisen als Schwäche. Wir gehen zum Arzt, weil wir denken, wir seien kaputt. Dabei ist dieser Schmerz das Gesündeste, was dir passieren kann. Es ist der Alarmruf deiner eigenen Seele. Es ist die gesunde Rebellion gegen ein Leben, das an deinem Kern vorbeigeht. Der Schmerz entsteht immer dann, wenn der Graben zwischen dem, wer du außen vorgibst zu sein, und dem, was du innerlich bist, zu groß wird.
Du kannst diesen Zustand nicht wegdenken und nicht wegkaufen. Du musst ihn aushalten. Der Leidensdruck ist kein Feind, den man betäuben muss. Er ist der einzige Treibstoff, der stark genug ist, um dich aus deiner bequemen, aber falschen Sicherheit herauszusprengen.
Gegen welchen gesunden Schmerz führst du gerade einen aussichtslosen Krieg, anstatt auf seine Botschaft zu hören?
