Ich glaube, die Sinn­frage hat sich jeder schon einmal gestellt:
Macht es Sinn, morgens so früh aufzu­ste­hen, wenn ich trotz­dem zu spät loskomme?
Macht es Sinn, mir einen Diät­plan aufzu­stel­len, wenn ich mich eh nicht daran halte?
Macht es Sinn, zur Arbeit zu gehen, wenn ich doch nichts bewir­ken kann?
Macht es Sinn, an meiner Bezie­hung fest­zu­hal­ten, obwohl sie mich nicht glück­lich macht?

Hinter solchen Fragen steckt oft mehr als ein schlech­ter Tag oder ein Moment der Erschöp­fung.
Oft zeigen sie uns, dass etwas in unse­rem Leben nicht mehr stim­mig ist.
Dass wir müde gewor­den sind vom Funk­tio­nie­ren.
Dass wir uns ange­strengt haben, alles im Griff zu behal­ten, obwohl wir inner­lich längst spüren, dass uns etwas fehlt.

Unzu­frie­den­heit, Unsi­cher­heit und Ziel­lo­sig­keit gehö­ren zu den häufigs­ten Grün­den dafür, dass Menschen sich die Sinn­frage stel­len.
Und doch beant­wor­ten wir sie uns selbst nur selten ehrlich.
Warum?

Weil Ehrlich­keit Verän­de­rung nach sich ziehen könnte.
Weil wir ahnen, dass wir dann nicht einfach weiter­ma­chen können wie bisher.
Weil es leich­ter erscheint, an einer vertrau­ten Struk­tur fest­zu­hal­ten, als zuzu­ge­ben, dass sie uns längst nicht mehr trägt.

Viele Menschen leben in gut gefüll­ten Tagen und fühlen sich trotz­dem inner­lich leer.
Sie erle­di­gen Aufga­ben, über­neh­men Verant­wor­tung, funk­tio­nie­ren im Beruf, in der Fami­lie, im Alltag.
Von außen sieht oft alles ordent­lich aus.
Und innen wächst das Gefühl, nur noch abzu­ar­bei­ten, statt wirk­lich zu leben.

Genau dort geht Sinn oft verlo­ren:
nicht in den großen Krisen, sondern im leisen Gewöh­nen an etwas, das nicht mehr zu uns passt.

Sinn ist dabei selten etwas, das plötz­lich vor uns liegt wie eine fertige Antwort.
Er ist oft viel leiser.
Er zeigt sich in dem Gefühl, mit sich selbst verbun­den zu sein.
In dem Erle­ben, dass das eigene Tun zu den eige­nen Werten passt.
Dass wir nicht nur gebraucht werden, sondern auch wirk­sam sind.
Dass wir nicht nur Erwar­tun­gen erfül­len, sondern uns selbst darin noch wieder­fin­den.

Wenn diese Verbin­dung fehlt, wird vieles schwer.
Dann helfen auch Diszi­plin, Durch­hal­te­pa­ro­len und noch bessere Selbst­or­ga­ni­sa­tion nur begrenzt.
Denn wer dauer­haft gegen das eigene innere Empfin­den lebt, verliert irgend­wann Kraft.
Nicht, weil er zu schwach ist, sondern weil etwas Wesent­li­ches zu kurz kommt.

Viele suchen dann die Lösung im Außen.
In einem neuen Ziel, einer neuen Aufgabe, einem ande­ren Plan.
Das kann hilf­reich sein.
Aber oft beginnt die eigent­li­che Verän­de­rung an einer ande­ren Stelle:
bei der Bereit­schaft, sich selbst wieder zuzu­hö­ren.

Was tut mir noch gut?
Was fühlt sich schon lange nicht mehr rich­tig an?
Wo bin ich nur noch pflicht­be­wusst unter­wegs, aber nicht mehr wirk­lich betei­ligt?
Und was würde sich verän­dern, wenn ich diese Antwor­ten ernst nehmen würde?

Solche Fragen sind nicht bequem.
Aber sie können sehr heil­sam sein.
Denn Sinn­fin­dung beginnt nicht erst mit der großen Neuori­en­tie­rung.
Sie beginnt oft in einem stil­len Moment von Klar­heit.
In dem Moment, in dem wir aufhö­ren, uns selbst zu über­ge­hen.

Manch­mal braucht es keine radi­ka­len Schritte.
Manch­mal beginnt ein neuer Sinn mit etwas ganz Klei­nem:
mit einem ehrli­chen Gespräch, einer bewusst gesetz­ten Grenze, einer Entschei­dung, die sich endlich wieder nach uns selbst anfühlt.

Viel­leicht geht es gar nicht darum, sofort dem ganzen Leben einen neuen Sinn zu geben.
Viel­leicht reicht es, dem nächs­ten Schritt wieder Bedeu­tung zu verlei­hen.
Dem heuti­gen Tag.
Dem, was wir tun.
Und der Art, wie wir mit uns selbst umge­hen.

Denn Sinn ist kein Luxus.
Und er ist auch kein Zeichen von Undank­bar­keit.
Er ist ein Ausdruck davon, dass wir spüren wollen, wofür wir morgens aufste­hen.
Nicht perfekt.
Aber aufrich­tig.
Nicht für alle ande­ren.
Sondern vor allem für uns selbst.

Meet the Coach

Tanja Lords
Tanja Lords
Syste­mi­sche Busi­ness Coach und Mento­rin mit Fokus auf Führungs­kräfte, Vertriebs­pro­fis und Menschen in beruf­li­chen Verän­de­rungs­pha­sen. Sie beglei­tet ihre Klien­tin­nen und Klien­ten dabei, Klar­heit über ihre Rolle zu gewin­nen, Entschei­dun­gen reflek­tiert zu tref­fen und eigene, trag­fä­hige Lösun­gen zu entwi­ckeln – beson­ders am Über­gang vom Kolle­gen zur Führungs­kraft. Ihr syste­mi­scher Ansatz betrach­tet dabei stets das gesamte Umfeld: Unter­neh­mens­kul­tur, Team­dy­na­mi­ken und persön­li­che Werte.
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